Gesellschaft

Sonntag, 18. Februar 2007

Umweltschutz muss sexy werden

Die Avantgarde fuhr Hochgeschwindigkeitszüge, saß auf Plastiksesseln und flog Concorde; die Ökos klammerten sich erbittert an die Standspur und predigten ein vorindustrielles Rückzugsidyll: Weniger Auto fahren! Weniger heizen! Weniger moderne Panoramaglasfenster, mehr dicke Wände! Ökologie war harte Arbeit, Zivilisation im Rückwärtsgang. Mit Spaß und expansiver Zukunftsfreude hatte das nichts zu tun: Im „Nullenergiehaus“ las man in dunkelgraues Recyclingpapier hineingedruckte Traktate über „Entschleunigung“ und aß selbstgeschrotete Slow-Food-Brötchen, die so flach und hart waren, dass der Schlachtruf „weniger!“ bald auch für die Zähne wahr wurde.
Quelle: FAZ.NET

Und genau das ist meiner Meinung nach das größte Problem der Ökologiebewegung. Warum sich technik- und fortschrittsfeindlich geben, wenn Technik und Fortschritt das einzige sind, das unseren Planeten noch retten kann? Warum ist das ökologische Ideal ein wohl kaum massentaugliches einsiedeln auf dem Bauernhof im selbstgestrickten Wollpulli und nicht eine neue Ästhetik des Solarzeitalters?

Um Umweltschutz massentauglich zu machen, muss er chic werden. Bio-Produkte haben es geschafft, gelten als modern, zeitgemäß und gesund. In anderen Bereichen sieht's schlechter aus: Das Design von Autos wird noch immer von der Sportwagenästhetik der 1970er dominiert: breit, flach und dicke Reifen. Diese Ästhetik ist ein reines Konstrukt - bein Rennrädern beispielsweise assoziieren wir dünne Reifen und Leichtbautechnik mit Geschwindigkeit und Dynamik.

Hollywood macht es jedenfalls schon seit letztem Jahr vor und versucht dem Umweltschutz Glamour zu verleihen. Die Vaterlandsverräter aus Kalifoniern fahren inzwischen nicht selten mit japanischen Hybrid-Autos statt mit amerikanischen Stretch-Limousinen vor:

Das Hybridauto ist für die Nullerjahre, was der Hippielook für die späten Sechziger war: Erkennungsmerkmal einer Bewegung und ein Aufruf zum Politikwandel.

Was ist Fortschritt?

"Fortschritt, allgemein jede von einem niederen auf einen höheren Zustand gerichtete Entwicklung, bedingt durch einen zielgerichteten, in der Regel gradlinigen, zu einem großen Teil unumkehrbaren Prozess."

"Fortschritt." Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993-2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

Was ist "niedriger" Zustand, was ist ein "höherer" Zustand? Und warum überrascht es mich nicht, dass ein Microsoft-Produkt eine so schlechte Antwort auf genau diese Frage hervorbringt?

Wichtig ist doch nur, dass sich Microsoft alle Rechte an diesem schwammigen Prozess vorbehält.


Volker Dittmar schreibt einen Essay über "geistiges Eigentum" und andere Absurditäten des modernen Lebens und wirft dabei die in diesem Zusammenhang nicht unbedeutende Frage auf: Was ist eigentlich Fortschritt?

Und bevor irgendwer mit Arbeitsplätzen argumentiert, möchte ich kurz noch diesen Kommentar aus dem Ubuntuforum zitieren:

"Arbeitsplätze" sind ein Fetisch. Wenn dese Leute ihr Geld damit verdienen, Musik durch ein überholtes und korruptes System zu distributieren, ist ihre "Arbeit" nicht viel wert.

Montag, 12. Februar 2007

Zur Vereinbarkeit von Islam und Demokratie

Multikulti-Apologeten und islamophobe Scharfmacher haben meistens eines gemeinsam: Eine bemerkenswerte Unkenntnis über die Grundlagen und die Geschichte des Islams. Die Frage, ob Islam und Demokratie zu vereinbaren sind, ist schwieriger zu beantworten als es beide Seiten darstellen. Daher hier ein sehr kurzer Abriss des Themas.

Festzuhalten bleibt eingangs, dass der Islam bei einer wortgetreuen Auslegung des Korans tatsächlich unvereinbar mit modernen (westlichen) Staatskonzepten wie der Trennung von Staat und Religion, Gleichberechtigung aller Religionen und einer säkularen unabhängigen Justiz ist.

Die Position des Korans

Der Koran akzeptiert zwar die Ausübung der Buchreligionen Judentum und Christentum. Diese genießen jedoch keineswegs eine religiösen Akzeptanz im modernen Sinne. Sie werden lediglich toleriert, so lange Juden und Christen an den muslimischen Herrscher eine Kopfsteuer (jizya) entrichten. Christen und Juden können so nach strenger Auslegung kein Teil des muslimischen Staatsvolks werden, genießen allerdings den Schutz des islamischen Staates und sind vom Wehrdienst befreit. Der dschihad verlangt von allen Muslimen den ständigen Kampf im Sinne einer Ausbreitung des Islams. Das erklärte Ziel des Islams ist laut Koran nicht weniger als die Islamisierung der Welt. Probates Mittel für diesen Kampf war von Anfang auch Gewalt, insbesondere gegen "Heiden", also allen Angehörigen nichtabrahamitischer Religionen. Die Welt ist laut dem Koran in ein "Haus des Islams" und ein "Haus des Krieges" unterteilt.

Interpretationen des Islams

Wie alle Religionen unterliegt aber natürlich auch der Islam einem ständigen Wandel in der Auslegung. Auch die Bibel und der Talmud wären bei wortgetreuer Auslegung kaum mit dem modernen westlichen Staats- und Toleranzverständnis kompatibel. Eine mit Europa vergleichbare geistige Bewegung der Aufklärung mit der damit verbundenen Säkularisierung und Rationalisierung hat es im arabischen Raum und anderen vom Islam bestimmten Teilen der Welt allerdings nicht gegeben.

Setzt man sich mit der tatsächlichen Auslegung des Islams abseits der Interpretation islamischer heiliger Schriften (Hadith und Koran) auseinander, sieht man sich mit einem grundsätzlichen Problem konfrontiert: Anders als beispielsweise der Katholizismus kennt der Islam keine zentrale Autorität. Nicht nur, dass der Islam grundsätzlich in Sunniten und Schiiten gespalten ist, auch innerhalb dieser sehr heterogenen Gemeinschaften existiert keine zentrale Autorität und eine sehr große Spannbreite an Interpretationen des Islams.

Bereits in der frühsten islamischen Geschichte wurde auch der Koran in seiner Auslegung, schon aus rein pragmatischen Gründen, abgeändert. So wurde die Toleranz gegenüber fremden Religionen in von den muslimischen Mogulen beherrschten Teilen Indiens schon bald auch auf Hindus ausgeweitet, obwohl dessen Polytheismus gegen die grundsätzlichen Prinzipien des Islams verstößt. Auch gab es immer islamische Denker und Ideologien, die eine pragmatische Auslegung des Islams propagierten, welche durchaus mit einem modernen Staatsverständnis in Einklang zu bringen ist. Gerade während der islamischen Reformbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert gab es immer wieder Interpretationen, die den Grund für die politisch-religiöse Einheit des Islams in seinen Anfängen in den Umständen der Zeit sahen und kein inhärent religiöses Prinzip darin erkannten. Hervorzuheben sind hier beispielsweise die Auslegungen von Sir Saiysid Ahmad Khan (1817 – 1898) und 'Ali 'Abd ar-Raziq (1888 – 1966). Erstgenannter stand unter dem Eindruck eines einst rückständigen Westens, der den Orient in militärischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Hinsicht lange hinter sich gelassen hatte. 'Abd ar-Raziq versuchte mit seiner Deutung des Islams in den 1920er Jahren moderne islamische Nationalstaaten ermöglichen. Beide fanden mit ihren Theorien jedoch keine breite Akzeptanz in der islamischen Welt, weder in der Bevölkerung noch in der geistigen Elite des Islams.

Trennung von Staat und Religion

Während das Christentum in Opposition zum Staat entstand und sich somit gezwungenermaßen mit einer Trennung von Staat und Religionen abfinden musste (Jesus: "Erstattet dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört." (Mk 12, 13-17)) bildeten im Islam Politik und Religionen von Beginn an eine Einheit. Der Islam ist seinem Charakter nach keine Religion rein individueller Glaubensauffassung, sondern eine Gesetzreligion, dessen göttliches Recht (schari'a) sich auf die Gemeinschaft bezieht. Er ist somit schon seinem Wesen nach eine politische Religion.

Bereits seit längerem gibt es jedoch auch innerhalb der islamischen Welt Befürworter eines "säkularisierten" Islams, auch wenn sie selbst – im Gegensatz zu ihren Gegnern – ihre Theorie fast nie als "säkular" bezeichnen. Sie greifen dabei den Islam nicht als Religion, wohl aber als übergreifendes Regulativ der gesamten Gesellschaft an.

Selbst Staaten, die in der Praxis einen säkularen Islam durchgesetzt haben, wie beispielsweise Ägypten, wo die letzten Scharia-Gerichte 1956 aufgelöst wurden, wird die regulative Funktion des Islams nicht offen infragegestellt. Ganz im Gegenteil lässt sich teilweise sogar eine Reislamisierung der Politik ab den 1970er Jahren konstatieren. So nannte die ägyptische Verfassung das islamische Recht bis in die 1980er Jahre nur "eine Hauptquelle des Rechts" in der Verfassung, inzwischen wird die Scharia als "die Hauptquelle des Rechts" bezeichnet.

Wurde eine Säkularisierung grundsätzlich im 19. und lange auch im 20. Jahrhundert in der islamischen Welt implizit als Notwendigkeit für eine Modernisierung der Gesellschaft akzeptiert, wird sie ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert zunehmend zum Gegenstand öffentlicher oft leidenschaftlich geführter Debatten. Der Islam übernahm zwischenzeitlich nicht nur eine religiöse und politische, sondern immer mehr auch eine identitätsstiftende Funktion gegenüber einer als übermächtig empfundenen westlichen Kultur. Die Rückbesinnung auf den Islam – auch als ein Normgeber für das öffentliche Leben – wird somit von vielen auch als Abgrenzung gegenüber dem Westen empfunden, der nicht selten als dekadent und arrogant wahrgenommen wird.

Die ebenso radikale wie autoritäre "Säkularisierung von oben", wie sie in der Türkei durch Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk (1881 - 1938) versucht wurde, kann als gescheitert betrachtet werden. Zwar ist die Türkei heute nach wie vor offiziell ein laizistischer Staat. Doch trotz regelmäßigem Eingreifen des Militärs und vieler Verbote fundamentalistisch-islamischer Gruppen und Parteien, konnte den Wiedereinzug des Islams in Politik und Staat nicht verhindert werden. Gläubige anderer Religionen werden gegenüber sunnitischen Muslimen benachteiligt, islamistische Gruppen konnten viele Schlüsselpositionen in Staat und Gesellschaft besetzen und die derzeitige Regierungspartei sieht sich klar dem Islam als politisches Ordnungsprinzip verpflichtet.

Die Gegner von Säkularisierungstendenzen betonen die Unterschiede zwischen der christlichen Religion während der europäischen Säkularisierung im 18. und 19. Jahrhundert und dem Islam heute: Während die Dominanz, insbesondere der katholischen Kirche, sich wissenschaftlichem und sozialem Fortschritt in den Weg gestellt habe, sei der Islam technischem und sozialem Fortschritt gegenüber aufgeschlossen. Eine Säkularisierung wie es sie in Europa gegeben habe, sei daher schlicht nicht nötig.

Demokratie und Islam

Der Islam stellt Individuum und Staat unter göttliches Recht. Der Herrscher ist damit ebenso wie jedes Individuum der Scharia unterstellt. Ein historisches kaum bedeutende Widerstandspflicht, die sich damit für den muslimischer Untertan ergibt, falls sein Herrscher die Gesetze der Scharia verletzt, wird heute von nicht wenigen Muslimen als Indiz für ein ursprünglich demokratisches Element des Islams interpretiert, auch wenn die traditionelle muslimische Herrschaft klar die Autokratie ist. Muslimische Geistliche argumentieren oft, die Demokratie fördere das Gemeinwohl und dies sei klar mit dem Geiste des Islams.

Das Konzept der Demokratie scheint damit weniger kontrovers für die islamischen Welt zu sein und tatsächlich sehen auch viele Menschen in der arabischen Welt eine funktionierende Demokratie als das Ideal einer Staatsform. Abseits der funktionalistischen Betrachtung der Demokratie als Förderin des Gemeinwohls, besteht aber in letzter Konsequenz auch ein Spannungsfeld zwischen Islam und Demokratie: Die Demokratie entsprang dem Geist des Humanismus, der den Menschen und seine Bedürfnisse die höchste Präferenz zusprach und damit ihn zum alleinigen Souverän und Gesetzgeber des Staates erhob. Der Islam kennt nur einen legitimen Gesetzgeber: Gott. Sobald die Volksouveränität also so weit geht, dass die Gesetze der Scharia verändert oder gebrochen werden sollen, würden die Prinzipien des Islams und die der Demokratie zwangsläufig kollidieren.

Der Einfluss des Westens

Spätestens als den Führern der arabischen Welt der Inhalt des Sykes-Picot-Abkommens bekannt wurde, begann eine oft verhängnisvolle Geschichte voller Spannungen zwischen dem christlichen und zunehmend säkularem Okzident und muslimischen Orient. Es bleibt kein Platz diese wechsevolle Geschichte in all ihren Facetten zu schildern. Festzuhalten ist allerdings, dass der "Westen" selbst oft wenig zur Popularität westlicher Werte in der islamischen Welt, insbesondere in der arabischen, beitrug. Geradezu als Ironie der Geschichte mag es zum Beispiel erscheinen, dass der Westen, insbesondere die USA, während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ganz entscheidend und gezielt dazu beigetragen hat, die islamische Religion zu radikalisieren. Aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar sah man in Zeiten des Kalten Kriegs seit der Truman-Doktrin die größte Gefahr nicht in einem radikalisierten Islam, sondern in einer Ausbreitung sozialistischer Gesellschaftsmodelle und bekämpfte daher, direkt oder häufiger indirekt, sozialistisch-säkulare Bewegungen.

Fazit

Die Frage, ob der Islam seinem Wesen nach einer modernen Demokratie im westlichen Sinne im Wege steht, ist schwer zu beantworten. Der Islam ist in diesem Sinne sicher problematischer als andere Weltreligionen, weil nach islamischer Auffassung der Koran Gottes Wort und Gottes Wort Gesetz ist – und zwar für alle Mitglieder der Gesellschaft, ob gläubige Muslime oder nicht. Trotzdem gab und gibt es islamische Interpretationen von Koran und Hadith, die eine Kompatibilität mit westlichen Konzepten wie Säkularismus, Demokratie und Menschenrechten konstatieren.

Ein Aufzwingen westlicher Werte ist meines Erachtens zum Scheitern verurteilt. Jeglicher Versuch, den Einfluss der als universal angesehenen westlichen Werte mit Gewalt auszudehnen, wird die islamische Welt mit weiterer Abgrenzung und Auflehnung gegenüber dem Westen beantworten.

Es bleibt abzuwarten, ob es den "islamischen" Weg zu Demokratie und Menschenrechten geben wird und wie er aussieht. Unwahrscheinlich ist meiner Meinung nach, dass am Ende Gesellschaften entstehen werden, die in ihrem Wertekanon und ihrem Aufbau exakt den westlichen Demokratien entsprechen. Die oft verhängnisvolle Einmischung des Westens setzt sich leider bis heute fort. Die aufblühende oppositionelle Bewegung im Iran beispielsweise wird gerade durch US-amerikanische Drohungen von Außen konterkariert.

Empfehlenswerte weiterführende Litertatur

Bundeszentrale für politische Bildung: Der Islam in der Gegenwart

Sonntag, 10. Dezember 2006

"Neue Bürgerlichkeit"

Warum die Konservativen von heute die Revolutionäre von Morgen sein könnten.

Konservativ ist in. Zumindest das, was heute als konservativ gilt. Der Trend zu klassischen, konservativen Werten, zeigt sich bereits seit den 90er Jahren, wenn nicht sogar noch länger, wie man beispielsweise in der Jugendshellstudie 2006 nachlesen kann. Doch die Konservativen von heute, könnten die Revolutionären von Morgen sein.

Das nicht mehr taufrische Label, das man dem auferstandenen Wertekonservatismus gegeben hat, lautet "neue Bürgerlichkeit". Was wollen die neuen Bürgerlichen? Im Grund das, was bereits evolutionär bedingt immer ganz oben auf der Präferenzenliste aller Menschen zu allen Zeiten stand: Wohlstand, Sicherheit, stabile soziale Beziehungen und eine feste Partnerschaft. Erst wenn diese Grundbedürfnisse gedeckt waren, sehnte sich ein relevant großer Anteil von Menschen noch nach einer besseren Welt und revolutionären Idealen, wie die Wohlstandskinder der '68er-Generation.

Nicht so heute. Die Zeiten sind härter und die neuen Bürgerlichen versuchen sich von der wachsenden "neuen Unterschicht" abzugrenzen. Sind sie also die neue verlässliche Säule der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse in einem global und zunehmend unregulierten Kapitalismus? Eher nicht, denn die wertkonservative Präferenzordnung der Bügerlichen steht die neoliberale Wirtschaftsordnung eher im Wege. Betrachten wir die Bedürfnisse der neuen Bürgerlichen im einzelnen:

Wohlstand

Das Wohlstandsbestreben war stets eine tragende Säule der Stabilität in marktwirschaftlich organisierten Staaten. War es in ihnen dank wirtschaftlicher Freiheit und Eigentumsgarantien doch sehr viel einfacher zu einem ansehnlichen Wohlstand zu gelangen, als in den ineffizienten Planwirtschaften des Ostblocks. Im sozialfordistischen Nachrkriegseuropa war dabei insbesondere die Eigentumsbildung von Arbeitnehmern immer ein Fokus der Politik. Fast sämtliche staatliche Umverteilungsmechanismen der "Bonner Republik", von der Pendlerpauschale bis zur Eigenheimzulage, kamen nicht etwa den ärmsten der Armen, sondern zu großen Teilen der Mittelschicht zugute. Sowohl SPD als auch CDU und CSU waren als Volksparteien stets darauf bedacht ihre der Mittelschicht entstammenden Wähler- und Mitgliederklientel zufriedenzustellen. Im Grunde entstand die Mittelschicht erst durch die konsensual geprägte BRD im Kalten Krieg und seit dem Ende desselben, droht sie wieder zu verschwinden.

Nach aktueller Studie sind rund 10 Millionen Deutsche von Armut bedroht. Die Verteilung des Wohlstands über Arbeit funktioniert in zunehmenden Maße nicht mehr, weil durch Steigerung der Produktivität immer weniger Menschen immer mehr erwirtschaften können. Schon jetzt besitzen nach einer UN-Studie die reichsten 2 Prozent der Erde, 50 Prozent des Wohlstands. Nicht Arbeit schafft in erster Linie Wohlstand, sondern Kapitalbesitz. Nicht nur der Boom der US-Wirtschaft geht an einem Großteil der Menschen vorbei.

Seit der Einführung der Hartz4-Gesetze in Deutschland sind nun erstmals nicht nur sowieso bereits Stigmatisierte am Rande der Gesellschaft von Armut bedroht. Die Angst vor Armut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nur noch ein Jahr währt der Mittelschichtspuffer ALG I und selbst viele Junge, akademisch gut ausgebildete, bekommen als "Generation Praktikum" kein Bein auf den Boden.

Sicherheit

Sicherheit ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen, das erkannte bereits Hobbes. Dieses Sicherheitsbedürfnis ist heute umfassender zu verstehen. Es bedeutet nicht nur Schutz vor Kriminalität, sondern auch und vor allem soziale Sicherheit.

Der neue "flexibiliserte" und globalisierte Kapitalismus will ein "Hire & Fire"-System weltweit etablieren und den Kapital- und Warenverkehr keinerlei Schranken unterlegen. Der globale Steuerwettbewerb lässt die Sozialsysteme vor die Wand fahren, die gesteigerte Produktivität erhöht weltweit Arbeitslosigkeit und soziale Unsicherheit. Damit wird auch den den sozialen Frieden in Frage gestellt. Was in Deutschland nur bröckelt, ist in Frankreich längst zerstört. Auch das ein Sicherheitsproblem.

Andererseits kann die aus der Sicherheitsneigung geborene Angst auch sehr systemstabilisierend wirken: Wird eine Gefahr von außen beschworen, wie der internationaler Terrorismus, kann die Angst das eigene Leben zu verlieren durchaus andere, zwar realere aber weniger basale Sicherheitsbedürfnisse, wie soziale Absicherung, in den Hintergrund treten lassen.

Familie und stabile Beziehungen

Die Imkompabilität von konservativen Werten und neoliberaler Wirtschaftsordnung könnte kaum klarer zu Tage treten als hier. Die Gründung einer Familie erfordert Beständigkeit und Verlässlichkeit für die eigene Lebensplanung. Der von der Wirtschaft geforderte flexible Arbeitnehmer, welcher, wenn es sein muss, auch mal temporär 90 Stunden in der Woche arbeitet, sich mit Zeitarbeit über Wasser hält und regelmäßig auch mal 300 km vom alten Wohnort entfernt umzieht, ist nicht das, was man sich unter einem perfekten Familienmenschen vorstellt.

Auch die WASG ist im vielerlei Hinsicht keine klassisch-linke Partei, sondern trägt viele konservative Züge. Der Verbindung von wirtschaftspolitisch linker Rhetorik ohne linksliberales gesellschaftspolitisches Profil steht meiner Meinung in ganz Europa einem vielleicht noch ungeahnter Aufstieg bevor. Bei den letzten Parlamentswahlen der Niederlande erreichte die ehemals maoistische Sozialistische Partei 17% - mit bürgernah-populistischen Parolen. Und schon lange gibt es auch in der konservativen CDU Kritiker des noeliberale Zeitgeits wie Norbert Blüm oder Heiner Geißler. Im "Sozialismus mit bügerlichem Antlitz", wie in der WASG verkörpert, könnten sich, losgelöst von gesellschaftsliberalen Leitbildern, allerdings xenophobe und isoloationistische Tendenzen entwickeln.

Die Unzufriedenheit mit dem derzeitigen politischen und wirtschaftlichen System ist emprisch nachgewiesen sehr groß. Doch warum kanalisiert sich diese empfundene Unzufriedenheit bisher nicht in einer großen politischen Bewegung, sondern wird höchstens durch Passivität sichtbar? Weil die als Alternative zum kapitalistischen System, der real existierende Sozialismus, gescheitert ist, nachdem er sich durch brutale Unterdrückungsregime und planwirtschaftliche Ineffizienz selbst diskreditiert hatte.

Noch fehlt das politische Konzept zur stetig wachsenden Unzufriedenheit. Das wirtschaftliche Konzept der Linkspartei.PDS ist mit schwammig noch sehr wohlwollend charakterisiert, das der WASG sieht vor allem ein Zurück in den Keynsianismus der 70er Jahre vor - mit allem, was dazugehört, also auch einer Überschuldung, die nachfolgende Generationen belastet.

Die ideologische Lücke könnten Bürgergeld-Konzepte wie das von Götz Werner schließen.

Mittwoch, 22. November 2006

Der Amoklauf von Emsdetten

... und das brutalstmögliche Verbot von "Killerspielen"

Warum hat man das getan quält mich ebenfalls noch heute. Die meisten wissn es nicht, dachten ich ging jeden Tag zur Schule, mache nicht mit und geh wieder nach Hause. Das einzigste Mal das etwas wirklich nach aussen drang, war als man mir einen glühenden Fahrradschlüssel auf die Hand presste...da hat der Schulleiter Anzeige erstattet. Das wars dann aber auch. Von den anderen Dingen wollte niemand was sehehn, oder sie hat niemand gesehen. Sehen...ich überlege gerade wie es auf dieser Welt wäre wenn niemand etwas sehen würde... wären dann alle Menschen gleich? Jedenfallswürde niemand auf deine Kleidung achten,du selber warscheinlich auch nicht. Wie auch immer...
Amokläufer Bastian B. in seinem Blog

Bastian hat 0 Freunde
Bastians MySpace-Profil

Für die, die es noch nicht genau verstanden haben: Ja, es geht hier um Amoklauf!

Ich weiss selber nicht woran ich bin, ich weiss nicht mehr weiter, bitte helft mir.

Bastian im Forum von das-beratungsnetz.de

Ich habe zunächst nichts zu Bastian B.s Verzweiflungstat geschrieben, weil der Ablauf der Ereignisse von vorneherein feststand: Erst sind alle bestürzt, zwei Minuten lang. Dann überbieten sich Politik und Medien gegenseitig bei der absurd höchsten Forderung nach Verboten. Nein, nicht um Waffen oder Sprengstoff - um "Killerspiele" geht es natürlich wieder.

Relativ kurz nach der Tat hatte sich zunächst die Netzeitung mit diesem Satz hervorgetan:

Der Schulschütze von Emsdetten ist nach Recherchen der Netzeitung schon vor Jahren in die Szene Gewalt verherrlichender Computerspiele abgerutscht.
Quelle: netzeitung.de

Doch der Sieger um die absurdeste Verbotsforderung ist jemand anderes. An Edmund Stoiber und Christian Wulff noch knapp rechts vorbeigezogen, hat sich Günther Beckstein (CSU) mit dieser grenzdebilen Aussage die Spitzenposition in der diesjährigen Hexenjagd gesichert:

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein forderte, "Killer-Spiele" sollten "in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt".
Quelle: tagesschau.de

Die Medien berichten diesmal zumindest teilweise deutlich differenzieter als noch 2002, beim Amoklauf von Erfurt. tagesschau.de schreibt beispielsweise:

Doch dass der Konsum von Gewaltdarstellungen eine direkte Auswirkung auf das Verhalten des Betrachters oder Spielers habe, ist keineswegs belegt. Im Gegenteil: Empirische Nachweise für diese "monokausalen und linearen Zusammenhänge" gebe es in der Forschung nicht, sagt Medienwissenschaftler Achim Hackenberg von der Freien Universität Berlin. Der Prozess der Medienwahrnehmung und -verarbeitung gestalte sich vielmehr so, dass sich die Jugendlichen die Filme oder Computerspiele suchten, die zu ihren Themen und Lebenssituationen passten, betont der Wissenschaftler gegenüber tagesschau.de.

Die Bild veröffentlichte übrigens genau wie Telepolis den Abschiedsbrief Bastians im Wortlaut. Fast im Wortlaut. Eine Stelle wurde gekürzt, ohne dies kenntlich zu machen:

Original: "Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das ie eine Illusion war, die hauptsächlich von den Medien erzeugt wurde."

Bilds Fälschung: "Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das sie eine Illusion war."

Das unverfälschte Original lässt sich zum Vergleich z.B. auch bei n-tv.de nachlesen.

Wer abseits monokausaler Erklärungsmuster sich über die Hintergünde der Tat informieren will, kann z.B. mal seinen Blog lesen. Noch mehr Informationen gibt es hier.

Die Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten hatte er übrigens schon im Jahr 2000 als Counterstrike-Map nachgebaut. Das war lange vor seiner Lebenskrise, die etwa 2004 begann. Die Map lässt sich nach wie vor herunterladen.

Weder nutzte Bastian B. das Psuedonym "schlossherr" im Internet, noch handelt es sich bei dieser Map tatsächlich um die Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten: "Die Mär von der Emsdettener Ballerspiel-Arena (SPON)". Danke an Christoph für den Hinweis (siehe Kommentare).

Allerdings:

Ergänzung: Inzwischen ist tatsächlich eine Counter-Strike Map der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten aufgetaucht, die vermutlich von Bastian B. entwickelt wurde. In "Stern TV" waren am Abend des 22. November Szenen aus dem virtuellen Nachbau der Schule zu sehen.

Quelle: SPON

Und weil sie dieser Tage so selten sind, zum Schluss auch noch eine Stimme der Vernunft aus der Politik:

"Computerspiele wie Counter-Strike sind nicht die Ursache für solche Amokläufe", sagte Rameolw. "Ein Verbot wäre nur eine sinnlose Ersatzhandlung."
Quelle: linksfraktion.de

Punkt.

Dienstag, 14. November 2006

Von der Lesesucht zu den Killerspielen

Medienängste im Wandel der Zeit

„Denn im Vertrauen auf die Schrift werden sie (die Menschen) ihre Erinnerungen mithilfe geborgter Formen von außen heranholen, nicht von innen aus sich herausziehen; so dass sie sich vielwissend dünken werden, obwohl sie größtenteils unwissend sind, und schwierig im Umgang sein, weil sie scheinweise geworden sind statt weise“ (Platon, ‚Phaidros‘).

„Die erzwungene Lage und der Mangel aller körperlichen Bewegung beim Lesen, in Verbindung mit der so gewaltsamen Abwechslung von Vorstellungen und Empfindungen führt zu Schlaffheit, Verschleimung, Blähungen und Verstopfungen in den Eingeweiden, namentlich zu Hypochondrie, die (...) namentlich bey dem weiblichen Geschlecht, recht eigentümlich auf die Geschlechtsteile wirkt“ (Beyer 1795, zit. nach Kottkamp 2002)

„Die dargestellten Vorgänge (...) verlangen geradezu das Ausschalten jeder Denkkraft (...), so daß sie, öfter genossen, geradezu verdummend (...) auf den Geist wirken müssen“ (Lange 1920 über das Kino).

Ausgewählt Zitate zur Geschichte der Medienangst gibt es hier. Alle Zitate wurden den Folien der Vorlesung "Angstmedien - Medienängste" von Prof. Susanne Keuneke entnommen, die man hier herunterladen kann.

Mittwoch, 8. November 2006

Rette die Welt mit einem Klick ;)

"The Hunger Site" ist eine der älteren Websites im Netz aber immer noch aktiv, genau wie ihre etwas jüngeren Schwestern, z.B. "The Rainforest Site".

Auf den Websits ist es möglich, einmal am Tag etwas an gemeinützige Organisationen zu spenden, ohne dafür etwas zu bezahlen. Das Geld fließt, weil Werbebanner angezeigt werden, deren Auftraggeber an die Organisationen spenden. Je öfter die Banner aufgerufen werden, desto mehr wird gespendet. Ein gelungenes Konzept, wie ich finde.

Samstag, 4. November 2006

Das "neue Prekariat" und die Demokratie

Die sogenannte "neue Unterschicht" ist eine Gefahr für die Demokratie, heißt es nun allerorten. Erstmals in der Geschichte der BRD ist die Mehrheit der Deutschen mit der Demokratie unzufrieden. Doch was bedeutet das? Will meinen einen König? Einen Diktator? Wohl kaum. Das Problem ist weniger die Demokratie als das Wirtschaftssystem, das inzwischen an seine Grenzen stößt.

Der inzwischen weltweit agierende Kapitalismus verknüpfte im sogenannten "embedded liberalism" lange eine durch Freihandel und Marktwirtschaft hergestellte große Effizienz mit einem durch Fordismus und einer Sozialpolitik keynesianishcer Prägung auf nationaler Ebene erreichten breitem Wohlstand. Die Wirtschaft wächst nach wie vor. Weltweit wird immer mehr immer günstiger produziert, eine Folge der effizienten Marktwirtschaft, die größere Produktivität und damit auch größeren Gesamtreichtum ermöglicht.

Die Schattenseiten: Ein stetig größer werdender Teil des Reichtums wird durch den Besitz von Kapital erwirtschaftet, immer weniger durch produktive Arbeit. Was folgt ist ein Legitimationsproblem des oben und unten, das einen Großteil der Bevölkerung momentan so sehr stört.

In allen Epochen gab es ein oben und unten und in allen Epochen wurde dies durch eine Mischung aus gegenseitigen Abängigkeiten und wertebasierter Legitimation gerechtfertigt. Der Adel schwelgte im Reichtum - so die Legitimation mittelalterlicher Ständeordnung - weil er von Gott dazu bestimmt war, weil seine Angehörigen besonders "edlen Blutes" waren und weil der Adel die Bauern mit Schild und Schwert gegen andere Adelsfamlien verteidigten. Mit beginnender Aufklärung und neuen zentralstaatlich-militärischen und bürgerlich geprägten ökonomischen Strukturen, die den Adel überflüssig machten, begann auch die Macht des Adels zu bröckeln. Dem teilweise "verarmten Adel" blieben zwar noch die Titel aber Geld wurde schnell zur neuen Währung der Macht im "bürgerlichen Zeitalter". Die grundsätzlichen Werte dieses Zeitalter wirken bis heute fort: ein Humanismus, der keinem Menschen allein furch die Geburt gewisse Privilegien gewährt und eine Ethik, die stattdessen den Fleiß und die Fähigkeiten des Individuums als Ligitimation für Unterschiede heranzieht.

Der Kapitalismus konnte das Versprechen einer gerechten Entlohnung natürlich nie ganz erfüllen: Schließlich sind ein fundamentaler Bestandteil marktwirtschaftlicher Ordnungen die Renten aus Kapital. Kein Kapitalismus funktioniert ohne Investitionen und daraus folgen Einkommen ohne produktive Arbeit, seien dies Mieten, Dividenden oder Zinsen, denen kein Fleiß und keine Fähigkeit des Individuums gegenübersteht. Aber solange das Versprechen sozialer Mobilität einigermaßen aufrecht erhalten werden konnte, der Traum vom "Tellerwäscher zum Millionär" also noch nicht zur zynischen Karikatur seiner selbst wurde, war eine Legitmationsbasis geschaffen, die bei all dem Meckern über "die da oben" den westlichen Demokratien über Jahrzehnte eine erstaunliche innere Stabilität gewährte. Der Traum vom sozialen Aufstieg ist aber selbst in dessen Mutterland zur Farce verkommen. Der wirtschaftliche Aufschwung geht fast alleine auf die Konten der oberen 1%, allesamt superreiche Kapitalbesitzer, während Unter- und Mittelschicht weiter verarmen:

Der Boom der US-Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren eine Kaste von Superreichen hervorgebracht - und die zeigt gern, was sie hat. Das schürt die sozialen Spannungen, denn die Einkommen der breiten Masse sinken seit langem.

Quelle: SPON

Wir sind also an einem Punkt angelangt, an dem so viel Einkommen über Kapital erwirtschaftet wird, dass die Verteilung des Reichtums über Arbeit weder ökonomisch noch im Einklang mit den geltenden Werten von Gerechtigkeit innerhalb des zurzeit herrschenden Wirtschaftsystems möglich ist.

Eine immer größere Zahl der Bevölkerung weltweit steht außerdem nicht mehr in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis zu den Kapitalbesitzern, weil sie arbeitslos sind. Neben der der Legitimation bröckelt also auch das Abhängigkeitverhältnis, die zweite Säule für eine stabile soziale Hierachie. Ein Antwort des Kapitals darauf scheint zur Zeit vorangetriebene Privatisierung der Sozialhilfe durch Unternehmen zu sein. Ohne eine im breiten gesellschaftlichen Konsens geteilte wertebasierte Legitimtät von Reichtum und Armut wird das jedoch langfristig meiner Meinung nach nicht reichen, um zunächst vermehrt auftretende soziale Unruhen und letztlich einen Kollaps des gesamten Systems zu verhindern.

Freitag, 29. September 2006

Edmund Stoiber heute und damals

Als es um die MTV-Serie "Popetown" ging, sollte der Papst in der Serie nicht geköpft werden. Es ging lediglich darum, dass z.B. das Kreuz in den Augen mancher Christen entweiht werde, wenn es der klar als fiktive Person zu erkennende Papst in der Serie als Hüpfstab benutzt.

Damals wollte Edmund Stoiber die Serie verbieten lassen und forderte - mal wieder - eine Verschärfung des §§ 166, der die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen unter Strafe stellt.

Nun geht es um die Absetzung einer religionskritischen Mozart-Inszenierung, in der u.a. Buddha, Jesus und Mohammed am Ende symbolisch geköpft werden sollen. Die Inszenierung wurde aus Angst vor islamischen Terror - allerdings ohne, dass tatsächlich eine konkrete Drohung bestand - auf Bitten von Berlins Innensenator Körting (SPD) abgesetzt.

Henryk M. Broder spricht von der Absetzung als "Symptom einer schockierenden Präventiv-Kapitulation". Es reiche schon die diffuse Angst vor Terror ohne konkrete Gefahr oder Bedrohung, um unser Verhalten zu ändern und Selbstzensur zu üben. Eine gefährliche Entwicklung für eine freiheitliche Gesellschaft.

Ich teile Broders Analyse und die konkurrierenden Wertesysteme in einer globalisierten Welt sind tatsächlich ein schwerwiegendes Problem, das sich nicht einfach lösen lässt und sicher mindestens die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts relevant bestimmen wird.

So lange aber Politiker wie Edmund Stoiber dieses Problem nicht ernst nehmen, sondern in der Bild rumkrakelen, um inner- und außerhalb der eigenen Partei Wahlkampf zu betreiben, sind wir allerdings noch weit von einer Lösung des Problems entfernt.

Statt einzuknicken, hätten Polizeikräfte die Berliner Oper schützen müssen. Diese Kultur der Ängstlichkeit ist falsch. Wenn die Freiheit bedroht ist, braucht sie notfalls auch die Bereitschaft zur Verteidigung und zur Auseinandersetzung mit ihren Gegnern.
meint, wie gesagt, der selbe Mann, der im Sommer dieses Jahres noch eine satirische Cartoon-Serie über den Papst verbieten lassen wollte.

Generell scheint man sich in der CSU zur Zeit nicht einig zu sein, ob man lieber gegen die Muslime - die in diesem Fall überhaupt nichts gegen die Inszenierung gesagt haben - Stimmung machen soll oder ob man die Inszenierung eigentlich doch am liebsten selbst verbieten würde:

Weltweit wurde die Berliner Opern-Selbstzensur kritisiert. Auch CSU-Fraktionschef Herrmann hält die Absetzung von "Idomeneo" für einen Fehler. Doch die Inszenierung selbst findet er noch schlimmer: Ein Stück in dem Jesus, Buddha und Mohammed geköpft werden, sei von vornherein fragwürdig.
Quelle: SPON

Samstag, 9. September 2006

Projekt "Dropping Knowledge" startet heute

Das Projekt zum globalen Dialog, Dropping Knowledge, über das ich hier bereits am 3. März dieses Jahres berichtete, geht heute in Berlin an den Start. Worum es geht erfahrt ihr in meinem Blog-Eintrag von damals, alles weitere auf der offiziellen Website.

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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