Sonntag, 1. Januar 2006

Juristenbund macht sich für Folter stark

So lauetete die Überschrift eines Artikels aus SPIEGEL Online, der unter dieser URL bis vor kurzem zu finden war. Per Google News ist noch das zu lesen:

Juristenbund macht sich für Folter stark
Spiegel Online - vor 4 Stunden gefunden
Karlsruhe - "Die Gewinnung von Aussagen mittels leichter Foltermaßnahmen und die Verwertung solcher Aussagen sind zukünftig möglich zu machen", sagte der ...


Wer das sagte ist mit einer anderen Suchabfrage noch nachzuvollziehen:

Juristenbund macht sich für Folter stark
Spiegel Online - vor 4 Stunden gefunden
... leichter Foltermaßnahmen und die Verwertung solcher Aussagen sind zukünftig möglich zu machen", sagte der Vorsitzende des BDJ, Claus Grötz, der auch ...


Also kurz: Claus Grötz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Juristen und Strafrichter am Bundesgerichtshof, hat sich für Folter ausgesprochen. Nun ist der Artikel wenige Stunden nach der Publizierung nicht mehr online. Über den Hintergrund wird heftigt spekuliert:

Ohne Frage ein gewaltiger Skandal, daß ein Mann mit so einer Einstellung zu den Menschenrechten und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bis zum Bundesgerichtshof kommen konnte. Der Verfassungsschutz müßte im Grunde sofort loslaufen und den observieren. Das scheint Herrn Grötz nach der Veröffentlichung des Artikels auch aufgefallen zu sein, und so verschwand der Artikel nach nur einer Stunde vom Spiegel-Server.

Nachtrag: Es handelt sich bei dieser Meldung um einen Fake, siehe Kommentare und hier.

Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/1344917/modTrackback

redblog - 1. Jan, 16:34

mdr

auf der internetseite des mdr steht diese meldung noch immer:

Juristen für Aufhebung des Folterverbots

Der Bund Deutscher Juristen hat eine Abkehr vom Folterverbot gefordert. Vorsitzender Grötz sagte, leichte Foltermaßnahmen müssten erlaubt werden. Das Leben von Opfern besitze einen höheren Wert als die körperliche Integrität von Tätern. Es sei an der Zeit, Tabus zu brechen. Nach deutschem Recht ist jede Form von Folter verboten. Vor allem der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Papier, hatte davor gewarnt, dieses Verbot aufzuweichen. Nach seiner Ansicht dürfen Geständnisse aus Folter nicht verwertet werden. Egal, ob sie im In- oder Ausland gewonnen wurden.

zuletzt aktualisiert: 01. Januar 2006 | 11:50
© MDR INFO
http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/2351782.html

Blogwart (anonym) - 1. Jan, 16:37

Gibt es sogar offiziell

Sogar auf ihrer offiziellen Seite gibt es das zu finden:
http://www.bunddeutscherjuristen.org/aktuell/folterforderung.htm
Was bin ich froh, dass wir solche Bundesrichter haben. Im Kampf gegen den Terror brauchen wir mehr solches Personal!

Leidkultur

Gut dass solchem Pack samt seiner Leidkultur immernoch das Grundgesetz einen Riegel vorschiebt.
ssxp - 1. Jan, 16:49

Ich schätze mal, SPON ist ner Ente aufgesessen. Weder zu dem BDJ und noch zu Claus Grötz finde ich was im Internet, und der Bundesgerichtshof führt auf seiner Webseite ihn nicht als Richter auf.

EDIT: Die Webseite von dem BDJ von oben sieht ach nicht gerade professionell aus. Das wirkt wie ein Fake.

Blogwart (anonym) - 1. Jan, 17:01

Das wäre natürlich sehr schade, die BILD hat sicherlich schon einen "Artikel" verfasst, der den Aussagen Grötz' vollkommen zustimmt und lauthals nach Tabubruch schreit.
Hackmeck - 1. Jan, 17:18

Du hast recht! Google findet nichts zum Bund Deutscher Juristen, eine Whois-Abfrage zeigt, dass die .org-Domain über irgendeine Firma in Scottsdale (Arizona) angemeldet wurde. Sehr seltsam. Und der Text klingt auch schon nach Fake:

Der Bund Deutscher Juristen (BDJ) unterstützt die Folterforderung von Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble.

Das ist natürlich Mindfuck, Schäuble hat nie gefordert zu foltern, sondern sich dafür ausgesprochen, Geheimdienstinformationen, die unter Folter zustande gekommen sind, zu verwerten. Ich gehe von einer Aktion von Foltergegnern aus, die zeigen wollte, wie schnell eine solche Diskussion Dämme bricht, sodass selbst etablierte Medien glauben, sogar ein Bundesrichter könnte solche Aussagen tätigen. Es ist ihnen gelungen, will ich mal sagen.

BTW: Eine Anfrage über LexisNexis ergibt, dass es in den Nachkriegsjahren wohl tatsächlich mal einen BDJ gegeben hat. Es wurden drei Artikel dazu gefunden.
Hackmeck - 1. Jan, 17:56

xerox (anonym) - 2. Jan, 22:03

So aus der Luft gegriffen ist die Forderung gar nicht. Schliesslich fordern sogar namhafte Mitglieder von B90/Die Grünen eine Aufweichung der Grundrechte, angeblich zum besseren Opferschutz (siehe: http://www.gruene-freiheit.de/ )

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