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Freitag, 15. Juli 2005

Zinsen und Freiwirtschftslehre Gesells

In einer Diskussion auf dem FUCKUP Wiki äußerte jemand die durch das Internet stark verbreitete These von Silvio Gesells Freiwirtschaftslehre: Man müsse nur den Zins verbieten, schon seien eigentlich alle Probleme der heutigen Wirtschaft gelöst. Ein paar Gedanken dazu von mir, die ich in der Diskussion äußerte:

Also, wichtig zu wissen zum Thema Zinsen ist ja: Die kommen nicht aus dem Nichts, entstehen nicht einfach so. Okay, banal zu erwähnen aber irgendwie finden es viele wohl an sich merkwürdig und "unnatürlich", dass sich Geld selbst vermehrt. Aber: Gäbe es niemanden, der die Dienstleistung des Leihens von Geld nachfragte, würde einem auch keine Bank Zinsen für sein Geld zahlen. Zinsen werden also von denen erwirtschaftet, die sich Geld leihen, das ihnen nicht gehört - aus welchen Grünen auch immer. Banken sind nun dazu da, dieses Interesse zu befriedigen und zu koordinieren. Dafür leihen sie sich wiederum Geld von ihren Kunden, die darüber jedoch nach wie vor frei verfügen können. Das scheinbare Paradoxum funktioniert, da nie alle Kunden gleichzeitig ihr Geld komplett abheben - es bleiben immer genügend Reserven, die an jene veliehen werden, die Geld investieren oder konsumieren (wobei letzteres dumm ist) wollen, das sie zur Zeit nicht haben. Diese Dienstleistung bezahlen sie - und davon werden die Zinsen bezahlt, die die Bank ihren Kunden gewährt.

Viele stört wahrscheinlich die Idee, dass alleine schon der Besitz von Geld einen dazu berechtigt, mehr Geld zu bekommen. Ab einer bestimmten Menge an Reichtum kann man eben alleine von seinem Geld, vom Zins, leben - man bezieht volkswirtschatlich gesprochen also eine Rente, d.h. man bezieht Einkommen, das andere für einen mittels produktiver Arbeit erwirtschaften. Aber, wen das stört, der muss dann konsequenterweise auch den gesamten Kapitalismus infragestellen, in dem beispielsweise der Fabrikbesitzer ebenfalls von einer Rendite lebt, nämlich dem, was seine Angestellten für ihn erwirtschaften. Gleiches gilt für jede andere Form des Besitzes von Kapitals, z.B. Aktien, aber auch für den Besitz von Boden oder Immobilien. Der Hausbesitzer lebt genauso von der Arbeit anderer wie der Geldbesitzer, der von Zinsen lebt. Beide besitzen ein Gut, nach dem eine Nachfrage besteht.


Ein Verbot von Zinsen würde meiner Meinung nach nur dazu führen, dass niemand mehr Geld verleiht - es sei denn aus Menschenfreundlichkeit. Das Kreditgeschäft würde also entweder illegal oder gar nicht mehr von statten gehen.

Kann da vielleicht ein volkswirtschaftlich gebildeter Mensch nochmal drüberschaun und das ergänzen/korrigieren?

Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/838682/modTrackback

bembelkandidat - 15. Jul, 13:26

empfehlung

konkret - Heft 06 2005 - freundlicherweise online
Peter Bierl: Völkisches Empfinden
"Das neue Wirtschaftspapier von Attac transportiert Globalisierungskritik aus dem braunen Sumpf."

engel - 16. Jul, 00:31

Geld muß fließen

gut erkannt: das Paar Kapitalgeber und Kreditnehmer hängt zusammen. Ohne Zinsen würde das Paar auseinanderfallen. Zinsen schöpfen einen Mehrwert ab, der dadurch nicht weiter eingesetzt werden kann. (Klar setzt der Kapitalgeber seine gewonnenen Zinsen wieder ein: Gegen Zinsen, womit wir mitten in der Spirale sind)

Der KreditNehmer muß seine Zinsen begleichen, egal ob sein Laden läuft oder nicht. Er muß also mindestens seinen Status Quo erhalten PLUS die Zinsen Bedienen.

Das System ist eine Konvention, weil wir uns dazu entschieden haben, Kapital wie alle anderen Produkte auf dem Kapitalmarkt anzubieten.

Der KreditNehmer muß immer einen Teil seines erwirtschafteten Mehrwerts an den Kreditgeber abgeben. Ohne Zinsen würde kaum einer Geld verleihen, richtig! Es bräuchte auch keiner Geld zu leihen.

Und das mit den Banken funktioniert so nicht. Das System ist viel perverser:
Der Kunde bringt 1000,- € als Gespartes zur Bank. Die Bank tut diese 1000,- € als Mindesteinlage in den Tresor und verleiht 10.000,- € an sich selber. (Fiat money nennt man sowas glaube ich)
Preisfrage: Jemand erhält für seine 1.000,- € 2% Zinsen von der Bank, die Bank verleiht das Geld für 6% weiter. Wie hoch ist der Gewinn der Bank?
_____________________

Geld ist für uns erstmal ein Tauschmittel. Geld muß Umlaufen, als "schmiermittel" des Handels. Gelangt das Geld einseitig in große Vermögen, ist es dem fließenden Kreislauf entzogen. Der Vermögende verleiht es wieder, gegen Zinsen die wiederum Mehrwert abschöpfen. Eine Spirale.

Genau das sehen wir heute: Binnenkonjunktur lahmt. ZinsBedienung ist der Zweitgrößte BundeshausHalt. Wenn der Staat spart, bei Kürzung der SozialAusgaben und sparen an Investionen, wird laufend Geld aus dem System herausgezogen, was wiederum als "Schmierstoff" fehlt. Das Ganze ist eine Spirale nach unten.

Die Idee einer UmlaufSicherung bei Geld finde ich daher eigentlich gut. Geld muß ausgegeben werden, sonst erfüllt es seinen Zweck nicht.

Zinssystem führt früher oder später automatisch zu einer einseitigen KapitalAkkumulation...

.. oh, ich muss stoppen, das wird zu lang :)
Vielleicht hier weiterlesen:
http://www.geldcrash.de/artikel/art-teufelskreis.htm

(Muß mal 'nen eigenen Artikel dazu schreiben)

Und vielen Dank für den Link zu Jeremy Rifkin!!!

Jerry (Gast) - 8. Jan, 01:55

Deutsch für Anfänger

Leute, lest doch Eure Artikel nochmal durch!
Diese Armutszeugnisse in Deutsch zerstören Eure
intellektuelle Glaubwürdigkeit und Kompetenz!

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FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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