Sonntag, 29. Januar 2006

Kulturflatrate aus ökonomischer Sicht

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Warum ist es ökonomisch sinnvoll, dass Autobahnen nicht privatisiert werden? Und warum wäre es noch sinnvoller Kultur wie Musik und Filme über eine Steuer zu finanzieren und das darüber eingenommene Geld über einen Schlüssel, der sich beispielsweise über DRM berechnen ließe, zu verteilen?

Zunächst zu den Autobahnen:

Wenn die Autobahn gebaut ist und gratis ist, wird sie jeder nutzen, für den es sinnvoll erscheint - andere Erwägungen spielen keine Rolle. Die Autobahn wird also optimal ausgenutzt. Nehmen wir an, nun würde eine Maut eingeführt. Von nun an muss jeder Autofahrer zwischen zwei Präferenzen abwägen:

- Die Präferenz schnell mit dem Auto irgendwo hinzukommen
- Die Präferenz nichts zahlen zu wollen

Je nachdem, welche Präferenz stärker ausgeprägt ist, wird dann die Autobahn genutzt oder eben nicht. In vielen Fällen würde auf kostenlose Landstraßen ausgewichen. Insgesamt aber wird die bestehende Autobahninfrastruktur jedenfalls sehr viel schlechter genutzt und die, die sie dann noch nutzen, müssen sehr viel mehr pro Kopf zahlen. Dabei ist die Autobahn sogar noch ein Gut mit begrenzter Konkurrenz im Konsum: Manch einer der Stau steckt wünschte sich vielleicht sogar mehr für die Autobahn zu zahlen und dafür freie Fahrt zu haben.

Nun zur Kulturflatrate: Digitale, technisch problemlos zu kopierende Inhalte sind Güter ohne Konkurrenz im Konsum. Ob jemand anderes 20 GB Songs auf seinem iPod hat oder gar keine tangiert mich nicht. Durch Tauschbörsen wird die Infrastruktur zur freien Verteilung von digitalen Inhalten völlig kostenlos zur Verfügung gestellt.

Bei der bisherigen Rechtslage ist es jedoch so, dass man zwischen zwei Präferenzen abwägen muss, so lange ich sich nicht strafbar machen will:

- Kulturkonsum
- kein Geld ausgeben

In sehr vielen Fällen wird die Präferenz, kein Geld ausgeben zu wollen, stärker sein als die Präferenz einen betsimmten Film zu sehen oder ein Musikstück zu besitzen und abspielen zu können. Die vorhandene "Kulturinfrastruktur" wird also sehr viel weniger genutzt, als es möglich wäre.

Kultur ist ein universelles Gut, das eigentlich jeder Mensch nutzt. In irgendeiner Form konsumiert jeder Mensch Kulturgüter, seien es nun Bücher, Filme, Musik oder Hörspiele. Man könnte nun errechnen, wieviel Prozent des Einkommens die Deutschen 2004 für DVDs, Musik und andere digitale Inhalte ausgegeben haben (lassen wir Bücher mal raus, da die weitgehend noch offline rezepiert werden). Dies ließe sich dann auf eine Steuer umlegen, da ja jeder solche Inhalte nutzt - der eine mehr der andere weniger. Das damit eingenommene Geld könnte über einen Schlüssel, der per Digital Rights Managemnt-System errechnet wird, unter den Autoren verteilt werden.

Der Konsument könnte mit einer Pauschalabgabe so viel Filme und Musik herunterladen wie er nur wollte - er muss sich nicht mehr zwischen zwei Präferenzen entscheiden. Im Schnitt wäre der Betrag, den der einzelne Konsument dafür im Jahr zahlt, etwa gleich hoch wie bisher - bei dem einem mehr, beim anderen weniger als er vorher zahlte. So ziemlich jeder würde aber dann mehr digitale Inhalte nutzen, da ja eine Kulturflatrate bestehenn würde.

Die Urheber der Werke, vor allem Musiker, würde viel besser entlohnt als bisher. Das jetztige System stammt noch aus einer Zeit, in der die Verwertungsindustrie ein Monopol auf die Verbreitung von Inhalten hatte. Ihre Dienstleistung, Inhalte auf Medien zu pressen und die Vertriebskette zum Konsumenten zu organisieren ist in Zeiten von Tauschbörsen überflüssig. Sie wären die einzigen Verlierer.

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Tyler (Gast) - 30. Jan, 15:16

Luftschösser?

Gibt es denn schon konkrete funktionierende Beispiele für eine Flatrate? Mir fällt nur als ähnliches Konzept die GEZ ein, aber vor diesem Zwangszahlen will sich ja jeder nur drücken und schwarz sehen.

Isabelle (Gast) - 4. Feb, 01:17

Da hat aber jemand schon fleißig für die Abschlussprüfung Soziolgie gelernt ;)

Achim (Gast) - 16. Feb, 14:30

DRM ist doch da eigentlich Mist. Wie soll das Geld verteilt werden? Nach der Anzahl, wie oft es gehört wird? Oder nach der Anzahl der Downloads?
Sinnvoll ist doch nur letzteres. Und dann reicht es doch inprinzip auch, eine Plattform zu erstellen, über die heruntergeladen werden kann, und die die Inhalte immerhin in einer Form bereitstellt, die auch mit weitverbreiteten Endgeräten genutzt werden kann.
Ich bin auch für eine Kulturflatrate, allerdings hast du insbesondere nicht bedacht, wie das "nach außen" abgeschirmt werden kann. Deutschland könnte es sich wohl kaum erlauben, im Internet frei Medien zu verbreiten, ohne den Lizenzgebern zuzusichern, dass diese Medien nur von Deutschland aus zugänglich sind.
Und dann, dann ist da noch das Problem von der großen Datenkrake. Ich möchte eigentlich nicht, dass der Staat zwingend weiß, welche Medien ich mir zu lege, geschweige denn -wie es bei DRM unter Umständen sein kann- wem meiner Freunde ich etwas weiter gegeben habe..
Deshalb bräuchte man ein nur aus Deutschland, aber für jeden hier, zugängliches System.
Ich empfehle mal diesen Artikel hier, eventuell kennst du den ja schon, ansonsten wirst du beim Lesen wohl öfter etwas in der Richtung "ja, das ist es" denken ^^

Hackmeck - 16. Feb, 14:53

Ich wollte in diesem Fall DRM nicht (wie es die Indutstrie plant) dazu nutzen, ein Weiterkopieren zu verhindern. Darüber könnte nur - um diese Technologie mal sinnvoll zu nutzen - genau festgestellt werden auf wievielen Geräte ein bestimmtes Musikstück vorhanden ist. Und daraus wiederum könnte man den Schlüssel zur Verteilung des Geldes errechnen.

Aber du hast recht, im Prinzip könnte man das auch über die ungefähre Anzahl der Downloads aufschlüsseln.

Deutschland könnte es sich wohl kaum erlauben, im Internet frei Medien zu verbreiten, ohne den Lizenzgebern zuzusichern, dass diese Medien nur von Deutschland aus zugänglich sind.

Stimmt, aber da ist meine Lösung einfach und radikal: WIPO-Verträge kündigen und es einfach machen. Frankreich schert sich da auch nicht groß um internationale Abkommen. Und wenn irgendwo die Kulturflatrate einmal etabliert ist, werden die anderen Staaten wohl zwangsläufig mitziehen müssen.

Und dann, dann ist da noch das Problem von der großen Datenkrake. Ich möchte eigentlich nicht, dass der Staat zwingend weiß, welche Medien ich mir zu lege, geschweige denn -wie es bei DRM unter Umständen sein kann- wem meiner Freunde ich etwas weiter gegeben habe..

Stimmt, das ist ein Problem. Man sollte dazu eine nicht-staatliche Non-Profit-Organisation schaffen, die die Daten ausschließlich anonymisiert und ausschließlich zur Verteilung des Geldes an die Künstler erhebt.

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FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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