"Kapitalismuskritik"

Was ist eine Kapitalismuskritik? Schwer zu sagen. Bis vor kurzem hätte man wohl noch eine Kritik am kapitalistischen System darunter verstanden. Seit Müntes "Kapitalismuskritik" (warum die Anführungszeichen werde ich noch erläutern) gilt allerdings jede Kritik an Maßnahmen aktueller Regierungspolitik direkt als Systemkritik. Das Wort hat sicher gute Chancen auf den Titel "Wort des Jahres".
Positiv daran ist vielleicht, dass einiges an Kritik, was bisher von der Medienlandschaft eher stiefmütterlich behandelt wurde unter dem Label "Kapitalismuskritik" an die Oberfläche gespült wird.
War aber Münteferings Kritik an der Moral einiger Unternehmer wirklich eine Kapitalismuskritik?
Die Marktwirtschaft lebt doch nicht von Moral, sondern von dem, was es an ordnungspolitischen Regelungen gibt.Albrecht Müller in einem Interview mit der Netzeitung
Kein Ökonom würde je auf die Idee kommen, an Kapitalisten (also Eignern von Kapital), moralische Apelle zu richten. Das Modell des Homo oeconomicus wird nicht umsonst von fast allen Ökonomen in volkswirtschaftlichen Makrotheorien angenommen. Darum ist auch eine Kritik an der Moral der Unternehmer keineswegs eine Kritik am Wirtschaftssystem, sondern soll dieses im Gegenteil gegen berechtigte Angriffe schützen, indem sie verschleiert, dass es sich um ordnungspolitische Systemprobleme und nicht um gesellschaftlich-moralische Probleme handelt. Jedes Wirtschaftssubjekt wird bis auf Ausnahmen immer alles tun, um für sich persönlich den größten Nutzen zu erwirtschaften. Falls entsprechende Anreizstrukturen geschaffen (z.B. Steuersubventionen für die Verlagerung von Unternehmen ins Ausland) werden, werden sie ebenso genutzt wie sich aus dem Markt ergebende Anreizstrukturen genutzt werden, die, falls nicht ordnungspolitische Maßnahmen der Wirtschaftspolitik sie beheben/ausgleichen, zu kollektiv unerwünschten Effekten führen werden, da sie jeder der dazu fähig ist, nutzt. Dass die "unsichtbare Hand" Adam Smiths' nicht in jeder Situation wirkt und zu einem kollektiv gewünschten Situation führt, wurde z.B. schon lange spielthoeretisch durch das "Gefangendilemma" bewiesen.
Hackmeck - 18. Mai, 01:37
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks


Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/698706/modTrackback