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Dienstag, 4. April 2006

Anonymes Filesharing: Netze in den Schatten

Filesharing-Nutzer geraten immer öfter in das Visier von Fahndern. Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest steigt das Risiko für Tauschbörsen-Nutzer. Die Musikindustrie strengt gerade eine weltweite Klagewelle gegen Filesharer an und behauptet: Eltern haften für ihre Kinder.

Doch "Informationen wollen frei sein" und sie bahnen sich immer einen Weg. Sogenannte Darknets entstehen. Kleine P2P-Netze, in denen sich alle Nutzer gegenseitig vertrauen und so frei von Strafverfolgung mit klar abgeschlossener Nutzerbasis Daten und Informationen sicher austauschen können. Die zur Zeit populärste Darknet-Software ist WASTE. WASTE eignet sich für kleinere Gruppen von bis zu 50 Personen, ist Freie Software und für alle relevanten Plattformen verfügbar. Eine kleine Anleitung für Windows befindet sich hier.

Was mit kleiner in sich abgeschlossener Nutzerbasis funkioniert, will das Freenet Project langfristig global verwirklichen:

Zunächst einmal soll Freenet 0.7 als "reines Darknet" starten, bei dem allen Verbindungen vertraut werden muss. Künftige Versionen sollen auch einen gemischten Betrieb mit einem offenen Netz erlauben, so dass Nutzer dann auch Verbindungen ohne Vertrauen zulassen können. Die Entwickler erhoffen sich davon eine verbesserte Vernetzung, die aber zu Lasten der Sicherheit gehen wird.
Quelle: golem.de

So soll in Zukunft ein großes anonymes und dezentral verwaltetes Netz entstehen, das Zensur unmöglich macht. Jegliche Zensurwünsche, sei es die von Regimen oder die der Industrie, wären damit unmöglich.

Noch handelt es sich allerdings um eine Beta-Software, die weder stabil noch zweifelsfrei sicher ist. Neugierige können sich die aktuelle Version trotzdem bereits downloaden. Da die Software Java-basiert ist, läuft sie auf allen Plattformen für die die Java Virtual Machine verfügbar ist. Auch Freenet ist Freie Software und steht unter der GPL. Mehr Informationen gibt es in der Wikipedia.

Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/1789399/modTrackback

achim (Gast) - 6. Apr, 01:03

Zu Freenet: Ich hab das mal ausprobiert. Die erste Linkseite, die ich mit Modemgeschwindigkeit abrufen konnte (und die erste, die ich versucht habe), hat sich bei der Abwägung "völlige Freiheit" vs. "keine Kinderpornografie" für die völlige Freiheit entschieden und geht so weit, Kinderporno-Seiten quasi direkt auf der Startseite zu verlinken. Heißt dann "Preteen Central by AdolfHitler" und "Freesite of self confessed pedophile". Freenet ist glücklicherweise langsam genug, als dass der Text vor den Grafiken kommt, so dass die Logos nicht geladen wurde. Will ich mir auch gar nicht ansehen.
So wie ich das Freenet-Projekt verstanden habe, werden Inhalte über mehrere PCs ausgelagert, um dann anonym sein zu können. Ich will nicht, dass jemand Kinderpornografie mit meiner Hilfe bekommt.
Und ich halte es für bedenktlich, dass bei den standardmäßig integrierten Linkseiten auch so etwas verlinkt wird. Da gibts eine längere Erläuterung zu, ich finde aber nicht, dass es dafür eine Rechtfertigung geben sollte - eine Datei downloaden, ausführen, zwei mal klicken, und so ein Scheiß wird geladen? Das ist mir dann zu viel Freiheit.

Hackmeck - 6. Apr, 01:14

Ja, das verstehe ich. Langfristig werden wir aber glaube ich nur eine Alternative haben: Entweder wir bauen anonyme Darknets mit völliger Freiheit auf oder wir werden nur ein reguliertes, kontrollieres und von allen möglichen Seiten zensiertes Netz haben. Ich glaube die Infrastruktur für ein unreguliertes und anonymes Netz bietet ungeahntes Potential für große Teile der Welt. Natürlich taucht in solchen Netzen Schund auf: Nazi-Propaganda, Kinderpornografie usw. Es gibt dort eben alles, was es in der Realität auch gibt. Das ist, glaube ich, der Preis den wir für die großartigen Möglichkeiten freier und anonymer Kommunikation (die Umgehung von Zensur, die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung und des freien Meinungsaustauschs auch in Diktaturen usw.) leider zahlen müssen.
achim (Gast) - 6. Apr, 08:42

Na, dass das darüber abzurufen ist, gut, da kann ich akzeptieren, dass so ein Müll dann auch dabei ist. Aber das Freenet-Projekt gibt sofort von Haus aus Bookmarks zu Seiten mit, die darauf verlinken, und das finde ich falsch.
Damit wird nämlich nicht nur die technische (wo man von mir aus sagen kann: "das geht nicht anders"), sondern auch die ideelle Infrastruktur geboten wird.
Sollen irgendwelche Nazis von mir aus Freenet-Links austauschen, bin ich mit einverstanden. Aber nicht direkt auf der ersten Seite, die ich sehe, die öffentlich ist.
Ich hab mir das wirklich nur 3 Minuten angesehen und suche doch nicht nach sowas.
Ich will gar nicht wissen, was da dann in den wirklich privaten Netzen passiert.

Vor dem Hintergrund, dass jeder Kinderporno, jedes scheiß Bild, was da gezeigt wird, einen Fall sexuellen Missbrauchs bedeutet, muss man da glaub ich auch nicht auf Teufel komm raus von "Informationsfreiheit" sprechen.

Nein, Freenet darf auch von der Idee her keinen Filter enthalten, natürlich nicht. Aber das ist so, als würde Google eine Seite mit Kinderporno-Links anbieten. Ein kurzer Disclaimer, und herzlich Willkommen. Nein, das muss nicht sein, da kann man von den Betreibern solcher Seiten mehr Anstand erwarten.
Hackmeck - 6. Apr, 16:09

Okay, du hast recht. Das wusste ich nicht. Selbst habe ich Freenet noch nicht ausprobiert.

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