Aus muslimischer Sicht
Tariq Ali schrieb einen Artikel, den z.B. die taz heute in deutscher Übersetzung abdruckt. Der Artikel eignete sich zum Skandal, wenn er größere mediale Aufmerksamkeit bekäme, wovon ich allerdings nicht ausgehe.
Es wird dort nämlich die verkürzte aber in der islamischen Welt - so glaube ich - sehr verbreitete Sicht vertreten, die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie die Besetzung Palästinas seien von gleicher Qualität wie der islamistische Terror:
Die Bombardierung unschuldiger Menschen in Bagdad, Dschenin und Kabul ist genauso barbarisch wie die in New York, Madrid oder London.
Es muss aber immer wieder betont werden, dass ein Krieg zwischen Kombatanten - so ungerechtfertigt er auch sein mag, so niederträchtig auch die vermutenden Ziele sein mögen - nicht mehr Terror zu vergleichen ist, so lange Zivilisten nicht gezielt verletzt und getötet werden.
Allerdings ruft der Artikel auch in Erinnerung, dass der muslimische Teil der Welt tatsächlich in einer anderen Welt lebt als wir:
Die wirkliche Lösung liegt in der schnellen Beendigung der Besetzung des Iraks, Afghanistans und Palästinas. Nur weil über diese drei Kriege nur sporadisch berichtet wird und sie den meisten Bürgern Europas nur wenig bedeuten, heißt dies nicht, dass die Wut und Bitterkeit, die die Kriege in der muslimischen Welt und ihrer Diaspora verursachen, unbedeutend sind.
Wieviele irakische Todesopfer gab es seit dem Beginn der Besetzung? Welcher Europäer weiß das? Hier interessiert das niemanden. Erwarten wir von einem Iraker, der in einem Land lebt, in dem täglich Menschen getötet und Verdächtige gefoltert werden tatsächlich, dass er den rund 50 Toten in London besonders viel Aufmerksamkeit schenkt? Es gibt Tote erster und zweiter Klasse - in jeder Gesellschaft. Hierzulande interessiert es z.B. kaum jemanden, dass täglich ca. 24.000 Menschen an Hunger sterben. Die islamische Welt ist ständig bedroht - vom Terror aus eigenen Reihen und von Krieg.
Nach dem Terroranschlag von London ist viel von Madrid die Rede. Was hierzulande noch kaum einer weiß: Casablanca, Djerba, Istanbul und Riad waren ebenfalls das Ziel von Al-Qaida-Terroristen.
Nachtrag vom 9. Kuli 2005:
Nach den Anschlägen in London heute lief ich zu den Gebäuden der Britischen Botschaft im Norden Teherans, um herauszufinden ob da besondere Sicherheit herrschte - und auch, um Teheraner auf der Straße zu fragen, was sie von den Anschlägen hielten. "Was für Anschläge?", erwiderte einer der Polizisten des Diplomatischen Service. Er habe nichts von Bombenanschlägen gehört.
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,337284,00.html
Ganz ähnlich A.L. Kennedy in der FAZ, der unter der Überschrift "Für viele sind wir die Terroristen" folgendes schreibt:
Niemand erwähnte, daß die Zahl der Opfer, so schrecklich sie war, in Bagdad an den meisten Tagen als recht gemäßigt gelten würde.
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E4923D6B257D04F56BF67E8A0EA08327B~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Es wird dort nämlich die verkürzte aber in der islamischen Welt - so glaube ich - sehr verbreitete Sicht vertreten, die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie die Besetzung Palästinas seien von gleicher Qualität wie der islamistische Terror:
Die Bombardierung unschuldiger Menschen in Bagdad, Dschenin und Kabul ist genauso barbarisch wie die in New York, Madrid oder London.
Es muss aber immer wieder betont werden, dass ein Krieg zwischen Kombatanten - so ungerechtfertigt er auch sein mag, so niederträchtig auch die vermutenden Ziele sein mögen - nicht mehr Terror zu vergleichen ist, so lange Zivilisten nicht gezielt verletzt und getötet werden.
Allerdings ruft der Artikel auch in Erinnerung, dass der muslimische Teil der Welt tatsächlich in einer anderen Welt lebt als wir:
Die wirkliche Lösung liegt in der schnellen Beendigung der Besetzung des Iraks, Afghanistans und Palästinas. Nur weil über diese drei Kriege nur sporadisch berichtet wird und sie den meisten Bürgern Europas nur wenig bedeuten, heißt dies nicht, dass die Wut und Bitterkeit, die die Kriege in der muslimischen Welt und ihrer Diaspora verursachen, unbedeutend sind.
Wieviele irakische Todesopfer gab es seit dem Beginn der Besetzung? Welcher Europäer weiß das? Hier interessiert das niemanden. Erwarten wir von einem Iraker, der in einem Land lebt, in dem täglich Menschen getötet und Verdächtige gefoltert werden tatsächlich, dass er den rund 50 Toten in London besonders viel Aufmerksamkeit schenkt? Es gibt Tote erster und zweiter Klasse - in jeder Gesellschaft. Hierzulande interessiert es z.B. kaum jemanden, dass täglich ca. 24.000 Menschen an Hunger sterben. Die islamische Welt ist ständig bedroht - vom Terror aus eigenen Reihen und von Krieg.
Nach dem Terroranschlag von London ist viel von Madrid die Rede. Was hierzulande noch kaum einer weiß: Casablanca, Djerba, Istanbul und Riad waren ebenfalls das Ziel von Al-Qaida-Terroristen.
Nachtrag vom 9. Kuli 2005:
Nach den Anschlägen in London heute lief ich zu den Gebäuden der Britischen Botschaft im Norden Teherans, um herauszufinden ob da besondere Sicherheit herrschte - und auch, um Teheraner auf der Straße zu fragen, was sie von den Anschlägen hielten. "Was für Anschläge?", erwiderte einer der Polizisten des Diplomatischen Service. Er habe nichts von Bombenanschlägen gehört.
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,337284,00.html
Ganz ähnlich A.L. Kennedy in der FAZ, der unter der Überschrift "Für viele sind wir die Terroristen" folgendes schreibt:
Niemand erwähnte, daß die Zahl der Opfer, so schrecklich sie war, in Bagdad an den meisten Tagen als recht gemäßigt gelten würde.
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E4923D6B257D04F56BF67E8A0EA08327B~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Hackmeck - 9. Jul, 00:04
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