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Dienstag, 3. Januar 2006

Urheber des Folter-Hoaxes

Die Urheber des "Folter-Hoax vom "Bund Deutscher Juristen" haben sich lau Tagesspiegel in einer E-Mail bekannt. In dem Artikel werden allerdings keine Motive für die Tat genannt, sodass Heise auch keine in der E-Mail erwähnte Motive vermutet.

In der taz wird die Geschichte kurz nacherzählt:

Der Frühdienst habe am Neujahrsmorgen eine entsprechende Presseerklärung als E-Mail vorgefunden und sich auf der angegebenen Homepage von der Existenz des BDJ überzeugt. Dass auf dieser das eigentlich zwingend vorgeschrieben Impressum fehlte, die angebliche Organsation der Spitzenjuristen dafür aber mit reichlich krudem Lob in eigener Sache ("Unsere Beiträge zur Wiederbewaffnung der Bundeswehr und dem Abtreibungsverbot sind hinlänglich bekannt.") glänzte, ging durch. Erst als AP Anfragen, wo die Organisation für weitere Interviews denn zu erreichen wäre, selbst nicht beantworten konnte, klingelte ein verspätetes Glöcklein. Da hatten andere Medien die "Nachricht" schon übernommen. "Wir bemühen uns weiter um Aufklärung", so Gehrig. Wer auch immer hinter der Meldung stecke, kenne sich aber offenbar mit den "Medienabläufen an Neujahr aus". Sollte sich ein Verantwortlicher in Deutschland ermitteln lassen, werde AP rechtliche Schritte einleiten. Doch das dürfte schwierig werden: Die Homepage,vermutlich eine Schöpfung von Foltergegnern, war erst am 28. Dezember bei der Domainregistrierfirma Proxy Inc. im US-Bundesstaat Arizona eingerichtet worden.

SPIEGEL Online hatte den Beitrag bereits am 1. Januar dementieren lassen, sich entschuldigt und rechtfertigt sich mit einem "nachrichtenarmen Feiertag mit beschränkten Recherchemöglichkeiten", was wohl auch den Verbreitern des Hoax bekannt gewesen sein dürfte.

Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/1356872/modTrackback

mo (Gast) - 3. Jan, 17:40

der bzw. die erschafferInnen des fakes...

...haben anscheinend auch einen ausgeprägten sinn für zynischen historischen humor, zumal das kürzel "bdj" in einem ganz anderen zusammenhang tatsächlich einmal hinter einer solchen (fiktiven) meldung gesteckt haben könnte - zu beginn der 1950er jahre:

http://zoom.mediaweb.at/zoom_4596/brd.html

gladio lässt grüßen.

mfg
mo

guanako - 4. Jan, 00:07

hallo.

hierbei bezog es sich eher auf die juristen, welche der damaligen NSDAP nahestanden und in webarchiven nicht mehr näher bekannt sind. da helfen nur archive weiter, in denen näheres zu diesem verein stehen könnte (vielleicht wollten die initiatoren mit dieser aktion auch auf einen solchen 'verein' erneut aufmerksam machen?).

aber merkwürdig find ich schon, wenn der tagesspiegel berichtet, dass "das Unternehmen in den USA, bei dem die Homepage registriert ist, weitere Auskünfte verweigert", zumal dies einfach eine proxy-geschichte ist. aber man "wird nicht gegen die Behauptung vorgehen" - wollen oder können? :o)

es kann ja natürlich auch nicht im interesse amerikas sein, dass man nun wieder überall ganz hellhörig werden würde, was dieser 'verein' damals alles so im auftrag des kapitals getrieben hatte, während die jüdischen menschen in die KZ wandern mussten - das würde ja nur zusätzlich & unnötig die momentanen deutsch-amerikan. beziehungen belasten...

es könnte aber nicht schaden, in diversen archiven herumzuschnüffeln, oder? ;o)

gruss
guan
Hackmeck - 4. Jan, 03:15

Vor 2006 findet der Dienst LexisNexis, über den ich hier im Uni-Netz Zugang habe, nur zwei Artikel in deutschen Tageszeitungen, in denen ein "Bund Deutscher Juristen" erwähnt wird. Hier Auszüge aus den entsprechenden Artikeln:

1. taz, die tageszeitung vom 13. August 1996
Überschrift: Die etwas andere Sicht von Kathi Seefeld
Seite: 23

[...] Im Dezember des Jahres wird im Zusammenhang mit der Ermordung des 19jaehrigen Unterwachtmeisters Helmut Just die Gaststaette Heidorn, Gleimstrasse 61, geschlossen, in der "groesstenteils asoziale und kriminelle Elemente, unter ihnen auch nachweislich Mitglieder der sogenannten KGU und BDJ (Bund Deutscher Juristen)", verkehrt haben sollen. Im Mai 1957 verlaesst der Hauswirt der Gleimstrasse 41 "illegal den demokratischen Sektor von Berlin".[...]

2. Süddeutsche Zeitung vom 31. August 1991
Überschrift:
"Aufruhr unter der kulturbeflissenen Anwaltschaft"

[...] Wir wissen nicht, was passiert waere, wenn das erste Treffen nach Speyer in der Universitaets-Bibliothek stattgefunden haette . . . Einmal mehr hat hier jedoch der koelsche Karneval nachgeholfen. Wir wollen nur hoffen, dass aus dieser Verbindung, B.D.J., (Anmerk. 6: Nicht zu verwechseln mit dem Bund Deutscher Juristen) noch viele kleine jecke Juristen folgen. Pussel und Markus

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