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Sonntag, 12. Juni 2005

Die Zukunft der Arbeit: Sie hat keine

Was ich bereits hier prophezeite, nämlich das allmählich Verschwinden der Arbeitsgesellschaft, bekräftigt nun auch der US-Ökonom, Jeremy Rifkin, der diese These bereits 1995 in seinem Buch "Das Ende der Arbeit" entwickelte, im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung:

Die kapitalistische Logik sagt, dass technologischer Fortschritt und gesteigerte Produktivität alte Jobs vernichtet, dafür aber mindestens genauso viele schaffen. Aber die Zeiten sind vorbei. [...] Sehen Sie, ich verdiene einen Teil meines Einkommens damit, die Chefs großer Konzerne zu beraten. Wenn ich die frage, ob sie in Zukunft noch Zehntausende von Mitarbeiter haben werden, dann lachen die laut los. Die Wirtschaftsführer wissen längst, wo die Reise hingeht. [...] In den 20 größten Volkswirtschaften der Erde sind zwischen 1995 und 2002 mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze abgebaut worden. Wohin sie schauen, dasselbe Bild: Die Produktion steigt, die Produktivität steigt, aber die Arbeitsplätze nehmen ab. [...] Die Zahl der Jobs die in Deutschland verschwinden weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert wird, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus. Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt. Aber davon hören Sie von den Politikern kein Wort. Maschinen machen sich als Buhmann eben schlechter als Chinesen oder Polen. [...] Die 356 reichsten Familien besitzen heute 40 Prozent des Reichtums der Menschheit. Diese Entwicklung führt uns in den Abgrund. Wenn die Unternehmen die Löhne immer weiter drücken, wird irgendwann niemand mehr ihre Produkte kaufen. Das ist so logisch, dass es eigentlich jeder verstehen müsste.

Sehr lesenswert!

Buchtipp:

Jeremy Rifkin: Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft.

Kapitalismuskritik von Jeremy Rifkin in der ZEIT:

http://www.zeit.de/2005/24/Kapitalismus_6

Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/757217/modTrackback

Lisa Rosa - 13. Jul, 21:28

Arbeit und Arbeitslosigkeit

Naja. Das "Ende der Arbeitsgesellschaft" wird ja schon lange vorhergesagt. Nun ist ja Arbeit nicht nur dafür da, dem Menschen die physische Existenz zu sichern. Und mancher, der Arbeit hat, wäre froh, er dürfe mal weniger "malochen" oder sehnt sich nach dem Ruhestand. Es geht ja nicht nur darum, die vielen Arbeitslosen vor dem Verhungern zu bewahren. Arbeit ist ja auch Sinn. Das merken viele Langzeitarbeitslose, die dann froh sind, wenn sie fürn Appel und n Ei (oder einen euro pro Stunde) etwas sinnvolles arbeiten "dürfen". Die Gesellschaft muß sich für die Zukunft schon was einfallen lassen für diese zweite Bedeutung von Arbeit: den persönlichen Lebenssinn ihrer Menschen. Es geht nicht bloß um die Verteilung des "Wohlstands".

Hackmeck - 13. Jul, 21:36

Stimmt, das ist das, was Götz Werner mit der Kultur der Arbeit im im Interview bezeichnet. Diese müssen wir wohl früher oder später ablegen:

Also keine Krise?

Jedenfalls keine Wirtschaftskrise. Die Frage, die mich wirklich umtreibt, ist eine andere. Wir steuern auf eine Gesellschaft zu, in der die Arbeit verschwindet. Und die Frage ist nur, was die Menschen dann alle mit ihrer Zeit anfangen. Das ist eine Kulturfrage. Das Problem, das wir haben, liegt nicht auf dem Arbeitsmarkt sondern eigentlich in der Kultur. Leider ist dieses Thema im Bewusstsein der Gesellschaft kaum vorhanden. Aber genau hier müssen wir ansetzen.
Lisa Rosa - 13. Jul, 22:43

Jupp!

Ich hatte das Interview mit Werner noch gar nicht gelesen. Sehr interessant, wirklich! Erstaunlich viel Marx drin. Vielen Dank für den Hinweis!

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