Edmund Stoiber heute und damals
Als es um die MTV-Serie "Popetown" ging, sollte der Papst in der Serie nicht geköpft werden. Es ging lediglich darum, dass z.B. das Kreuz in den Augen mancher Christen entweiht werde, wenn es der klar als fiktive Person zu erkennende Papst in der Serie als Hüpfstab benutzt.
Damals wollte Edmund Stoiber die Serie verbieten lassen und forderte - mal wieder - eine Verschärfung des §§ 166, der die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen unter Strafe stellt.
Nun geht es um die Absetzung einer religionskritischen Mozart-Inszenierung, in der u.a. Buddha, Jesus und Mohammed am Ende symbolisch geköpft werden sollen. Die Inszenierung wurde aus Angst vor islamischen Terror - allerdings ohne, dass tatsächlich eine konkrete Drohung bestand - auf Bitten von Berlins Innensenator Körting (SPD) abgesetzt.
Henryk M. Broder spricht von der Absetzung als "Symptom einer schockierenden Präventiv-Kapitulation". Es reiche schon die diffuse Angst vor Terror ohne konkrete Gefahr oder Bedrohung, um unser Verhalten zu ändern und Selbstzensur zu üben. Eine gefährliche Entwicklung für eine freiheitliche Gesellschaft.
Ich teile Broders Analyse und die konkurrierenden Wertesysteme in einer globalisierten Welt sind tatsächlich ein schwerwiegendes Problem, das sich nicht einfach lösen lässt und sicher mindestens die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts relevant bestimmen wird.
So lange aber Politiker wie Edmund Stoiber dieses Problem nicht ernst nehmen, sondern in der Bild rumkrakelen, um inner- und außerhalb der eigenen Partei Wahlkampf zu betreiben, sind wir allerdings noch weit von einer Lösung des Problems entfernt.
Statt einzuknicken, hätten Polizeikräfte die Berliner Oper schützen müssen. Diese Kultur der Ängstlichkeit ist falsch. Wenn die Freiheit bedroht ist, braucht sie notfalls auch die Bereitschaft zur Verteidigung und zur Auseinandersetzung mit ihren Gegnern.
meint, wie gesagt, der selbe Mann, der im Sommer dieses Jahres noch eine satirische Cartoon-Serie über den Papst verbieten lassen wollte.
Generell scheint man sich in der CSU zur Zeit nicht einig zu sein, ob man lieber gegen die Muslime - die in diesem Fall überhaupt nichts gegen die Inszenierung gesagt haben - Stimmung machen soll oder ob man die Inszenierung eigentlich doch am liebsten selbst verbieten würde:
Weltweit wurde die Berliner Opern-Selbstzensur kritisiert. Auch CSU-Fraktionschef Herrmann hält die Absetzung von "Idomeneo" für einen Fehler. Doch die Inszenierung selbst findet er noch schlimmer: Ein Stück in dem Jesus, Buddha und Mohammed geköpft werden, sei von vornherein fragwürdig.
Quelle: SPON
Damals wollte Edmund Stoiber die Serie verbieten lassen und forderte - mal wieder - eine Verschärfung des §§ 166, der die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen unter Strafe stellt.
Nun geht es um die Absetzung einer religionskritischen Mozart-Inszenierung, in der u.a. Buddha, Jesus und Mohammed am Ende symbolisch geköpft werden sollen. Die Inszenierung wurde aus Angst vor islamischen Terror - allerdings ohne, dass tatsächlich eine konkrete Drohung bestand - auf Bitten von Berlins Innensenator Körting (SPD) abgesetzt.
Henryk M. Broder spricht von der Absetzung als "Symptom einer schockierenden Präventiv-Kapitulation". Es reiche schon die diffuse Angst vor Terror ohne konkrete Gefahr oder Bedrohung, um unser Verhalten zu ändern und Selbstzensur zu üben. Eine gefährliche Entwicklung für eine freiheitliche Gesellschaft.
Ich teile Broders Analyse und die konkurrierenden Wertesysteme in einer globalisierten Welt sind tatsächlich ein schwerwiegendes Problem, das sich nicht einfach lösen lässt und sicher mindestens die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts relevant bestimmen wird.
So lange aber Politiker wie Edmund Stoiber dieses Problem nicht ernst nehmen, sondern in der Bild rumkrakelen, um inner- und außerhalb der eigenen Partei Wahlkampf zu betreiben, sind wir allerdings noch weit von einer Lösung des Problems entfernt.
Statt einzuknicken, hätten Polizeikräfte die Berliner Oper schützen müssen. Diese Kultur der Ängstlichkeit ist falsch. Wenn die Freiheit bedroht ist, braucht sie notfalls auch die Bereitschaft zur Verteidigung und zur Auseinandersetzung mit ihren Gegnern.
meint, wie gesagt, der selbe Mann, der im Sommer dieses Jahres noch eine satirische Cartoon-Serie über den Papst verbieten lassen wollte.
Generell scheint man sich in der CSU zur Zeit nicht einig zu sein, ob man lieber gegen die Muslime - die in diesem Fall überhaupt nichts gegen die Inszenierung gesagt haben - Stimmung machen soll oder ob man die Inszenierung eigentlich doch am liebsten selbst verbieten würde:
Weltweit wurde die Berliner Opern-Selbstzensur kritisiert. Auch CSU-Fraktionschef Herrmann hält die Absetzung von "Idomeneo" für einen Fehler. Doch die Inszenierung selbst findet er noch schlimmer: Ein Stück in dem Jesus, Buddha und Mohammed geköpft werden, sei von vornherein fragwürdig.
Quelle: SPON
Hackmeck - 29. Sep, 15:53
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
eule70 (anonym) - 30. Sep, 23:26
Jetzt werde ich mir doch einen Opernführer ausleihen müssen. Ich weiß nämlich gar nicht, worum es in "Idomeneo" geht; das ist ja eine selten aufgeführte Oper.
Den vorauseilenden Gehorsam gegenüber islamischen Fundamentalisten find ich in jedem Fall beschämend.
Den vorauseilenden Gehorsam gegenüber islamischen Fundamentalisten find ich in jedem Fall beschämend.
Pythagoras (anonym) - 3. Okt, 01:13
Da isser ...
... hier, ich leih Dir mal den opernführer.
Aber bitte wieder zurücklegen, den wollen sich bestimmt auch noch andere anschauen ;-)
Aber bitte wieder zurücklegen, den wollen sich bestimmt auch noch andere anschauen ;-)


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