Zuspätkapitalismus

Eine andere Welt ist möglich? Blick in eine nicht all zu ferne Zukunft

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Dem Kapitalismus wohnt eine Eigenschaft inne, ohne die die unglaublichen technischen Innovationen des 19. und 20. Jahrhunderts nicht möglich gewesen wären. Der Konkurrenzkampf in einem Kapitalismus ohne Monopole führt quasi zwangsweise zu großtmöglicher Effizienz, zur maximalen Rationalisierung und zu innovativen Ideen, die ein Produkt von Konkurrenzprodukten absetzen sollen.
So lange die "selbstheilenden Kräfte" des Marktes aktiv sind, führt dies zu technischem Fortschritt und, so lange die wirtschaftliche Etragsleistung im gleichen Maße wächst wie die Rationalisierung der Produktion, zum Wohlstand für alle - vorausgesetzt der Markt wird durch eine sozial-fordistische Wirtschaftspolitik stabilisiert und sozialverträglich gestaltet.

Der Erfolg des Kapitalismus ist dessen eigener Untergang

Wie aber sieht es heute aus? Die technische Revolution, der ungebremste Fortschritt, geht weiterhin vonstatten, der Gesamtreichtum aller westlichen Industriegesellschaften ist heute größer als je zuvor. Dies führt aber auch zu immer größerer Rationalisierung und damit zu großer Armut und Arbeitslosigkeit. Die vielbeschworene Schere zwischen Arm und Reich klafft auch jenseits aller Phrasendrescherei weit auseinander wie nie zuvor.
Vollbeschäftigung wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die Zeiten, in denen jeder Einzelne zur Konsumgüterproduktion benötigt wurde, sind endgültig vorbei. Mit sehr viel weniger menschlicher Arbeitskraft ist es uns heute dank kollektivem technischem Fortschritt möglich, große Mengen an Arbeit zu bewältigen. Völlig egal, ob es sich dabei um Industrieproduktion, landwirtschaftliche Betriebe oder auch das Dienstleistungsgewerbe handelt - überall ist heute möglich mit weit weniger Personalaufwand gleiche oder bessere Ergebnisse zu erzielen als zu früheren Zeiten. Dies ist ein Erfolg des Kapitalismus. Leider stößt damit aber auch das kapitalstische System an seine Grenzen. Im kapitalistischen System wird die Leistung eines Menschen, und damit seine Teilhabe an den Früchten des gesamtgesellschaftlichen Fortschritts, über dessen Arbeit definiert. Große Teile der Bevölkeurng werden in Zukunft aber nicht mehr arbeiten (brauchen). Dieser Umstand ist an sich nicht schlecht - es bleibt mehr Zeit für Hobbys, soziales Engagement, Familie etc. Leider wird diese Art der sinnvollen Zeitausfüllung in unserem bisherigen kapitalistischen Wirtschaftsmodell nicht belohnt. Desweiteren kann eine Konsumgüterindsutrie an einer zum großen Teil arbeitslosen Bevölkerung, die kein Geld zum Ausgeben besitzt, auch nichts verdienen und somit kaum bestehen. Davon abgesehen steht und fällt auch unser Wohlfahrtsstaat mit der An- bzw. Abwesenheit von Arbeit im klassischen Sinne.

Was wird an seine Stelle treten?

Da wir in einer Demokratie leben und da wir moderne Kommunikationsmittel wie das Internet besitzen, wird wohl nicht zu der von einigen Zukunftsforschern vorhergesagten Zwei-Drittel-Gesellschaft (ein Drittel arbeitet, während zwei Drittel der Menschen mit Tittytainment (eine Mischung aus Versorgung und Unterhaltung) bei Laune gehalten) bei Beibehaltung des bisherigen kapitalistischen Systems des 19. Jahrhunderts bleiben. Zu groß wäre der Protest gegen eine derart ungerechte Gesellschaft.
In den USA und in Europa, versucht man trotz aller technischen Erneuerungen, die uns langfristig ein soziales Utopia ermöglichten, krampfhaft, am Kapitalismus als System festzuhalten. Dazu wird die "Dienstleistungsgesellschaft" beschworen. In dieser Dienstleistungsgesellschaft sollen sehr wenige Menschen weiterhin die Produktonsmittel in ihren Händen halten. Diese und einige hohe Angestellte dieser Produktionsmittelbesitzer, die z.B. zur Steuerung und Verwaltung der Produktionsstättem eingesetzt würden, wären dann auch weiterhin die alleinigen Profiteure vom gesamtgesellschaftlichen Fortschritt. Der Rest der Bevölkerung arbeitet im Dienstleistunsgewerbe, was bedeutet, dass dieser den Produktionsmittelbesitzern und dessen Angestellten die Haare schneiden und waschen, die Einkauftaschen füllen und allerlei anderen Dienstleistungsberufen nachgehen, die zumindest heute meist sehr schlecht bezahlt werden. Das geringe Einkommen in diesen Berufen reicht aber immerhin, um die Konsumgüterindustrie zu legitimieren. Die andere Alternative wäre wohl eine wie auch immer geartete neue freiheitliche Form des Sozialismus, in dem eine Aufmerksamkeitsökonomie (siehe dazu http://fuckup.homeunix.net/index.php?Sozialismus 5. Abschnitt) - die sich schon heute teilweise anbahnt - das bestimmende Element wird. Gerade wenn der technische Fortschritt an einer Stelle angelangt ist, an der beispielsweise Energie (durch verbesserte Solarenergie und andere regenerative Energieformen) quasi umsonst sein wird und die Produktionkosten für matrielle Güter somit (auch dank keinen oder sehr geringen Personalkosten) gegen Null tendieren würden, sähe ich die Aufmerksamkeitsökonomie an die Stelle der bisherigen monetären Ökonomie treten. Im Grunde war selbst das Geld im Kapitalismus oft nur ein Mittel zum Zwecke der Aufmerksamkeit (Statusobjekte, Zugang zu bestimmten gesellschaftlichen Kreisen etc.) - diese Umweg würde dann wegfallen.

Erstveröffentlichung und Diskussion auf dem FUCKUP-Wiki:

http://fuckup.homeunix.net/index.php?Kapitalismus

Kritische Anmerkungen von Bone, der eine pessimistische Sicht der Zukunft entwirft:

http://fuckup.homeunix.net/index.php?d%C3%B6ner%20blog

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