Chinas flexibler Arbeitsmarkt

Bildquelle: Albrecht Ude
Deutschland sozialistischer als China!
China ist für uns Westler schon ein seltsames Land. Ein riesiger nicht-demokratischer Staat, in der sich das autoritäre Regime in Sachen Menschenrechte und politische Freiheiten kein Stück bewegt und das trotzdem einen beispiellosen Wirtschaftsboom erlebt, das musste der Westen noch nicht erleben. Um so unsicherer ist man im Umgang mit dem Reich der Mitte. Und immer wieder höre ich Bewunderung durch, wenn Experten und Politiker über den staatlich verordneten Turbokapitalismus sprechen. Auch sonst ist die Effizienz höchstes Gebot chinesischer Politik, z.B. wenn die Strafzumessung künftig einer Software statt korrupten Richtern überlassen wird, bishin zu Todesstrafe, die in China übrigens u.a. auch für Bigamie, Hacken und Bezindiebstahl gilt.Die Weltbank sieht Chinas Kapitalismus, der über Leichen geht, auf einem guten Weg. Selbst in Sachen geistiges Eigentum bewegt sich China auf den Westen zu, wie es auch die WIPO fordert. Kündigungsschutz, betriebliche Mitbestimmung, Arbeitschutz und Umweltauflagen - in China natürlich Fremdworte. Und somit erreicht Chinas Arbeitsmarkt in Sachen "Flexibilität" dann auch einen besseren Platz im Ranking der Weltbank als Deutschland. Die Bild nutzt dies natürlich mal wieder für Arbeitgeberpropaganda. Hans-Olaf Henkel wiederholt gebetmühlenartig "Weniger Bürokratie schafft Jobs!". Wenn Deutschland zwar Exportweltmeister ist, die Binnennachfrage dank real sinkender Löhne aber weiter schwächelt, liegt die daraus resultierende Arbeitslosigkeit laut Henkel also nicht etwa an zu wenig Kaufkraft, sondern an "zu viel Bürokratie". Ohne Umwelt- und Sozialstandards würden die Unternehmen natürlich wie verrückt einstellen, um noch viel mehr zu produzieren - nur für wen bitteschön? Kein Unternehmen wird auch nur einen einzigen Mitarbeiter mehr beschäftigen, wenn dieser nichts zu tun hat und so lediglich Kosten verursacht. So lange also die Nachfrage nicht steigt, werden auch nicht mehr Menschen eingestellt.
Die Bild titelt:


In dem dazugehörigen Artikel heißt es z.B.:
Die schlimmsten Job-Killer:
[...]
• Mitbestimmung: In kaum einem anderen Land gibt es so weitgehende Mitspracherechte des Betriebsrates (z. B. bei Vergütungen, Einstellungen, Versetzungen, Umgruppierungen).
Ich zitiere mal von einem Artikel auf tagesschau.de:
Doch dem Streit zum Trotz: Das "Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer", das derzeit bundesweit in 776 Unternehmen gilt, scheint in der Praxis auch bei Arbeitgebern durchaus nicht unpopulär zu sein - aus nachvollziehbaren Gründen: Eine Reihe von Untersuchungen weist darauf hin, dass sich in Unternehmen nach Einführung der Mitbestimmung die Produktivität ebenso erhöht hat wie die Zahl der Patentanmeldungen. Nicht einmal Börsen-Anleger sehen offenbar in der Regelung ein Investitionshemmnis. Eine Studie aus Wien ermittelte einen positiven Zusammenhang zwischen US-Direktinvestitionen in Europa und dem Niveau der Mitbestimmung in den jeweiligen Betrieben.
Hackmeck - 15. Sep, 11:13
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