Netzwelt

Mittwoch, 2. Mai 2007

Copyriot zum 1. Mai

09 F9 11 02 9D 74 E3 5B D8 41 56 C5 63 56 88 C0

Von einer Rebellion auf dem Web-2.0-Nachrichtenportal Digg.com berichtet unter anderem Spiegel Online. Bei dem Portal, auf dem die Nutzer eingereichte Links durch einen einfachen Klick bewerten, rangierte ein 16 Byte langer Code ganz oben in der Gunst der Nutzer. Das für Digg.com Gefährliche: Bei dem Code handelt es sich um eine Zeichenfolge, die dazu geeignet ist, den Kopierschutz aller HD-DVDs zu knacken, um diese beispielsweise zu kopieren oder unter freien Betriebssystemen wie Linux abzuspielen. Dementsprechend versucht das AACS-Konsortium der Filmindustrie die Verbreitung der Zeichenfolge mit Unterlassungsklagen unter anderem an Google, Wikipedia und zahlreiche kleinere Foren zu verhindern. Auch Digg.com löschte den Link aus Angst vor Millionenklagen der Filmindustrie immer und immer wieder aus dem Index. Am Ende hat Digg.com die Zensur und damit den Kampf gegen die eigenen Nutzer aufgegeben. Digg-Gründer Kevin Rose schrieb gestern in seinem Blog:

But now, after seeing hundreds of stories and reading thousands of comments, you’ve made it clear. You’d rather see Digg go down fighting than bow down to a bigger company. We hear you, and effective immediately we won’t delete stories or comments containing the code and will deal with whatever the consequences might be.

If we lose, then what the hell, at least we died trying.


Die Story ist mit derzeit 4349 Diggs der meistgediggte Link der Geschichte des Portals.

Das eigentlich Spannende an dieser Geschichte ist, dass das Web-2.0-Prinzip der Seite die Zensur verhindert hat. Die Masse der User, die diesen Code immer und wieder eingestellt und bewertet, in Foren gepostet hat etc., hat die Zensur unmöglich gemacht. Das Web 2.0 macht Zensur, egal welcher Art, langfristig vom Prinzip unmöglich, weil es keine Kontrolle mehr über den Content geben kann. Die Vernetzung der Blogs etc. führt im Gegenteil dazu, dass all jene Inhalte, die bekämpft werden, sich schneller verbreiten als alles andere. Wie bei allen friedlichen Revolutionen schützt die Masse vor der Bestrafung. Man kann nicht mehrere Millionen Blogger in Gefägnisse stecken, genauso wie die DDR das nicht mit jedem Montagsdemonstranten tun konnte. Vernetzung ist der Schlüssel.

Quelle des Codes ist Rudd-O.com, der Blog des 27-Jährigen Wirtschaftsmathematikers Manuel Amador Briz.

Samstag, 17. März 2007

StudiVZ und die Lizenz zum Schnüffeln

Immer mehr Menschen, insbesondere junge, verbringen einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres Lebens im Netz. Damit meine ich jetzt nicht mal das mediengehypte "Second Life", sondern vor allem Social-Networking-Plattformen wie das StudiVZ.

Genau diese berüchtigte aber nach wir vor erfolgreiche Online-Plattform für Studenten, hat nun ihre Allgemeinen Geschäftsbedinungen geändert - und die haben es in sich. Der bekannte Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter weist in seinem law blog beispielsweise auf Vertragsstrafen für alle möglichen Vertöße gegen die AGBs und die "Lizenz zum Schnüffeln" in privaten Nachrichten hin, die sich der Betreiber vorbehält, um AGB-Verstöße wie Doppelanmeldungen aufzudecken.

Wer keine Lust auf die neuen AGBs hat, so könnte man argumentieren, kann diesen ja einfach widersprechen, was zur Folge hat, dass der Account und sämtliche Daten gelöscht werden. Nur so einfach ist das leider nicht. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Organisation studentischen Soziallebens wird inzwischen über diese Plattform organisiert, sei es die Verabredung zu Partys, der Austausch von Gleichgesinnten in Gruppen oder einfach nur die Kontaktpflege.

Dabei neigen Social-Networking-Portale natürlich zur Konzentration: Je mehr User sich auf einer Plattform anmelden, um so attraktiver wird diese für alle - ein sich selbst verstärkender Effekt. Der Großteil des Werts und der Attraktivität einer Social-Networking-Plattform für die User, entsteht also erst durch durch diese selbst.

Demokratie auch im virtuellen Leben?

Es ist meiner Meinung nach daher fraglich, ob bei fortschreitender Vernetzung von On- und Offlineleben, in denen sich die User bisher in große Abhängigkeit zu ihrem Dienstanbieter begeben, dieser alleine darüber entscheiden sollte, wie die Nutzungbedingungen aussehen sollen und wie beispielsweise die auf dem Portal gespeicherten Daten wie persönliche persönliche Fotos genutzt werden dürfen.

Wenn ein immer größerer Teil unseres sozialen Lebens online stattfindet, wenn der Ausschluss von einer Online-Plattform auch ein Ausschluss von einem großen Teil sozialen Lebens bedeutet, wie es heute teilweise schon für das StudiVZ gilt, sollte dann unser Online-Leben nicht genau so demokratisiert sein wie unser echtes Leben? Brauchen Online-Portale also eine Verfassung und demokratische Mitbestimmung, um die Willkür des Dienstanbieters zu verhindern, von dem so viele User abhängig sind?

Wir sind das StudiVZ!

In gewisser gibt es natürlich schon Elemente demokratischer Mitbestimmung. Was würde sich besser eignen, den Protest gegen die dreisten AGBs einer Social-Networking-Plattform zu organisieren, als diese Plattform selbst? Daher habe ich heute die Initiative gegen die neuen StudiVZ-AGBs als als StudiVZ-Gruppe gegründet, die - noch nicht einmal einen Tag alt - bereits 47 Mitglieder hat. Durch die naturgemäß große Vernetzung innerhalb der Plattform wäre es meiner Einschätzung nach schon möglich, den Anbieter durch einen organisierten Protest zum einlenken zu bewegen. Notfalls, in dem man mit Massenaustritt droht - Geschichte wiederholt sich nicht, höchstens als Farce. ;)

Trotzdem behagt es mir nicht, dass der Betreiber die Gruppe, die den demokratischen Protest organisieren soll, jederzeit völlig rechtmäßig auflösen und somit jeden Protest im Keim ersticken könnte. Dann bliebe nur noch, den Protest nach außen zu tragen, raus aus der proprietären Plattform - rein in die freie Blogosphäre, die nicht von einem einzigen Dienstanbieter abhängig ist.

Freitag, 10. November 2006

User Generated Content

... und die Lizenzbedinmgungen von DeviantART

Sogenannter "User generated Content", also Inhalte, die von den Nutzern erstellt wurden, ist eines der Schlüsselbegriffe des Web 2.0 - ein Schlagwort, das die jüngste Entwicklung des Internets hin zu einem tatsächlich demokratsichen Medium ausdrückt, in dem die Nutzer nicht nur reine Konsumenten, sondern auch Produzenten von Medieninhalten sind.

Doch wie das bei jedem neuen Hype - irgendwer will dran verdienen. So weit, so unproblematisch - die neuen kommerziellen Dienste wie Blogservices, Online-Fotoalben wie Flickr oder DeviantARt, ein Online-Portal für Kunst - geben der Nutzern immerhin die technischen Möglichkeiten, die soziale Innovation des Web 2.0 hervorzubringen.

Letztgenannter Service übertreibt dabei in seinen Lizenzbedingungen nur ganz unwesentlich:

4. Copyright

deviantART is, unless otherwise stated, the owner of all copyright and data rights in the Service and its contents. You may not reproduce, distribute, publicly display or perform, or prepare derivative works based on any of the Content without the express, written consent of deviantART. However, deviantART does not claim ownership rights in your works or other materials posted by you to deviantART (Your Content).


Quelle: http://about.deviantart.com/policy/service/

Wenn ich das richtig deute (bitte korrigiert mich, falls nicht), dann bedeutet dieser Abschnitt frei übersetzt: deviantART besitzt das Copyright aller auf deviantART veröffentlichten Werke und nichts darf ohne unsere Einwilligung damit geschehen. Immerhin behauptet wir aber nicht, dass das Zeug von uns stammt.

User generated content also gut und schön, so lange der Content dann am Ende uns gehört - ein Vorgehen, das mit dem kontinentaleuropäischen Urheberrecht , welches ein sogenanntes indisponibles Recht ist, das nicht aufgegeben werden kann. Einzig und allein Verwertungsrechte können gewährt werden.

Mittwoch, 8. November 2006

GEMA vs. Internetkultur

Auf Videoseiten wie YouTube laden Millionen Menschen welitweit ihre selbst erstellen Videos hoch. Sie fertigen Animationen, Zusammenschnitte, Satiren und alles nur erdenkliche an. Ihre Videos unterlegen solche Hobbyfilmer nicht selten mit der Musik, die sie hören und mögen - größtenteils urheberrechtlich geschützt Musik. Einige wie die aus Deutschland stammenden jungen Frauen Lynne und Tessa sind durch "Neuinterpretation" bekannter Popsongs durch dazu passende Mimik und Gestik sogar zu so etwas wie Internetstars geworden, die es selbst in Boulevardsendungen des Privatfernsehens und die Bild-Zeitung schafften.

YouTube & Co sind ein Stück Internetkultur geworden und die Internetkultur ein nicht unwesentlicher Teil heute produzierter Kunst und vielfach auch ein Ausdruck aktuellen Zeitgeists. Doch viel wird davon für nachfolgende Generationen wahrscheinlich nicht übrig bleiben, denn die industriellen Rechtverwerter der Contentindustrie ziehen immer öfter juristisch gegen die neuen Portale zu Felde. Jüngstes Beispiel ist eine Klageandrohung der deutschen GEMA gegenüber Google, das das poplärste Videoportal YouTube vor kurzem übernommen hat:

"Wir werden die Verhandlungen nicht abwarten, sondern haben Google von den Verstößen auf YouTube in Kenntnis gesetzt, wo die Rechte unserer Mitglieder betroffen sind", ergänzte der GEMA-Sprecher. Google sei aufgefordert, Videos mit nicht lizenzierter Musik zu löschen. Ein Google-Sprecher sagte dies zu.

Quelle: heise online

Es wird Zeit, dass die Lizenzdinosaurier der klassischen Musikindustrie links liegen gelassen werden und sich eine neue Musikkultur als das bildet, was sie eigentlich immer war: eine Neben- und Gegenkultur. Musik unter einer modernen, zeitgemäßen Lizenz, findet man z.B. unter jamendo.com.

Sonntag, 8. Oktober 2006

FUCKUPs Netzumschau

Wahlbetrugsmaschinen

Das Wort "Maschine" kommt laut Wikipedia vom Griechischen "mechané". Und das bedeutet neben Gerüst und Vorrichtung auch List, was gar nicht mal so unpassend ist, wenn man sich aktuell eingesetzte Wahlmaschinen ansieht. Die können nämlich ohne weiteres zu einer List genutzt werden: Die in Deutschland eingesetzt Wahlcomputer wurden bereits von niederländischen Hackern erfolgreich manipuliert und der Chaos Computer Club fordert daher ein Verbot dieser Maschinen für alle ordentlichen Wahlen in Deutschland. Wenn die Leute, die sich wirklich mit so etwas auskennen diesen Maschinen nicht trauen, sollten wir das vielleicht auch tun. Ausführlich wird das Thema auch in einer Sendung des Chaosradios besprochen. Titel: Wahlcomputer - Der schleichende Untergang der öffentlichen Kontrolle. Auch die c't hat sich sehr kritisch mit Wahlmaschinen beschäftigt und bei Andreas kann man sich immer über die neusten Horrormeldungen bezüglich der Wahlcomputer informieren.

Das wichtigste ist aber, dass mit einer Software, die statt klassischen Wahlzetteln immer häufiger verwendet wird, die Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit demokratischer Wahlen verschwindet und damit auch ein verfassungsmäßig festgeschriebenes Gebot jeder Wahl. Nicht zuletzt daher stimmen wohl auch Verfassungsrechtler der Verbotsforderung des CCCs zu.

Dass man mit dem, was einem die Wahlmaschine sagt, leben muss, ohne es überprüfen zu können, ist aber sicher einigen ganz recht. Man erinnere sich nur an das Hick Hack um die Präsidentschaftswahl der USA 2000.

Online-Knast für "Raubkopierer"

Wir alle wissen: "Raubkopierer sind Verbrecher", so will das zumindest die Industrie und macht damit Millionen ihrer Kunden zu Kriminellen. Kriminelle gehören weggesperrt und so bekennen sich nun tausende der Raubmord ... äh "Raubkopierer" auf der Seite www.wir-haben-privat-kopiert.de und knasten sich selbst ein. Ich habe meine Zelle auch bereits bezogen, schließlich habe ich mich zuvor ja schon öffentlich bekannt.

Gestern lieh ich mir übrigens den Film "München" aus der Videothek aus. In der englischen Version gab es einen Anti-Pircacy-Werbespot, den man sich zwangsweise vor dem Film ansehen musste. Der Text:

You wouldn't steal a car.
You wouldn't steal a handbag.
MOVIE PIRACY IS STEALING!


Ich kann dazu nur sagen: Wenn es die Möglichkeit gäbe, ein Auto kostenlos zu kopieren, würde ich mir sofort einen dicken Audi, BMW oder Benz kopieren. Dass dabei die Autoindustrie zugrunde ginge, weil ihr Geschäftsmodell damit überholt wäre, würde mich keine Sekunde zögern lassen. So viel zu hinkenden Vergleichen ...

Microsoft

Wer ein Monopol hat, muss nicht freundlich sein. Microsoft tut nicht viel für ein gutes Image. So kann man es sich z.B. leisten eine völlig unfertige Windows-Vista-Version als "Release Candidate" zu bezeichnen, ungefragt Daten an Microsoft zu senden, Spieler zum Zwangsumstieg zu zwingen, indem man DirectX 10 nicht für Windows XP verfügbar macht, die EU-Komission unverhohlen zu epressen oder es in Kauf nehmen, dass durch grafischen Schnickschnack aktuelle Spieletitel unter Windows Vista 10-15% langsamer laufen werden als unter XP.

Dabei ist weder das als revolutionär angekündigte WinFS Teil des Vista-Betriebssystems noch eine zunächst angekündigte Funktion zur automatischen Synchronisation. Vistas Hauptfeature ist die neue grafische Oberfläche, die vor allem eins tut: Stromfressen.

Einen wirklich guten Einblick in Microsofts agressives Marketing bietet außerdem dieser Artikel auf "Inside IT".

Immerhin verliert Microsoft immer mehr wichtige Mitarbeiter: Schon wieder verlässt ein hochrangiger Mitarbeiter das Unternehmen im Streit. Diesmal ist es der Deutschland-Chef des Unternehmens, Jürgen Gallmann.

Apple ist übrigens nicht besser, die Alternative lautet: Freie Software!

Dienstag, 26. September 2006

Digitales Nationalarchiv und Verbot von "Hacker-Tools"

Direkte Demokratie wird oft mit dem Argument abgelehnt, der Bürger könne sich auf all den Gebieten, auf denen Entscheidigungen gefällt werden müssen, gar nicht sachkundig machen und das ist auch sicher richtig. Politiker allerdings können das auch nicht und deshalb gibt es z.B. Fachausschüsse des Bundestages, in denen dann auf das jeweilige politische Fachgebiet spezialisierte Politiker aller Fraktionen zusammen mit Experten einen Gesetzesantrag beraten. Manchmal scheint das aber irgendwie daneben zu gehen wie im Falle des geplanten Verbots für "Hacker-Tools". Diesen Gesetzentwurf müssen unzweifehlaft ausschließlich Leute vorbereitet haben, die keine Ahnung von der Materie haben.

Alleine der Besitz von "Hacker-Tools" - und das seien all jene, die zu einem Angriff auf fremde Rechner hilfreich sein könnten, wird hierbei unter Strafe gestellt:

Sanktioniert wird insbesondere das Herstellen, Überlassen, Verbreiten oder Verschaffen von "Hacker-Tools", die darauf angelegt sind, illegalen Zwecken zu dienen (§ 202c StGB neu)

Nur, was ist darauf angelegt, illegalen Zwecken zu dienen? So ziemlich jede Linux-Distribution, die natürlich alle von Unix her bekannten Tools zur Netzwerkanalyse mitbringt, die sich auch zu illegalen Zwecken nutzen lassen, wäre damit wohl illegal. Klar, letztlich würde das Gesetz so nicht angwendet werden aber wieder schafft man einen rechtlichen Graubereich, in dem durchgeknallte Staatsanwälte, wenn sie wollten, einiges an Unheil stiften könnten.

Was ebenfalls nicht bedacht wurde ist die Tatsache, dass solche "Hacker-Tools" zu den alltäglichen Werkzeugen von IT-Sicherheitsberatern gehören, die von Firmen und Organisationen beauftragt werden, Sicherheitslücken aufzudecken. Und wenn Hacker-Tools nun illegal sind bedeutet dies wohl, dass nur illegal oprierende Hacker diese nutzen können. Felix von Leitner, ein Berufshacker, spart nicht mit deutlichen Worten über den schwachsinnigen Gesetzentwurf und auch der Chaos Computer Club kritisiert das geplante Verbot in einer ausführlichen Pressemitteilung.

Ähnlich absurd ist auch der geplante Gesetzentwurf für ein erneuertes Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek. Dieser sieht nämlich auch die verpflichtende Archivierung digitaler Daten in der Nationalbibliothek vor. Ich freue mich über die Einsicht, dass auch digitale Inhalte Teil unserer Kultur und damit archivierenswert sind. Das digitale WWW-Archiv von archive.org hat dies bereits Mitte der 1990er Jahren erkannt und archiviert seit dem zahlreiche Websites zu verschiedenen Zeitpunkten. Aber eine verpflichtende Zurverfügungstellung aller digitalen öffentlichen Daten im Netz, wie es das Gesetz vorsieht, ist einfach nicht praktikabel, teilweise technisch gar nicht möglich. Außerdem ist es wohl nicht jedem privaten Webseiten- und Blog-Betreiber zuzumuten, seine digitalen Daten bei der Nationalbibliothek einzureichen.

Montag, 11. September 2006

25 Jahre CCC

Gedanken zum Geburtstag des Hackerclubs

Vor ziemlich genau 25 Jahren, am 12. September 1981, wurde in den Redaktionräumen der taz, am legendären Tisch der Kommune 1, der Chaos Computer Club gegründet. Damit wurde zum ersten Mal in Deutschland ein politisches Sprachrohr der Hacker-Gemeinde geschaffen. Die Hacker vertraten eine Ideologie, die seit dem einen ungahnten Siegeszug antrat. Gleichzeitig wurden die schlimmsten Zukunftsängste des Clubs Realität.

Die Hacker leben in ihrer eigenen Welt. Sie fühlen sich als Pioniere des virtuellen Raums, dessen Regeln sie durch Hackerethik und Netiquette mitgeprägt haben. Wie jede Gemeinschaft, die in einer "Parallelgesellschaft" lebt, besaß auch die Hackergemeinde stets eigene Mythen und Geschichten. So eben der eigentlich relativ irrelevante Fakt, dass der Club am Tisch der Kommune 1 gegründet wurde. Damit kommt auch zum Ausdruck, in welcher Tradition man sich sieht. Trotz der Technikfeindlichkeit großer Teil der deutschen Linken in den 1980er Jahren, sahen sich viele im Club immer als Teil der linken Bewegung.

Auch gab es immer eigene Codes, die Mitglieder der Gemeinschaft von denen da draußen unterschieden. Die Dreiundzwanzig, so wussten die Eingeweihten, war nicht nur irgendeine Zahl, es war die Zahl von Robert A. Wilsons Illuminaten. Selbst in einer unschuldig daherkommenden 42 verbarg sich letztlich die Antwort auf die Frage nach dem nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Taucht irgendwo das Wort Fnord auf, wusste jeder Hacker gleich, was gemeint ist. Gerne wurden Außenstehende, die ratlos fragten, mit legendenbildenden verwirrenden Antworten verstört. Das Wort FUCKUP, Name dieses Blogs, den viele Besucher eher verstörend finden, löst wahrscheinlich bei den wenigstens Hackern schweinische Assoziationen aus, wo es sich doch lediglich um ein Akronym für "First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer" handelt.

Wie es sich für eine mythisch-verschworene Gemeinschaft abseits des gesellschaftlichen Mainstreams gehört, beschäftigte man sich auch immer gerne mit sich selbst. So ist die Geschichte des Clubs nicht erst seit dem 25. Jubiläum ein großes Thema, beispielsweise auf dem jährlich stattfindenden Chaos Communication Congress in Berlin. Einer dieser Vorträge auf dem letzten Kongress hatte den Titel "We lost the war". Resümierend und resignierend wurde konstatiert, man habe den Kampf gegen einen übermächtigen Gegner verloren. Die allumfassende elketronische Überwachung, von Anfang an ein Schreckensszenario der Bewegung, sei dank Biometrie, automatischer Gesichtserkennung, immer flächendeckenderer Videoüberwachung und RFID-Chips bereits Realität oder im Begriff umgesetzt zu werden.

Eine ganz andere Ansicht vertrat Peter Glaser, ein "Urgestein" des Clubs, im Interview mit dem Chaosradio Express. "Wir haben gewonnen" bemerke er manchmal, "nur halb im Scherz". Denn vieles, was die Hacker bei ihrer Gründung einforderten, ist heute Realität. Die Netze habe man erkunden wollen, antwortet Glaser zum Beispiel gespielt naiv, wenn er auf den "NASA-Hack" angesprochen wird, bei dem sich Hacker aus Deutschland Ende der 80er durch eine Sicherheitslücke im Betriebssystem VMS Zugang tausenden Rechnern, darunter auch denen der US-Weltraumbehörde, verschafften. Was im Deutschland der 1980er eine Straftat war, wurde mit der Erfindung des World Wide Web, dem heute mit Abstand beliebtesten Dienst des Internets, geradezu zur ersten Bügerpflicht. Während die Deutsche Post in den 80ern alles tat, um die kreative "Zweckentfremdung" des Telefonnetzes zu unterbinden, tat deren Nachfolgerin, die Telekom, mit "Robert T-Online" geradewegs so, als hätten sie das Internet erfunden.

"Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein" heißt es in der Hackerthik. Und genau das, ist heute der Fall. Computer gibt es in jedem Supermakrt, das Internet steht allen offen, Freie Software wie das Betriebssystem Linux oder der Browser Mozilla Firefox, ist inzwischen auch bei Otto-Normal-Benutzern auf dem Vormarsch und selbst die Dritte Welt beginnt am Netz zu partizipieren. Unbeschränkte Breitband-Internetzugänge werden weltweit immer billiger. Dabei sind die Träume der Venture-Kapitalisten zum Ende des letzten Jahrtausendst größtenteils geplatzt. Der ".com-Boom" um das Jahr 2000 war Zeugnis einer beispiellosen Überschätzung der kommerziellen Möglichkeiten der neuen Welt, gleichzeitig aber auch eine Unterschätzung des alten Geists im Netz, den Netzpioniere wie die des CCCs geprägt hatten.

Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, d.h., er würde es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müßte demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.
Bert Brecht, 1932

Die zweite große Boomphase des Internets läuft unter dem Label "Web 2.0". Wenn es auch viel Kritik am Begriff gibt, so entspricht das neue Web doch ganz dem alten Geist, der den Mediennutzer vom vom reinen Inhalte-Konsumenten zum Kommunikator machen wollte, der das Netz als umfassendes freies Kommunikationsmedium nutzt und so nicht nur Empfänger, sondern eben auch Sender ist. Eine Kultur des Freien Wissens ist mit Freien Lizenzen wie die der Creative Commons entstanden. Jugendliche begreifen das Netz und dessen Inhalte als Kultur des kreativen Teilens und Mixens. Die Erfolgsanwendungen des neuen Webs: Das Teilen von Fotos und Bildern auf Seiten wie flickr und deviantArt, das Schreiben und Diskutieren von Meinungen in Weblogs, selbsterstellte Radionsendungen (Podcasts) und Videos sowie die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia. Ganz im Geiste des fünften Lehrsatzes der Hackerethik: "Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen."

Und auch die Hackerkultur ist längst im Mainstream angekommen: Selbst in der Rheinischen Post, der örtlichen konservativen Tageszeitung hier in Düsseldorf mit der höchsten Auflage, konnte ich gestern auf der ersten Seite lesen, dass "42" bekanntlich die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest sei. Verschwörungstheorien sind spätestens seit 9/11 en vogue und jedes Kind weiß, dass Microsoft "böse" ist und Linux von symphatischen Freaks der Welt geschenkt wurde. Nie zuvor wurde Autoritäten so wenig vertraut wie heute. Durch das Internet ist auch ein anderer, kritischerer, Umgang mit Medien entstanden. "Misstraue Autoritäten - fördere Dezentralisierung", Punkt 2 der Hackerethik, war sicher selten so umfassend in der Bevölkerung verankert wie heute.

Haben die Hacker also gewonnen? Nicht ganz. Zum einen sieht sich die zarte Blüte einer freien Netzkultur durch alte Feinde bedroht: Urheberrechte, Patente und andere Instrumente geistiger Eigentumsmonopole gefährden einerseits Inhalte, die durch das Mixen alter Inhalte enstanden, andererseits z.B. Freie Software. Und sie verbieten einen Kerngedanken des freien Netzes: Das unbeschränkte Weitergeben von Informationen.

Zum anderen ist eben auch die Schreckensvision des Clubs Realität geworden, in der Unternehmen einem gläsernen Konsumenten und Staaten totalüberwachten Bürgern gegenübertreten. Versuche ein freies Netz durch Anonymisierung zu erreichen, tritt der Staat aktiv entgegen. Auch auf diese Entwicklung macht Peter Glaser an anderer Stelle, in einem Interview mit dem Küchenradio, aufmerksam.

Letztlich haben die Hacker einen guten Riecher für die Möglichkeiten und Gefahren der neuen Technologien bewiesen. Sie haben die sich durch die Technologie eröffnenden Möglichkeiten abgeschätzt und daraus eine Utopie und eine Dystopie entwickelt. Zum heutigen Zeitpunkt scheint es, als ob beide zur Realität würden - gleichzeitig.

Sonntag, 9. Juli 2006

Tag der offenen Tür bei *cdu.de

Per Mail wurde ich von Ronald Woelfel auf den Tag der offenen Tür bei cdu.de aufmerksam gemacht. Weil die dort nämlich unfähig waren ihren Windows-Webserver vernünftig zu konfigurieren, luden über 70 unter cdu.de gehostete Adressen zur demokratischen Mitbestimmung ein. Wie die Einladung zur Bürgerpartizipation aussah und funktionierte, zeigen diese Bilder.

Mittwoch, 28. Juni 2006

Die Macht von Google

Lösung Zensur?

Sogenannte "Medienexperten" haben nun etwas revolutionäres herausgefunden: Auf einer Berliner Konferenz entdeckten sie, dass die US-Unternehmen Google, Yahoo! und MSN zusammen 90% Marktanteil im Bereich der Internetsuchmaschinen besitzen. Sie folgerten somit richtig, dass diese Suchportale zu einer Art "Informationsfilter" geworden seien.

Wer jetzt glaubt die "Experten" würden Google dazu ermuntern wie zur Zeit - mit Ausnahme von verbotenen Webseiten - einen ungefilterten Zugang zum Web anzubieten, dessen PageRank-System zur Einordnung der Relevanz von Webpages auf reiner Mathematik beruht, um möglichst wenig manipulativen Einfluss zu nehmen, der kennt die Deutschen nicht. Nicht Informations- oder Meinungsfreiheit steht hierzulande ganz oben auf der Agenda, sondern die Fürsorge darüber, was der Bürger zu Gesicht bekommen sollte und was besser nicht. "Publizistische Verantwortung" nennt man solcherlei Zensurgelüste im euphemistischen Sprachgebrauch der "Medienexperten". Dabei sollte es selbst den "Experten" aufgefallen sein, dass Google als Suchmaschine gar nicht publiziert, sondern nur einen Zugang zu fremden Informationen darstellt. Noch sträubt sich Google:

Von publizistischer Verantwortung hält Google wenig. «Wir glauben an Meinungsfreiheit, nicht an Zensur», sagt Keuchel. Gesperrt werden daher nur Seiten, die verboten sind.
Quelle: netzeitung.de

Allerdings, so muss man Google-kritisch anmerken, ist in China beispielsweise so einiges verboten.

Montag, 12. Juni 2006

Die Kontrollfreaks vom Gesundheitsministerium

Leute, die das Internet nicht verstanden haben, gibt es überall. Zuletzt amüsierte uns der ADAC mit seiner merkbefreiten Linkregelung. Nun schreit die nächste Institution nach der negativen Aufmerksamkeit der Blogosphäre: Das Bundesministerium für Gesundheit. Und genau das, also das, hätte ich laut der offenbar unter großem juristischen Sachverstand erstellten Website des Bundesministeriums nicht ohne Erlaubnis tun dürfen, denn wieder erfreuen schwachsinnige Verlinkungsregeln das Bloggerherz.

(via tagg.selfip.com)

Update
Was "pille" in den Kommentaren bemerkt ist ja wirklich zu gut. Seltsame Regeln zur Verlinkung aufstellen und Leute, die das Gesundheitsministerium verlinken "Vertragspartner" nennen aber dann noch nicht mal selbst die notwendigsten gesetzlichen Auflagen erfüllen:

Impressum
Hier steht der Haupttext.

Adresse:
Bundesamtadresse
Musterstrasse 42
Postfach 1234
12345 Musterstadt
Deutschland
Kontakt:
Telefon: 1213-14151617
Fax: 1213-14151620
Mobil: 1111111111111
E-Mail: somebody@domain.example
Raum: 103

Quelle: www.bmg.bund.de

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

Wir haben hochgeladen! kulturflatrate_button

Anzeige

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Novel Dewasa | Cerita...
very interesting article and contain useful information....
novelhot - 25. Jan, 20:16
Very nice blog, it contains...
Very nice blog, it contains lot of informations. Articles...
Cerita Sex (Gast) - 12. Okt, 08:50
Kisah Sex Nyata | Cerita...
Cerita Dewasa, Cerita Sex, Cerita Mesum, Cerita Bokep,...
Cerita Dewasa (Gast) - 12. Okt, 08:47
Prediksi Togel | Bocoran...
Prediksi Togel Hari Ini | Keluaran Angka Jitu | Ramalan...
Togel Hari Ini (Gast) - 12. Okt, 08:45
Cerita Sex, Cerita Dewasa,...
Very nice blog, it contains lot of informations. Articles...
critasex - 7. Okt, 19:47

Suche

 

Status

Online seit 4301 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 25. Jan, 20:16

Archiv

Februar 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
 
 
 
 
 
 
 
 

Credits


Bloginternes
Blogosphäre
Computer
Datenschutz
Disclaimer
Frisch aus dem Archiv
Fun
Geschmacklos
Gesellschaft
Kultur
Kurioses
Lokales
Markt und Konsum
Medien
Medienumschau
Musik
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren