Zeitgeist

Sonntag, 12. März 2006

Al Dschasira und Dr. Wafa Sultan

In der westlichen Welt wird der arabische Sender Al-Dschasira oft kritisiert, da er auch Islamisten zu Wort kommen lässt. Aber das ist eine verkürzte Sicht: Al-Dschasira lässt alle im arabischen Raum vorhandenen Meinungen zu Wort kommen, auch solche wie die von Dr. Wafa Sultan. Damit ist der Sender ein großartiges Instrument der Aufklärung und vielleicht auch eines, das einen Lernprozess des Umgangs mit der Meinungsfreiheit in Gang setzt. In meinen Augen ist Al-Dschasira ein Segen für die arabische Welt und vielleicht das Medium, in dem der "Kampf der Kulturen" am ehrlichsten mit Worten ausgetragen wird, was vielleicht den Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und damit zu einer möglichen Überwindung dieses Konflikts ist.

(via Telepolis)

Mittwoch, 22. Februar 2006

Coca Cola for the masses

Du sitzt vor dem Fernseher und siehst Coca-Cola, und du weißt, dass der Präsident Coke trinkt, dass Liz Taylor Coke trinkt, und denkst daran, dass auch du Coke trinken kannst. Eine Coke ist eine Coke, und mit keinem Geld der Welt kannst du dir eine bessere Coke kaufen als die, die der Penner an der Ecke gerade trinkt. Alle Cokes sind gleich und alle Cokes sind gut. Liz Taylor weiß es, der Präsident weiß es, der Penner weiß es und du weißt es.
Andy Warhol

Den Wert der Coca Cola und der Pepsi habe ich in Indien verinnerlicht. Auch am anderen Ende Welt, wo Dreck, Schlamm und Armut dich umgeben, kannst du ein Stück Heimat, ein Stück deiner Alltagskultur, in Flaschenform kaufen. Und die Pepsi schmeckt genauso, wie du es von zu Hause gewöhnt bist. Für 7 Rupien, an jeder Ecke, in jedem gottverdammten Dorf.

Wir gingen auf Plumpsklo, haben von Straßenständen gegessen, sind auf LKW-Flächen mitgefahren, weil die Busse gestreikt haben - aber wir hatten Pepsi und wir hatten Coke. Soviel wir wollten.

Montag, 6. Februar 2006

Kampf der Kulturen

Vieles ist nicht mehr so wie es war. Seit Ende des Kalten Krieges haben sich die politischen Konfliktlinien verschoben. Es ist nicht nur eine Verschiebung von Konflikten zwische Staaten hin zu dem von Huntington prognostizierten Kampf der Kulturen festsstellbar, auch die Konfliktlinien innerhalb der westlichen politischen Kultur sind nicht mehr klar in links und rechts zu ordnen.

Natürlich sind bei der Bild nach wie vor die Gewerkschaften an Arbeitslosigkeit und Alkoholismus schuld und Gerichtsprozesse dienen in erster Linie der Befriedigung von Rachegelüsten. Aber abseits vom medialen Bodensatz der Gesellschaft gerät der politische Kompass gehörig durcheinander.

Während Altlinke wie Christian Ströbele nach wie vor den Westen und insbesondere die USA unter Generalverdacht stellen, sämtliche Probleme der Welt ursächlich mitzuverantworten, sehen andere Linke sich gezwungen unsere Gesellschaften gegen reaktionäre Kräfte zu verteidigen, in denen Atheismus ein Verbrechen ist.

Natürlich waren die Karikaturen eine gezielte Provokation der dänischen Rechten. Natürlich waren sie plump und unangemessen. Außerdem haben auch wir Deutschen selbst aktuell noch eine nicht ganz so freie Presse wie manch einer glaubt.

Aber was ist davon zu halten, wenn aus der muslimischen Welt gefordert wird, diese Karikaturen zu verbieten? Was wir erleben ist ein Konflikt von konkurrierenden Wertesystemen, die in den jeweiligen Kulturen tragend sind. Zur Lösung dieses Konflikts gibt es meiner Meinung nur eine Alternative: Entweder die Wertesysteme gleichen sich an oder sie tolerieren sich gegenseitig und bestehen so weiterhin parallel in ihren Welten.

Wenn jetzt Muslime mit Gewalt versuchen ihre Aufassung von Moral weltweit durchzusetzen ist das meiner Meinung nach genauso abzulehnen wie die gewaltätige Ausbreitung der westlichen Werte durch die Kriege der USA abzulehnen ist. Wir alle sollten vielleicht etwas weniger Sendungsbewusstsein an den Tag legen.

Samstag, 4. Februar 2006

Fanatismus im Digitalzeitalter

Seit Freitag waren in Damaskus SMS-Botschaften zirkuliert, in denen behauptet wurde, in Kopenhagen sollten öffentlich Koran-Ausgaben verbrannt werden.
Quelle: heute.de

Mittelalterlicher Fanatismus und moderne Kommunikationsmittel bilden eine explosive Mischung, vor allem wenn es mal nicht nur um die Schauergeschichte eines Rattenmädchens geht.

Der Damaskuser Fenstersturz?

Dänische Botschaft in Damaskus angezündet
Bildquelle: tagesschau.de

Die Gewalt eskaliert, in Damaskus wurde die dänische Botschaft angezündet. All das wegen ein paar Karikaturen in einer Zeitung, die vor wenigen Wochen noch so gut wie niemand außerhalb Dänemarks kannte. Es ist, als sei dies das überfällige symbolische Ereignis, das einen lange schwelenden Konflikt zum Vorschein bringt und eskalieren lässt. Geschichtsschreibung braucht Symbole, Bilder, punktuelle Ereignisse, an denen sich komplizierte und langwierige historische Prozesse verdeutlichen lassen. Vielleicht wird die Veröffentlichung der Karikaturen und die danach aufkommende Gewalt zu einem solchen symbolischen Ereignis in der späteren Geschichtsschreibung erhoben.

(inspiriert durch einen Kommentar von Freebird auf dem FUCKUP Wiki)

Freitag, 3. Februar 2006

Von der Romantik zur Moderne

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

"Mein Fräulein! Sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück."


Am 17. Februar 1856 starb Heinrich Heine in Paris.

Bis 2007 sollen sämtliche Werke Heinrich Heines auf dem Heine-Portal der Universtität Trier abrufbar sein.

Montag, 16. Januar 2006

Alles in Ordung? - Fernsehen in Zeiten des Ordnungswahns

Alles in Ordung - Mit dem Wahnsinn auf Streife (Pro Sieben)
Bildquelle: prosieben.de

Wir leben in den Zeiten des Ordnungsamtswahnsinn, der inzwischen vielfach im Fernsehen dokumentiert wird. Da werden Passanten von Polizei oder Ordnungsamt angepöbelt, weil sie Zigaretten auf der Straße entsorgen, ein Kaugummi nicht in den Papierkorb werfen oder öffentlich Alkohol trinken.

Dem Wahnsinn wurde nun endlich eine Satire entgegengesetzt: "Alles in Ordnung - mit dem Wahnsinn auf Streife" auf Pro Sieben persifliert sowohl die neue übertriebene Ordnungsliebe als auch die zahlreichen TV-Formate dazu. Dabei bedient man sich - ähnlich wie bei "Stromberg" - eines etwas hintergründigeren Humors, der nicht über alle Maßen übertreibt, sondern die realen Verhältnisse nur leicht überspitzt darstellt. Die Folgen des am Sonntag gestarteten Comedy-Formats sollen auch bald online zu sehen sein.

"Alles in Ordnung" läuft jeden Sonntag um 23:05 Uhr auf Pro Sieben.

Mittwoch, 11. Januar 2006

Law & Order - in Theorie und Praxis

Law&Order-Mann und "Gouvernator" Arnold Schwarzenegger nimmt es mit dem Gesetz selbst offenbar nicht so genau: Er wurde beim Motorradfahren ohne Führerschein erwischt.

Und Tony Blair, der antosoziales Verhalten ausrotten will, schlägt seine Kinder.

Montag, 9. Januar 2006

Der Wert der Arbeit - Arbeit, Arbeit über alles?

Arbeit ist kein beliebig vermehrbares Gut. Die Menge der sinnvollen Arbeit ist begrenzt, die Produktivität der geleisteten Arbeit steigt. Immer mehr unserer Wertschöpfung wird nicht über menschliche, sondern maschinelle und computerisierte - kurz automatisierte Arbeit - geleistet. Trotzdem hält man von FDP ("Vorfahr für Arbeit") bis Linkspartei ("Arbeit soll das Land regieren") am Konzept der Erwerbsarbeit weitgehend fest. Auch die Kirche beton den besonderen Wert der Arbeit über ökonomische Dimensionen hinaus:

Auch der Limburger Bischof Franz Kamphaus hat bei seiner Ansprache auf dem Neujahrsempfang des Frankfurter Gewerkschaftsbundes am Samstag von der Bedeutung der Arbeit gesprochen, aber vorrangig etwas anderes gemeint. Kamphaus sprach vom Vorrang der Arbeit vor Sozialleistung.

Es ist gut, daß er das tat. Denn bei allen Diskussionen um Hartz IV, um Kombi-Löhne, um steigende Aktienkurse, wenn wieder einmal Entlassungen verkündet werden, ist es wichtig, daran zu erinnern, daß Arbeit jenseits des rein Ökonomischen einen Wert in sich darstellt, Anerkennung und Freude verschafft, Teilhabe ermöglicht und Augenblicke der Erfüllung erlaubt. Der Bischof hat das so ausgedrückt: "Aus ethischer Sicht fällt besonders ins Gewicht, daß die Teilnahme am Erwerbsleben nicht nur für den Lebensunterhalt entscheidend ist, sondern auch für die Wertschätzung und die Entfaltung der Person in Gesellschaft und Kultur."


Quelle: FAZ.NET

Die Vorstellung jedoch, dass der Mensch sich vor allem in Erwerbsarbeit verwirklichen kann und soll ist recht jung, wie z.B. Klaus-Michael Kodalle feststellt:

In der Antike und noch im Mittelalter wurde Arbeit keineswegs als sinnstiftend, sondern eher als notwendiges Übel betrachtet. Das Mittel zur Selbstverwirklichung hieß Müßiggang. Unser heutiges Verständnis von Arbeit ist also noch sehr jung, und nun wird es radikal in Frage gestellt, da immer leistungsfähigere Maschinen uns zunehmend vom Joch der Arbeit befreien. [...] Viele Menschen müssen lernen, ihre zunehmende Freizeit wieder kreativ zu gestalten und sich nicht auf die Anerkennung in der bezahlten Erwerbsarbeit zu fixieren.

Mittelfristig müssen wir uns wohl damit abfinden, dass Vollbeschäftigung und die Organisation und Verteilung von Gütern über klassiche Erwerbsarbeit nur eine kurze Periode der Menschheitsgeschichte darstellte. Wir sind gerade dabei sie zu verlassen. Arbeit ist sicher ein geeignet Mittel sich selbst zu verwirklichen und sich als wertvolles Mitglied einer Gemeinschaft zu fühlen. Dabei müssen wir aber darauf achten, dass unser gesellschaftliches Klima sich dahingehend verändert, nicht nur klassiche Erwerbsarbeit als sinnvolle Arbeit anzuerkennen. Kreative Arbeit und soziales Engagement ohne direkte Vergütung sind nahezu immer möglich. Es wird Zeit auch diese Formen der Arbeit endlich gesellschaftlich anzuerkennen. Ökonomisch ist die "Krise der Erwerbsarbeit" wohl vor allem durch ein bedingungsloses Grundeinkommen überwindbar. Aber das ist vielleicht das kleinere Problem.

Sonntag, 8. Januar 2006

Gefühlte Sicherheit

Was braucht man, um die gefühlte Sicherheit der WM-Besucher zu erhöhen? Schäuble will Panzer vor den Stadien und AWACS in der Luft.

Vielleicht sollte er sich lieber Gedanken über die laut Stiftung Warentest "beträchtliche Mängel" mit "verheerende(n) Folgen" im Falle einer Panik kümmern?

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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