Geisteswissenschaft in Zeiten der Globalisierung
Was ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft in einer Zeit, in der Menschen wie Wissenschaft vor allem nach dem ökonomischen Nutzen berwertet werden? Wie wird sich die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche, die nach Kosten und Nutzen jeder Ware, jedes menschlichen Tuns und damit auch jeder Wissenschschaft fragt auf den geisteswissenschaftliche Betrieb auswirken?
Das 20. Jahrhundert war ein reiner Triumphzug der Naturwissenschaften. Von der Kriegstechnologie bis zum modernen Personal Computer - vom Auto bis zur Atombombe. Der Fortschritt der Naturwissenschaften veränderte alle Lebensbereiche, diente mal den Mächtigen, mal gesellschaftlichen Revolutionen. In jedem Fall waren sie entscheident. Physiker waren auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs gefragt wie nie, Kryptologie und Massenvernichtungswaffen die
entscheidenden Faktoren des kalten Krieges. Naturwissenschaftliche Entwicklungen waren die Voraussetzungen für Massenindustrie, medizinischen Fortschritt, Massenmobilisierung und gesellschaft etc. - technische Veränderungen, die so tiefschneidende gesellschaftliche Prozesse in Gang brachten, wie sie die Geisteswissenschaften niemals hätten vollbringen können. Ihnen blieb die Aufgabe zu dokumentieren und zu bewerten. Im Zeitalter der Massenkommunikation - eine weitere Errungenschaft der Naturwissenschaft - eine Aufgabe, die immer weniger Beachtung fand und deren gesellschaftliche Relevanz abnahm. Die Aufgabe der Hochkultur, Werte und Normen, ein Geschichtsbild und ein kulturelles Erbe zu vermitteln, wurde vom Fernsehen übernommen, über das sich jeder selbst ohne große Mühe ein Weltbild zusammenstellen konnte.
Ein Ende des Triumphzuges ist nicht in Sicht. Zwar erkannte man im Rahmen der Gentechnikdebatte, dass nicht jedes Problem technisch lösbar ist und besetzte Ethikkommissionen mit Philosophen und anderen Geisteswissenschaftlern. Jedoch kann man auch zu Recht fragen, ob es für ethische Fragen überhaupt so etwas wie Experten geben kann – schließlich beruht am Ende jede moralische Meinung auf den individuell-subjektiv gesetzten ethischen Prämissen, die nicht anhand objektiver Kriterien überprüft werden können.
Die fortschreitende Ökonomisierung der Gesellschaft, in der Wissen immer mehr als Ware und nicht mehr als ideeles Kulturgut einer Gesellschaft betrachtet wird, in der Wissen – wie so oft und gerne betont wird – die entscheidende Wirtschaftsressource im globalen Wettbewerb darstellt, wird die Geisteswissenschaft nicht um die Frage herukommen, welchen ökonomischen Nutzen sie erbringt. Man kann dies – wie Thomas Assheuer in seinem Kurzkommentar "Die Mensch-Maschine" vom 12. Mai 2005 in der ZEIT (leider nicht online) bedauern und anmerken, dass die Geisteswissenschaft kein Pannenhelfer der Naturwissenschaft ist, die die Maschine Mensch mit derzeit notwendigen kulturellen Mustern füttert, damit sich diese auf die momentanen ökonomischen Anforderungen einstellt und ihr Leben mit Sinn erfüllt wird. Man kann die ganze Sache jedoch auch nüchternder betrachten.
Ich selbst bin Student der Sozialwissenschaften, einer Diziplin, die in Deutschland den Geisteswissenschaften entsprungen ist, sich heute jedoch – insbesondere an meiner Universität – von diesen abzugrenzen versucht und sich stattdessen als eine am amerikanischen Verständnis der Sozialwissenschaften angelehnten Dizplin mit intersubjektiv überprüfbaren empirischen Methoden nach naturwissenschaftlichen Standards sieht. Die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche klingt furchtbar – was jedoch meint sie? Ich bin kein noeliberaler Prediger – im Gegenteil. Allerdings bin ich im Grund meines Herzens ein Liberaler und als solcher sehe ich keine demokratischere Form der Entscheidung darüber, welche Wissenschaft wert besitzt als diese anhand des Nutzens zu messen, die die Gesellschaft ihnen zumisst. Ich glaube nicht an einen objektiven Wert einer Wissenschaft, der unabhägig von den Interessen und Bedürfnissen der Menschen ist.
Der Markt ist ein Instrument, Werte von Waren zu bestimmen. Ein Paar Schuhe z.B. hat keinen objektiv messbaren Wert, sondern bekommt seinen Wert erst duch den gesellschaftlichen Kontext. Nur, wenn Schuhe gefragt sind, haben sie für die Gesellschaft einen Wert – ähnlich funktioniert es mit der Wissenschaft. Alte sozialwissenschaftliche Werke widmeten sich oft der Frage, was das gute Leben ist und wie es herzustellen sei. Außerhalb des wissenschaftlichen Betriebs haben diese Werke meist allerdings keinerlei Wirkung entfaltet und brachten somit auch keinerlei Nutzen für diejenigen, in deren Interesse ja eigentlich geforscht werden sollte: Der Gesellschaft, die (noch und leider auch nur noch teilweise) wirtschaftsunabhängige Wissenschaft finanziert. Als Sozialwissenschaftler möchte ich keine Traktate darüber schreiben, wie ich mir das gute Leben in einer Gesellschaft vorstelle, die außerhalb der eigenen Diziplin niemals jemand lesen wird. Ich möchte Nutzen bringen und alles, was einen subjektiv empfundenen Nutzen bringt, bekommt auch einen ökonomischen Wert zugesprochen. Dass dieser mit den eigenen Vorstellungen nicht konform gehen muss, will ich nicht bestreiten – aber ich bestreite, dass es irgendeine praktikable alternative Form der gesamtgesellschaftlichen Messung eines Wertes gibt.
Wenn Teile der Geisteswissenschaft durch ökonomischen Druck ihren Nutzen unter Beweis stellen müssen, wenn dies dazu führt, dass sie aus ihrer Insel der Seligen, ihrem wissenschaftlichen Elfenbeinturm, von der rauhen See der Marktmechanismen geschützt, herunterkommen und nachprüfbare Wissenschaft betreiben müssen, kann ich das nicht in jedem Fall verurteilen. Naturwissenschaftliche Methoden können beispielsweise in den in Deutschland lange Zeit geisteswissenschaftlich geprägten Sozialwissenschaften einen enormen Nutzen haben. Statt losgelöst von jeder gesellschaftlichen Relität und Überprüfbarkeit, scheinbar von überzeitlichtlichen Werten getragen, über das gute Leben zu schwadronieren, können mittels empirischer quasi-experimenteller (auf Makro.) und experimenteller (auf Mikroebene) Verssuchsanordnungen sozialwissenschaftliche Hypothesen und Zusammenhangsvermutungen überpürft werden, die dann direkt in poltische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einfließen, so z.B. helfen vorhandene staatliche Geldmittel möglichst effektiv einzusetzen und somit einen enormen ökonomischen Nutzen besitzen. Gegen die zunehmdende Messung der Wissenschaft nach ökonomischen Kriterien habe ich also wenig einzuwenden. Um allerdings ergebnisoffene und damit seriöse Wissenschaft betreiben zu können, darf die Wissenschaft an sich natürlich nicht von Geldgebern mit einseitigen Interessen abhängig sein, sondern möglichts von solchen mit gesamtgesellschaftlichen Interessen, also noch am ehesten dem Staat. Die Messung der Ergebnise von Wissenschaft anhand ökonomischer Kriterien darf also nicht mit der Ökonomisierung des Wissenschaftsbetriebs verwechselt werden, gegen den ich mich deutlich ausspreche.
Welchen Wert haben nach diesen Kriterien noch reine Geisteswissenschaften wie Geschichte oder Philosophie? Knapp gesagt: Genau denjenigen, den die Gesellschaft ihnen zubilligt. In Zeiten der durch Säkularisierung verursachten Sinnsuche, mögen philosophische Werke hoch im Kurs stehen – somit besitzt auch sie offenbar einen ökonomischen Nutzen – allein deshalb, weil Individuen ihr diesen subjektiv zuerkennen und somit eine Nachfrage danach produzieren. In Zeiten des Umbruchs mag auch manch einer in die Vergangenheit schauen – die Beliebtheit von historischen Fernsehsendungen beweist auch hier den ökonomischen Nutzen der Geschichtswissenschaft. Ich möchte hier natürlich nicht das Trennband zwische populärer und seriöser Wissenschaft zerreißen. Dass Guido-Knopp-Sendungen keine seriöse wissenschaftliche Forschung ersetzen kann, ist mir klar. Jedoch stützten sich auch solche Sendungen auf rechechierte historische Fakten, die Ergebnis geschichtswissenschaftlicher Forschung sind und somit ihren ökonomischen Nutzen bewiesen haben.
Ja, ich selbst sehe auch die nicht unberechtigte Kritik an einer solchen Betrachtung der Wissenschaft: Wenn sich Wissenschaft allein nach in der Gesellschaft vorhandenen Bedürfnissen richten sollte, warum dann nicht gleich ein Lehrstuhl für Astrologie? Ich selbst habe meine Position in der Sache noch nicht ganz gefunden, wollte hier nur mal einen eher selten beleuchteten Aspekt der Messung von Wissenschaft anhand ökonomischer Kriterien aufzeigen, der in gewisser Weise eben auch als Demokratisierung der Wissenschaft verstanden werden kann.
Nachtrag vom 10. Juli 2005:
ZEIT: Derzeit werden gerade die Geisteswissenschaften dem Nützlichkeitsdenken unterworfen.
Händler: Das ist ein großer Fehler. Es gibt mittlerweile Theologen als Vorstandsvorsitzende, viele Consultants bei BCG und McKinsey kommen aus den Geisteswissenschaften. Wenn Sie Ingenieur oder Informatiker werden, dann können Sie Ihr Wissen ohnehin nach zehn Jahren vergessen. Entscheidend ist die Methode der Wissensaneignung, nicht der Wissensinhalt.
Quelle: http://www.zeit.de/2005/27/H_8andler-Interview?page=2
Das 20. Jahrhundert war ein reiner Triumphzug der Naturwissenschaften. Von der Kriegstechnologie bis zum modernen Personal Computer - vom Auto bis zur Atombombe. Der Fortschritt der Naturwissenschaften veränderte alle Lebensbereiche, diente mal den Mächtigen, mal gesellschaftlichen Revolutionen. In jedem Fall waren sie entscheident. Physiker waren auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs gefragt wie nie, Kryptologie und Massenvernichtungswaffen die
entscheidenden Faktoren des kalten Krieges. Naturwissenschaftliche Entwicklungen waren die Voraussetzungen für Massenindustrie, medizinischen Fortschritt, Massenmobilisierung und gesellschaft etc. - technische Veränderungen, die so tiefschneidende gesellschaftliche Prozesse in Gang brachten, wie sie die Geisteswissenschaften niemals hätten vollbringen können. Ihnen blieb die Aufgabe zu dokumentieren und zu bewerten. Im Zeitalter der Massenkommunikation - eine weitere Errungenschaft der Naturwissenschaft - eine Aufgabe, die immer weniger Beachtung fand und deren gesellschaftliche Relevanz abnahm. Die Aufgabe der Hochkultur, Werte und Normen, ein Geschichtsbild und ein kulturelles Erbe zu vermitteln, wurde vom Fernsehen übernommen, über das sich jeder selbst ohne große Mühe ein Weltbild zusammenstellen konnte.
Ein Ende des Triumphzuges ist nicht in Sicht. Zwar erkannte man im Rahmen der Gentechnikdebatte, dass nicht jedes Problem technisch lösbar ist und besetzte Ethikkommissionen mit Philosophen und anderen Geisteswissenschaftlern. Jedoch kann man auch zu Recht fragen, ob es für ethische Fragen überhaupt so etwas wie Experten geben kann – schließlich beruht am Ende jede moralische Meinung auf den individuell-subjektiv gesetzten ethischen Prämissen, die nicht anhand objektiver Kriterien überprüft werden können.
Die fortschreitende Ökonomisierung der Gesellschaft, in der Wissen immer mehr als Ware und nicht mehr als ideeles Kulturgut einer Gesellschaft betrachtet wird, in der Wissen – wie so oft und gerne betont wird – die entscheidende Wirtschaftsressource im globalen Wettbewerb darstellt, wird die Geisteswissenschaft nicht um die Frage herukommen, welchen ökonomischen Nutzen sie erbringt. Man kann dies – wie Thomas Assheuer in seinem Kurzkommentar "Die Mensch-Maschine" vom 12. Mai 2005 in der ZEIT (leider nicht online) bedauern und anmerken, dass die Geisteswissenschaft kein Pannenhelfer der Naturwissenschaft ist, die die Maschine Mensch mit derzeit notwendigen kulturellen Mustern füttert, damit sich diese auf die momentanen ökonomischen Anforderungen einstellt und ihr Leben mit Sinn erfüllt wird. Man kann die ganze Sache jedoch auch nüchternder betrachten.
Ich selbst bin Student der Sozialwissenschaften, einer Diziplin, die in Deutschland den Geisteswissenschaften entsprungen ist, sich heute jedoch – insbesondere an meiner Universität – von diesen abzugrenzen versucht und sich stattdessen als eine am amerikanischen Verständnis der Sozialwissenschaften angelehnten Dizplin mit intersubjektiv überprüfbaren empirischen Methoden nach naturwissenschaftlichen Standards sieht. Die Durchökonomisierung aller Lebensbereiche klingt furchtbar – was jedoch meint sie? Ich bin kein noeliberaler Prediger – im Gegenteil. Allerdings bin ich im Grund meines Herzens ein Liberaler und als solcher sehe ich keine demokratischere Form der Entscheidung darüber, welche Wissenschaft wert besitzt als diese anhand des Nutzens zu messen, die die Gesellschaft ihnen zumisst. Ich glaube nicht an einen objektiven Wert einer Wissenschaft, der unabhägig von den Interessen und Bedürfnissen der Menschen ist.
Der Markt ist ein Instrument, Werte von Waren zu bestimmen. Ein Paar Schuhe z.B. hat keinen objektiv messbaren Wert, sondern bekommt seinen Wert erst duch den gesellschaftlichen Kontext. Nur, wenn Schuhe gefragt sind, haben sie für die Gesellschaft einen Wert – ähnlich funktioniert es mit der Wissenschaft. Alte sozialwissenschaftliche Werke widmeten sich oft der Frage, was das gute Leben ist und wie es herzustellen sei. Außerhalb des wissenschaftlichen Betriebs haben diese Werke meist allerdings keinerlei Wirkung entfaltet und brachten somit auch keinerlei Nutzen für diejenigen, in deren Interesse ja eigentlich geforscht werden sollte: Der Gesellschaft, die (noch und leider auch nur noch teilweise) wirtschaftsunabhängige Wissenschaft finanziert. Als Sozialwissenschaftler möchte ich keine Traktate darüber schreiben, wie ich mir das gute Leben in einer Gesellschaft vorstelle, die außerhalb der eigenen Diziplin niemals jemand lesen wird. Ich möchte Nutzen bringen und alles, was einen subjektiv empfundenen Nutzen bringt, bekommt auch einen ökonomischen Wert zugesprochen. Dass dieser mit den eigenen Vorstellungen nicht konform gehen muss, will ich nicht bestreiten – aber ich bestreite, dass es irgendeine praktikable alternative Form der gesamtgesellschaftlichen Messung eines Wertes gibt.
Wenn Teile der Geisteswissenschaft durch ökonomischen Druck ihren Nutzen unter Beweis stellen müssen, wenn dies dazu führt, dass sie aus ihrer Insel der Seligen, ihrem wissenschaftlichen Elfenbeinturm, von der rauhen See der Marktmechanismen geschützt, herunterkommen und nachprüfbare Wissenschaft betreiben müssen, kann ich das nicht in jedem Fall verurteilen. Naturwissenschaftliche Methoden können beispielsweise in den in Deutschland lange Zeit geisteswissenschaftlich geprägten Sozialwissenschaften einen enormen Nutzen haben. Statt losgelöst von jeder gesellschaftlichen Relität und Überprüfbarkeit, scheinbar von überzeitlichtlichen Werten getragen, über das gute Leben zu schwadronieren, können mittels empirischer quasi-experimenteller (auf Makro.) und experimenteller (auf Mikroebene) Verssuchsanordnungen sozialwissenschaftliche Hypothesen und Zusammenhangsvermutungen überpürft werden, die dann direkt in poltische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einfließen, so z.B. helfen vorhandene staatliche Geldmittel möglichst effektiv einzusetzen und somit einen enormen ökonomischen Nutzen besitzen. Gegen die zunehmdende Messung der Wissenschaft nach ökonomischen Kriterien habe ich also wenig einzuwenden. Um allerdings ergebnisoffene und damit seriöse Wissenschaft betreiben zu können, darf die Wissenschaft an sich natürlich nicht von Geldgebern mit einseitigen Interessen abhängig sein, sondern möglichts von solchen mit gesamtgesellschaftlichen Interessen, also noch am ehesten dem Staat. Die Messung der Ergebnise von Wissenschaft anhand ökonomischer Kriterien darf also nicht mit der Ökonomisierung des Wissenschaftsbetriebs verwechselt werden, gegen den ich mich deutlich ausspreche.
Welchen Wert haben nach diesen Kriterien noch reine Geisteswissenschaften wie Geschichte oder Philosophie? Knapp gesagt: Genau denjenigen, den die Gesellschaft ihnen zubilligt. In Zeiten der durch Säkularisierung verursachten Sinnsuche, mögen philosophische Werke hoch im Kurs stehen – somit besitzt auch sie offenbar einen ökonomischen Nutzen – allein deshalb, weil Individuen ihr diesen subjektiv zuerkennen und somit eine Nachfrage danach produzieren. In Zeiten des Umbruchs mag auch manch einer in die Vergangenheit schauen – die Beliebtheit von historischen Fernsehsendungen beweist auch hier den ökonomischen Nutzen der Geschichtswissenschaft. Ich möchte hier natürlich nicht das Trennband zwische populärer und seriöser Wissenschaft zerreißen. Dass Guido-Knopp-Sendungen keine seriöse wissenschaftliche Forschung ersetzen kann, ist mir klar. Jedoch stützten sich auch solche Sendungen auf rechechierte historische Fakten, die Ergebnis geschichtswissenschaftlicher Forschung sind und somit ihren ökonomischen Nutzen bewiesen haben.
Ja, ich selbst sehe auch die nicht unberechtigte Kritik an einer solchen Betrachtung der Wissenschaft: Wenn sich Wissenschaft allein nach in der Gesellschaft vorhandenen Bedürfnissen richten sollte, warum dann nicht gleich ein Lehrstuhl für Astrologie? Ich selbst habe meine Position in der Sache noch nicht ganz gefunden, wollte hier nur mal einen eher selten beleuchteten Aspekt der Messung von Wissenschaft anhand ökonomischer Kriterien aufzeigen, der in gewisser Weise eben auch als Demokratisierung der Wissenschaft verstanden werden kann.
Nachtrag vom 10. Juli 2005:
ZEIT: Derzeit werden gerade die Geisteswissenschaften dem Nützlichkeitsdenken unterworfen.
Händler: Das ist ein großer Fehler. Es gibt mittlerweile Theologen als Vorstandsvorsitzende, viele Consultants bei BCG und McKinsey kommen aus den Geisteswissenschaften. Wenn Sie Ingenieur oder Informatiker werden, dann können Sie Ihr Wissen ohnehin nach zehn Jahren vergessen. Entscheidend ist die Methode der Wissensaneignung, nicht der Wissensinhalt.
Quelle: http://www.zeit.de/2005/27/H_8andler-Interview?page=2
Hackmeck - 5. Jul, 16:18
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Hackmeck - 6. Jul, 03:06
Diskussion dazu
im FUCKUP-Wiki:
http://fuckup.homeunix.net/index.php?Hunger (weiter unten)
Und vielleicht nochmal ein Zitat aus einem anderen Thread, der vielleicht deutlicher macht, warum ich so auf Vorhersagbarkeit und Nachprüfbarkeit von Wissenschaft poche:
Ich spreche nicht gerne über diese Metaphysik, weil es einfach keine Argumente für oder wider metaphysischer Ideen gibt. Ich kann sagen: Unsere Gedanken werden von einem Geist induziert, der über allem schwebt und nicht erfahrbar ist. Ich kann sagen, unsere Gedanken werden von kleinen grünen Männchen in einer neunten Dimension kontrolliert, die nie ein Mensche erfahren wird. All das lässt sich einfach nicht überprüfen, ist reine Theorie. Deshalb Occam's Razor: Die Annahme, dass Gedanken auf messbaren elektrischen und biochemischen Prozessen beruht, wurde empirisch bisher nicht widerlegt - obwohl das möglich wäre (anders als die grüne-Männchen-Theorie oder die Geist/Seele-Theorie). Wenn nämlich die gemessen Hirnströme einfach keinerlei Zusammenhang mit unseren Gedanken aufzeigen würden. Das ist nicht der Fall, daher nehme ich diese Theorie als richtig an, bis sie widerlegt wird. Nur so kann man IMHO seriöse, überprüfbare Wissensschaft betreiben, die - und hier kommen wir wieder zur Wahreitsfindung - sich auch entwickelt.
http://fuckup.homeunix.net/index.php?Hunger (weiter unten)
Und vielleicht nochmal ein Zitat aus einem anderen Thread, der vielleicht deutlicher macht, warum ich so auf Vorhersagbarkeit und Nachprüfbarkeit von Wissenschaft poche:
Ich spreche nicht gerne über diese Metaphysik, weil es einfach keine Argumente für oder wider metaphysischer Ideen gibt. Ich kann sagen: Unsere Gedanken werden von einem Geist induziert, der über allem schwebt und nicht erfahrbar ist. Ich kann sagen, unsere Gedanken werden von kleinen grünen Männchen in einer neunten Dimension kontrolliert, die nie ein Mensche erfahren wird. All das lässt sich einfach nicht überprüfen, ist reine Theorie. Deshalb Occam's Razor: Die Annahme, dass Gedanken auf messbaren elektrischen und biochemischen Prozessen beruht, wurde empirisch bisher nicht widerlegt - obwohl das möglich wäre (anders als die grüne-Männchen-Theorie oder die Geist/Seele-Theorie). Wenn nämlich die gemessen Hirnströme einfach keinerlei Zusammenhang mit unseren Gedanken aufzeigen würden. Das ist nicht der Fall, daher nehme ich diese Theorie als richtig an, bis sie widerlegt wird. Nur so kann man IMHO seriöse, überprüfbare Wissensschaft betreiben, die - und hier kommen wir wieder zur Wahreitsfindung - sich auch entwickelt.


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