SPIEGEL Online: Wie schreibe ich ein Dementi?
Am ersten Januar berichtete u.a. SPIEGEL online über eine angebliche Pressemeldung des "Bund Deutscher Juristen", die wenig später als Fake enttarnt wird.
Außer auf einigen Blogs, denen das auffällt, tut sich erstmal wenig. SPON verliert zunächst kein Wort mehr darüber. Einen Tag später beginnt sich die Sache herumzusprechen: Der Tagesspiegel berichtet ebenso wie die Frankfurter Rundschau und die taz. Als dann am 3. Januar auch noch u.a. die Welt, das Deutschlandradio, Heise, die Netzeitung und die Süddeutsche Zeitung berichten, wurde es SPIEGEL Online offenbar zu peinlich, die falsche Nachricht gebracht zu haben ohne sie danach ordnungsgemäß zu dementieren. Was tun? Unter der alten Falschmeldungs-URL veröffentlichte man kurzerhand ein Dementi und datierte es einfach auf den 1. Januar vor. Der Artikel wird passenderweise auch gleich noch mit einer weiteren Ente bzw. Urban Legend eingeleitet:
Das gezielte Fälschen von Nachrichten hat eine lange Tradition: Als einer der ersten Schöpfer von Medien-Enten gilt der österreichische Schriftsteller Karl Kraus, dem es 1908 unter Pseudonym gelungen war, einen mit pseudowissenschaftlichem Nonsens gespickten Beitrag über ein Erdbeben in der Wiener "Neuen Freien Presse" zu platzieren.
Dazu schrieb Telepolis bereits 2004:
Eine Leidenschaft von Schütz war es, Zeitungen gefälschte, auf den ersten Blick aber mögliche Meldungen zukommen zu lassen, weil er sich ärgerte, dass die Redaktion kaum deren Wahrheitsgehalt wirklich nachprüfen und vor allem auf pseudowissenschaftliche Inhalte hereinfallen. Eine seiner bekannteren Finten - manche waren allerdings noch übertriebener und handelten von feuerfester Kohle oder ovalen, stoßdämpfenden Rädern - war der Leserbrief über den Grubenhund, der 1911 in der Neuen Freien Presse veröffentlicht wurde. Der Artikel ging um ein Erdbeben im Ostrauer Kohlerevier, das ein in einem Laboratorium schlafender "Grubenhund" aber schon eine halbe Stunde zuvor bemerkt habe und unruhig geworden sei. Als Hund bezeichnet man im Bergwerk allerdings Loren. Die Meldung vom Grubenhund wurde auch Karl Kraus zugeschrieben und wurde zur Bezeichnung für Zeitungsenten.
Nachtrag zum Thema Grubenhund und Karl Kraus:
So einfach ist die Sache doch nicht. Weder SPON noch ich haben wirklich recht, siehe Kommentare.
Außer auf einigen Blogs, denen das auffällt, tut sich erstmal wenig. SPON verliert zunächst kein Wort mehr darüber. Einen Tag später beginnt sich die Sache herumzusprechen: Der Tagesspiegel berichtet ebenso wie die Frankfurter Rundschau und die taz. Als dann am 3. Januar auch noch u.a. die Welt, das Deutschlandradio, Heise, die Netzeitung und die Süddeutsche Zeitung berichten, wurde es SPIEGEL Online offenbar zu peinlich, die falsche Nachricht gebracht zu haben ohne sie danach ordnungsgemäß zu dementieren. Was tun? Unter der alten Falschmeldungs-URL veröffentlichte man kurzerhand ein Dementi und datierte es einfach auf den 1. Januar vor. Der Artikel wird passenderweise auch gleich noch mit einer weiteren Ente bzw. Urban Legend eingeleitet:
Das gezielte Fälschen von Nachrichten hat eine lange Tradition: Als einer der ersten Schöpfer von Medien-Enten gilt der österreichische Schriftsteller Karl Kraus, dem es 1908 unter Pseudonym gelungen war, einen mit pseudowissenschaftlichem Nonsens gespickten Beitrag über ein Erdbeben in der Wiener "Neuen Freien Presse" zu platzieren.
Dazu schrieb Telepolis bereits 2004:
Eine Leidenschaft von Schütz war es, Zeitungen gefälschte, auf den ersten Blick aber mögliche Meldungen zukommen zu lassen, weil er sich ärgerte, dass die Redaktion kaum deren Wahrheitsgehalt wirklich nachprüfen und vor allem auf pseudowissenschaftliche Inhalte hereinfallen. Eine seiner bekannteren Finten - manche waren allerdings noch übertriebener und handelten von feuerfester Kohle oder ovalen, stoßdämpfenden Rädern - war der Leserbrief über den Grubenhund, der 1911 in der Neuen Freien Presse veröffentlicht wurde. Der Artikel ging um ein Erdbeben im Ostrauer Kohlerevier, das ein in einem Laboratorium schlafender "Grubenhund" aber schon eine halbe Stunde zuvor bemerkt habe und unruhig geworden sei. Als Hund bezeichnet man im Bergwerk allerdings Loren. Die Meldung vom Grubenhund wurde auch Karl Kraus zugeschrieben und wurde zur Bezeichnung für Zeitungsenten.
Nachtrag zum Thema Grubenhund und Karl Kraus:
So einfach ist die Sache doch nicht. Weder SPON noch ich haben wirklich recht, siehe Kommentare.
Hackmeck - 4. Jan, 08:19
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