Philosophie

Dienstag, 27. März 2007

Atheismus

Wir sind alle Atheisten, was die meisten Götter anbelangt, an die die Menschheit jemals geglaubt hat. Manche von uns gehen einfach einen Gott weiter.
Richard Dawkins

Seinen Film "The God Delusion" gibt es auch bei Google Video. Aber fasst das nicht als Empfehlung auf, ich habe ihn noch nicht gesehen.

Samstag, 9. Dezember 2006

Gibt es eine "Universalgrammatik" der Moral?

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie stehen neben einem Bahngleis an einer Weiche. Außer Kontrolle geraten, rast ein Waggon heran. Auf der links abzweigenden Spur macht sich eine Gruppe von fünf Eisenbahnarbeitern zu schaffen, rechts ein einziger.

Unternehmen sie nichts, schwenkt der Waggon links ab und tötet die fünf Männer. Indem sie den Weichenhebel umlegen, können sie die Fünf retten und nur einen opfern. Die meisten Menschen antworten, sie würden den Waggon umleiten.

In einem anderen Szenario können sie einen schweren Mann von einer Brücke auf die Gleise stoßen, um den Waggon aufzuhalten. Diesmal geben fast alle an, das sei unvertretbar, obwohl das Ergebnis doch in beiden Fällen das gleiche wäre.


Aus einem sehr interessaten Interview mit Harvard-Professor Marc Hauser über seine These einer in den Genen verankerten Universalmoral der Menschheit.

Die überwiegende Neigung beide Situationen moralisch unterschiedlich zu bewerten, folgt weder der Philosophie des Utilitarismus, die nur die Konsequenzen und den damit verbundenen Nutzen und Schade bewertet noch der Moralphilosophie der Deontologie, die nur die Handlung und ihre Absicht bewertet.

In beiden Fällen kommt durch die eigene Handlung ein Mensch zu Tode, der sonst überleben würde, weshalb dies aus deontologischer Sicht abzulehnen wäre. In beiden fällen wird aber auch ein Leben geopfert, um fünf andere zu retten, weshalb ein Utilitarist in beiden Fällen ein aktives Eingreifen befürworten würde.

Hauser glaubt hier ein universelles Prinzip moralischer Bewertung gefunden zu haben, denen wir intuitiv und nicht rational folgen:

Wir unterscheiden beabsichtigten und vorhergesehenen Schaden. Wer die Weiche umstellt, sieht voraus, dass der einzelne Arbeiter sterben wird, beabsichtigt das aber nicht. Wer den Mann von einer Brücke stößt, will ihn dagegen töten, um die anderen zu retten. [...] Neben dem Unterschied zwischen beabsichtigten und vorhergesehenen Folgen haben wir andere Strukturen entdeckt. So halten Menschen Schaden, der durch Körperkontakt entsteht, für verwerflicher als den, bei dem es zu keiner Berührung kommt.

Und eine Handlung mit negativen Folgen wirkt schlimmer als die Unterlassung einer Handlung, die dasselbe Ergebnis hat. Ein gutes Beispiel dafür ist die aktive und passive Sterbehilfe. In beiden Fällen ändert sich das Resultat nicht. In den Niederlanden und Belgien hat der Gesetzgeber deshalb die Unterscheidung aufgegeben. Dennoch erkennen die meisten Menschen hier intuitiv noch einen moralischen Unterschied.

Das ergibt evolutionär auch Sinn: Wenn jemand eine Handlung unterlässt, können wir nicht sicher sein, ob er es absichtlich getan hat. Deshalb zögern wir auch, sie moralisch eindeutig zu bewerten. Doch wie das Euthanasiebeispiel zeigt, ist die ererbte Moral nicht immer für die moderne Welt geschaffen. Doch es hilft, die Quellen unserer Intuitionen zu kennen.

Sonntag, 13. November 2005

Ehe und Evolution

Was denkt eine Frau nach zwanzig Jahren Ehe morgens vor dem Spiegel? – Das hat er verdient!

Die Ehe - von der christlichen Moral ersonnen, ein Sakrament der Kirche, ein von Männern dominiertes Bollwerk gegen die Emanzipation der Frau. So sahen es viele Feministen. Doch evolutionär betrachtet, kann man in der Ehe als moralisches Gebot eigentlich nur den größten je von Frauen erreichten Erfolg betrachten. Es gibt in der Evolution zwei verschiedene Strategien für Nachkommen und die Erhaltung der Art zu sorgen: die eine ist es, möglichst viel Nachwuchs in die Welt zu setzen, von dem dann ein kleiner Teil überlebt. Die andere Strategie ist die Zeugung von wenig Nachwuchs, der dann aber um so besser versorgt wird und dessen Überleben so mit hoher Wahrscheinlichkeit gesichert ist.

Welche Männer haben sich evolutionär durchgesetzt? Natürlich solche, die ihren Samen möglichst breit gestreut haben. Wer sich also als Mann durch die Steinzeit gepoppt hat, sorgte am effektivsten dafür, dass seine Gene in weiteren Generationen fortbestehen - ergo wird diese Verhaltensweise evolutionär begünstigt werden. Ganz anders die Kosten-Nutzen-Rechnung der Frauen: Ist sie schwanger, ist sie für Monate auf Hilfe angewiesen. Danach gebährt sie die Kinder und muss sie versorgen. Die Last einer sexuellen Vereinigung ist ungleich größer: Die Entbehrungen lohnen sich evolutionär nur dann, wenn sie ihre Gene in die nächste Generation vererbt. Dazu benötigt es die Pflege der Kinder. Diese evolutionäre Strategie basiert auf Monogamie, Treue und eine Partnerschaft, die das gesamte gebährfähige Alter hindurch hält. Eine Frau der Steinzeit, die, ohne sich um den Nachwuchs zu kümmern nur der sexuellen Lust hingäbe, hätte wenig Chancen, dass sich ihre Gene vererben - die gezeugten Kinder würden sterben. Unterbewusst scheint selbst heute dieses Prinzip noch anerkannt. Abseits aller zivilisatorischen vom Christentum geprägter Moral gilt immer noch der Mann, der mit vielen Frauen ins Bett geht als "toller Hengst", während eine Frau mit der gleichen Verhaltensweise als "Flittchen" bezeichnet wird.

Die Ehe nun hat die Monogamie und die lebenslange Partnerschaft im gesellschaftlichen Bewusstsein tief verankert. Untreue, auch wenn evolutionär von Vorteil für die Männer, gilt als unmoralisch. Auch in kulturell und religiös anders geprägten Erdteilen, hat sich irgendeine Form von Ehe, in der ein Mann der Familie gegenüber verantworlich ist und an sie gebunden, als moralisch richtig durchgesetzt. Ein Sieg des weiblichen evolutionären Prinzips über das Männliche? Es hat sich in der Vergangenheit wohl als das erfolgreichere evolutionäre Prinzip für Menschen erwiesen. Menschen sind komplexe Lebewesen, einen Großteil ihrer Fähigkeiten erwerben sie erst außerhalb des Mutterleibs. Ohne Schutz und Versorgung bei der Geburt, sind sie nicht überlebensfähig. Hat sich hier also die evolutionär sinnvollste Strategie eine kulturell-gesellschaftliche durch religiöse Moral gefestigte Grundlage "gesucht"? Karl Marx sah in Religion und Moral nur den "kulturellen Überbau" für eine Ökonomie. Er beschrieb wie sich Kultur und Moral in jeder Phase der Menschheitsgeschichte durch die ökonomische Basis verändert hat: die geltenden Moralvorstellungen passten sich der jeweils vorhandenen ökonomischen Entwicklung an. In der Feudalherrschaft galt noch das königliche Machtprinzip als gottgegebeben, mit der ökonomischen Erstarkung des Bürgertums wurde das Leistungsprinzip erfunden und moralisch propagiert. Aber basieren nicht die Regeln der Ökonomie und die Aufteilung der Machtverhältnisse auf viel grundsätzlicheren, älteren Prinzipien der Menschheit und aller Lebewesen, der Evolution? Ist es nicht vielleicht die Evolution, die einen kulturell-moralischen Überbau für das erfolgreichste derzeitige Fortpflanzungsprinzip kreiert?

Die heutige Entwicklung würde dafür sprechen. Im Zuge der Industrialisierung, der Massenproduktion und des Sozialstaats ist eine Ehe nicht mehr dringend vonnöten, um den Nachwuchs großzuziehen. Instiutionelle Einrichtungen wie Kindergärten, Kitas und ein stark vergrößerter Wohlstand, zivilrechtliche Regelungen wie die Alimentierung eigener Kinder auch bei Untreue - all dies führt zu einer immer kleiner werdenden Bedeutung für die Ehe als Ort der Kindererziehung und versorgung. Im gleichen Maße wie die Ehe als evolutionäres Prinzip an Bedeutung verlor, schwand auch - langsam, mit Ausschlägen und Rückschlägen - die moralische Basis der Ehe. Heute wird die Ehe von einem Großteil der Gesellschaft nicht mehr als Sakrament wahrgenommen, der Einfluss des Christentums ist stark geschwächt und auch Promiskuität wird von vielen nicht mehr an sich als unmoralisch betrachtet.

Nachtrag vom 14. November 2005:

Danke an "Z.", der mich per Mail auf den doch recht entscheidenden Unterschied zwischen Sakrament und Sakrileg hinwies. ;) Ich habe das mal korrigiert.

Freitag, 28. Oktober 2005

Das "Briefwahl-Paradoxon"

Folgende Aufgabe:

In einer Quizshow werden Ihnen zwei Umschläge von der Showmasterin gegeben, mit der Angabe, einer enthalte doppelt so viel wie der andere. Sie öffnen darauf einen der Umschläge und dürfen dann wählen, ob Sie ihn behalten oder wechseln wollen. Sollten Sie wechseln?

aus: Johann Berger: Paradoxien

Was meint ihr?

Die Auflösung gibt es hier: http://fuckup.homeunix.net/index.php?Das

Samstag, 15. Oktober 2005

Die großen Sinnfragen im Wandel der Zeit

odyssee

Früher haben wir's uns recht einfach gemacht, wenn es darum ging, die großen Fragen des Lebens zu beantworten: Die Antwortet hatte meistens vier Buchstaben: Gott. Heute ist die Antwort auf die großen Sinnfragen natürlich viel komplexer und hat bereits 9 Buchstaben: Evolution (außer außerhalb Europas, Australiens und Kanadas - da glaubt man immer noch an Gott oder ähnliches).

Also früher:

"Warum leben wir?"
"Um Gott zu dienen."

Heute:
"Weil unsere Vorfahren nichts anderes als Sex im Kopf hatten, kurz: Fortplanzung."
Die keuschen Formen des Lebens sind nämlich ausgestorben.

Bzw. wir könnten uns die Frage gar nicht stellen, wenn nicht dieses eherne Prinzip der Selbsterhaltung und Vermehrung hinter unserer Existenz stecken würde.

Eine weitere große Frage des Lebens betrifft dessen Ende: Warum sterben wir? Früher hieß es dazu einfach: "Weil Gott uns zu sich gerufen hat." Geht der Frage natürlich etwas aus dem Weg, denn das hieße ja, dass wir gar nicht sterben und warum hat uns Gott überhaupt irgendwann mal weggeschickt nur um uns dann wieder zu sich zu rufen?

Wenn wir nach dem evolutionären Sinn des Todes fragen - und nur der ist ja entscheidend, wenn es darum geht, was existiert und warum, stellt sich die Sache folgendermaßen dar: Der Alterungsprozess ist genetisch determiniert, an sich müssten wir nicht unbedingt sterben - zumindest theoretisch könnten wir mit entsprechender Manipulation des Erbguts sehr sehr alt werden. Gut, irgendwann würde sich dann bemerkbar machen, dass gewisse Teile unseres Körpers nicht für die Ewigkeit ausgelegt sind - aber auch hier macht die Medizin täglich Fortschritte. Aber warum sind wir denn nun genetisch programmierte Zeitbomben, die relativ schnell ticken? Weil dies einen evolutionären Überlebensvorteil darstellt. Klingt komisch, ist aber so. Kurze Lebenszyklen beschleunigen den Austausch und die Vermischung des Genpools - so kann sich dieser schneller an die Gegenbenheiten anpassen - und selbst dieses "schneller" ist noch sehr sehr langsam, nach menschlichen Zeitwahrnehmungsmaßstäben geurteilt, was aber wiederum mit unseren kurzen Lebenszyklen zu tun hat - ein Teufelskreis! Der Zweck unseres Lebens (erste große Sinnfrage) besteht also in der Fortpflanzung und der Erhaltung unserer Art. Wenn dieser Job allerdings erledigt ist, gibt es eigentlich keinen großen evolutionären Sinn mehr unseren Körper weiter am Leben zu erhalten (zweite große Sinnfrage).

Ich weiß nicht, ob ich die alten Antworten nicht irgendwie schöner fand.

Montag, 27. Juni 2005

Determinismus und freier Wille

Das Thema Willensfreiheit ist ja schon seit einigen Jahren - nicht zuletzt durch Gerahrd Roth - immer wieder in aller Munde. Hier eine aktuelle Diskussion dazu auf dem FUCKUP-Wiki:

http://fuckup.homeunix.net/index.php?Determinismus

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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