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Sonntag, 11. September 2005

Klingeltonwerbung und Kapitalismus

Ein Grund, warum der Kapitalismus so gut funktioniert (hat), war seine Ausrichtung auf die Massen: Was der Masse gefällt wurde produziert und gesendet, die Masse hatte die Kaufkraft - der Bürger als Kunde, Markt als ökonomisierte Kaufkraftdemokratie.

Das hat sich in diesem Jahrhundert geändert - am klarsten zu sehen an Call-In-Shows und Klingeltonwerbung. Die neue Zielgruppe ist die Gruppe der Hirnlosen. Mag es auch 79 Millionen zur Weißglut bringen, wenn der "Hotbutton" nun schon seit 2 Stunden "ganz nervös wird" und doch nicht "zuschlägt" - es reichen wenige Hundertausend Dumme, die für 3 EUR pro Anruf - oder was auch immer - anrufen. Mag die Klingeltonwerbung auch bei jedem halbwegs intelligenten Menschen Kotzreiz und Verwunderung darüber auslösen, warum pixelige GIF-Animationen, die es bereits in den 90ern zu Tausenden umsonst auf Websites gab und die heute im WWW niemand mehr interessieren, heute für 5 EUR auf Handys geladen werden: Einige tausend pubertierende Hirnamputierte reichen, um einen solches Geschäft, das außer Werbung eigentlich kaum Kosten zu tragen hat, am Laufen zu halten. MTV hat das jetzt erkannt und bemerkt, dass die Werbung, die nicht mehr auf die Masse, sondern auf die Dummen abzielt, einen Großteil der Zuschauer vergrault - aber Jamba lässt sich natürlich nicht unterkriegen, zu lukrativ ist der Markt:

Auch wenn MTV Networks angekündigt hat, seine Fernsehsender MTV und VIVA zumindest in Teilen von Klingelton-Werbespots zu befreien, will Jamba auch in Zukunft seine Klingeltonwerbung auf den Sendern platzieren.

Man werde auch in Zukunft in enger strategischer Partnerschaft mit MTV Networks zusammenarbeiten wollen. Zwar würden wie angekündigt bestimmte Sendezeiten von der Klingeltonwerbung befreit, im Gegenzug werde man aber die Zusammenarbeit in anderen Sendeformaten verstärken.


Mehr: http://www.golem.de/0509/40343.html

Am Ende wird man sich wohl die Geschichte erzählen müssen, wie zunächst Klingeltonwerbung das Musikfernsehen und dann Call-In-Shows das Nachtprogramm vollends zerstört haben.

Aber ich wette auch tagsüber kann man die Dummheit der Leute abseits von 9Live in den privaten Vollprogrammen noch irgendwie ausbeuten - das entsprechende Format ist nur noch nicht gefunden.

Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/966200/modTrackback

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FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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