Kulturflatrate aus ökonomischer Sicht
Warum ist es ökonomisch sinnvoll, dass Autobahnen nicht privatisiert werden? Und warum wäre es noch sinnvoller Kultur wie Musik und Filme über eine Steuer zu finanzieren und das darüber eingenommene Geld über einen Schlüssel, der sich beispielsweise über DRM berechnen ließe, zu verteilen?
Zunächst zu den Autobahnen:
Wenn die Autobahn gebaut ist und gratis ist, wird sie jeder nutzen, für den es sinnvoll erscheint - andere Erwägungen spielen keine Rolle. Die Autobahn wird also optimal ausgenutzt. Nehmen wir an, nun würde eine Maut eingeführt. Von nun an muss jeder Autofahrer zwischen zwei Präferenzen abwägen:
- Die Präferenz schnell mit dem Auto irgendwo hinzukommen
- Die Präferenz nichts zahlen zu wollen
Je nachdem, welche Präferenz stärker ausgeprägt ist, wird dann die Autobahn genutzt oder eben nicht. In vielen Fällen würde auf kostenlose Landstraßen ausgewichen. Insgesamt aber wird die bestehende Autobahninfrastruktur jedenfalls sehr viel schlechter genutzt und die, die sie dann noch nutzen, müssen sehr viel mehr pro Kopf zahlen. Dabei ist die Autobahn sogar noch ein Gut mit begrenzter Konkurrenz im Konsum: Manch einer der Stau steckt wünschte sich vielleicht sogar mehr für die Autobahn zu zahlen und dafür freie Fahrt zu haben.
Nun zur Kulturflatrate: Digitale, technisch problemlos zu kopierende Inhalte sind Güter ohne Konkurrenz im Konsum. Ob jemand anderes 20 GB Songs auf seinem iPod hat oder gar keine tangiert mich nicht. Durch Tauschbörsen wird die Infrastruktur zur freien Verteilung von digitalen Inhalten völlig kostenlos zur Verfügung gestellt.
Bei der bisherigen Rechtslage ist es jedoch so, dass man zwischen zwei Präferenzen abwägen muss, so lange ich sich nicht strafbar machen will:
- Kulturkonsum
- kein Geld ausgeben
In sehr vielen Fällen wird die Präferenz, kein Geld ausgeben zu wollen, stärker sein als die Präferenz einen betsimmten Film zu sehen oder ein Musikstück zu besitzen und abspielen zu können. Die vorhandene "Kulturinfrastruktur" wird also sehr viel weniger genutzt, als es möglich wäre.
Kultur ist ein universelles Gut, das eigentlich jeder Mensch nutzt. In irgendeiner Form konsumiert jeder Mensch Kulturgüter, seien es nun Bücher, Filme, Musik oder Hörspiele. Man könnte nun errechnen, wieviel Prozent des Einkommens die Deutschen 2004 für DVDs, Musik und andere digitale Inhalte ausgegeben haben (lassen wir Bücher mal raus, da die weitgehend noch offline rezepiert werden). Dies ließe sich dann auf eine Steuer umlegen, da ja jeder solche Inhalte nutzt - der eine mehr der andere weniger. Das damit eingenommene Geld könnte über einen Schlüssel, der per Digital Rights Managemnt-System errechnet wird, unter den Autoren verteilt werden.
Der Konsument könnte mit einer Pauschalabgabe so viel Filme und Musik herunterladen wie er nur wollte - er muss sich nicht mehr zwischen zwei Präferenzen entscheiden. Im Schnitt wäre der Betrag, den der einzelne Konsument dafür im Jahr zahlt, etwa gleich hoch wie bisher - bei dem einem mehr, beim anderen weniger als er vorher zahlte. So ziemlich jeder würde aber dann mehr digitale Inhalte nutzen, da ja eine Kulturflatrate bestehenn würde.
Die Urheber der Werke, vor allem Musiker, würde viel besser entlohnt als bisher. Das jetztige System stammt noch aus einer Zeit, in der die Verwertungsindustrie ein Monopol auf die Verbreitung von Inhalten hatte. Ihre Dienstleistung, Inhalte auf Medien zu pressen und die Vertriebskette zum Konsumenten zu organisieren ist in Zeiten von Tauschbörsen überflüssig. Sie wären die einzigen Verlierer.
Hackmeck - 29. Jan, 16:37
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