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Freiheit und Demokratie in der Softwareentwicklung

Novell hat in der Vergangenheit eine Menge Software unter der freien GNU General Public License freigegeben. Jetzt wird es von Teilen der Community ausgebuht.

Software, die das Unternehmen unter freien Lizenzen veröffentlicht hat sind beispielsweise das SuSE-Konfigurationstool YaST, iFolder, Code zur Verwendung von Novells Verzeichnisdienst eDirectory, Echtzeiterweiterungen für den Linuxkernel, die Mail- und Kalendersoftware Hula und der Connector für Microsoft Exchange Server. Daneben unterstützt Novell viele freie Projekte wie Mono mit bezahlten Programmierern.

Auch die nun veröffentlichte OpenGL-basierte Erweiterung des X-Servers Xgl steht unter der GPL. Trotzdem erntete Novell teils harsche Kritik an deren Vorgehensweise. Einige GNOME-Entwickler kritisieren auf deren Mailingliste den geschlossenen Entwicklungsprozess Novells. Jeff Waugh, Entwickler bei Ubuntu, geht sogar noch weiter. Seine Stellungnahme auf der GNOME-Mailingliste gipfelt in der Behauptung "this is *killing our community*".

Ein offizielles Statement von Novell gibt es nicht. Dan Winship, Entwickler bei Novell, rechtfertigt sich jedoch auf der Mailingliste. In seinen Augen ist die Kritik unberechtigt. Novell sei eine Firma, die ein Produkt verkaufe, das rechtzeitig fertig sein müsse. Deshalb sei der Entwicklungsprozess hinter verschlossenen Türen erfolgt. Nun sei der Code unter einer freien Lizenz veröffentlicht worden und das GNOME-Projekt und andere könnten ihn nutzen, wenn sie ihn gut fänden oder eben nicht, wenn er ihnen nicht gefällt.

Soweit will ich mich seiner Argumentation voll anschließen. Auch wenn der Entwicklungsprozess nicht demokratisch war, erfüllt die zustandegekommende Software alle von Richard M. Stallmann definitorisch festgelegten Kriterien Freier Software. Es grenzt meiner Meinung nach an Dreistigkeit, einem Unternehmen, das sehr viele Ressourcen in die Entwicklung von Software unter freien Lizenzen investiert, zu unterstellen, sie würden die Community zerstören.

Bei seiner Begründung, warum die Entwicklung in einem kleinen, geschlossenen Personenkreis erfolgte, wirft Winship jedoch eine Gretchenfrage freier Softwareentwicklung auf, die meiner Einschätzung nach noch für viel Diskussionsstoff sorgen wird: Er stellt Sinnhaftigkeit eines breiten, einen demokratischen Prozess durchlaufenden Entwicklungsprozess infrage:

If we had proposed the changes on the mailing lists, it would have started a huge discussion about what people hated about the design ("you can't make the panel menu depend on beagle!!!") and how it should be different. And then we could have either (a) completely ignored everyone and done it ourselves anyway, or (b) had a long conversation about the merits of the design and then not actually finished the code in time for NLD10.

Doch nicht nur der zeitliche Verzögerungsfaktor wird angeführt. Vieles, was gut an GNOME sei, sei von einer Person oder einer kleinen geschlossenen Gruppe von Leuten beigesteuert worden. So gut wie alles schlechte an GNOME sei dagegen das, was von vielen verschiedenen Leuten geschrieben wurde, ohne dass jeder einzelne eine Vorstellung von dem gehabt habe, was letztlich dabei rumkommen soll. Oder zusammengefasst: "you can't do design by committee".

Dies ist meiner Meinung nach tatsächlich ein wunder Punkt freier Softwareentwicklung und ein Grund dafür, warum sie sich langsamer fortentwickelt als es bei derart vielen innovativen Programmierern möglich wäre. So ist das radikale neue aber auch sehr schnelle und innovative Reiser4-Dateisystem rund 18 Monate nach dessen Veröffentlichung immer noch nicht Bestandteil des offiziellen Linux-Kernels. Letztlich wird sich dieses Problem jedoch wahrscheinlich ähnlich lösen wie viele ähnliche auch: Wenn es die Community nicht schafft dieses innovative Stück Software in den Referenzkernel zu integrieren, werden es früher oder später die Distributoren wie Novell, Mandrake und Red Hat nachträglich in die Distributions-Kernel patchen und die Kernelentwickler so zur Integration faktisch zwingen.

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