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Dienstag, 14. Juni 2005

Sozialismus in Deutschland?

Es rauscht im Blätterwald:

"Die Kapitalismus-Debatte in der SPD", "Bundesregierung prüft bereits schärfere Regeln für ausländische Spekulanten", "Schröders Kampf gegen die Spekulanten", "Kampf gegen Hedge-Fonds", "Lex Deutsche Börse, ein Plan zur Abwehr ausländischer Spekulanten" so schallt es aus der Seite 2 der SZ von heute.

Quelle: http://lisarosa.twoday.net/stories/759560/

Was denn? Ist jetzt der völkische Sozialismus in Deutschland ausgebrochen? Folgen nach Münteferings "Kapitalismuskritik" (man beachte die Anführungszeichen!) nun die Gesetze gegen die Vorherrschaft des Kapitals?

Wohl kaum. Es ist eher typisch deutscher Wahlkampf, in dem "die überfällige Anpassung der Börsenregeln bezüglich Hedge-Fonds und Private Equity an internationale Gepflogenheiten" als Kampf gegen internationale Finanzinvestoren, ja fast wäre mir das internationale Finanzjudentum rausgeruscht, verkauft wird.

Daß es ebenso auch deutsche Hedgefonds-Händler und Käufer gibt, daß es ebenso deutsche Firmenübernahmen ausländischer Firmen gibt, daß die Finanzmärkte (Spekulanten!) im Gesamtgefüge der kapitalistischen Ökonomie eine notwendige Systemfunktion erfüllen und die Idee vom guten Industriekapital im Unterschied zum bösen Geldkapital eine uralte dumme Mär ist, gegen die schon Marx zu Felde zog - was juckt es die SPD-Propagandisten und die Jungs von der SZ?

Ja, eben gar nichts. Und dass eine "Kapitalismuskritik", in der zwischen einer Art volkstümlichen, natürwüchsigen, nett-beschaulichen, quasi spießbürgerlichen (aka mittelständischen) Kapital einerseits und einem künstlichem, ausländischen, fremden, "raffendem" Kapital unterschieden wird, in Deutschland offenbar immer noch so gut ankommt, stimmt mich sehr nachdenklich.

Die Frage ist auch, ob diese letzte Berserkerwahlkampfaktion der SPD wirklich noch dieser helfen kann oder ob damit nicht ganz im Gegenteil eher wieder ein Thema in den Mittelpunkt des Wahlkampfes rückt, das dem kommenden Linksbündnis hilft, welches auf derlei schlichten Wahlkampfpopoulismus bisher zum Glück verzichtet hat.

(via lisarosa.twoday.net

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http://fuckup.twoday.net/stories/763674/modTrackback

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