Sonntag, 25. Dezember 2005

Der US-Dollar

Der Traum eines jeden Konsumenten: Man bezahlt seine Einkäufe mit Schecks, die von den Geschäftsleuten niemals eingelöst werden. Man begleicht die Rechnungen mit fantasievollen Papierschnipseln und seiner guten Unterschrift, ohne dass das eigene Konto jemals belastet wird. Eine Geschichte aus dem kapitalistischen Schlaraffenland? Nein und doch ja. Was für den einzelnen unvorstellbar ist, ist seit Jahrzehnten Realität für die US-Nationalökonomie. Sie kauft Waren bei anderen Volkswirtschaften und bezahlt die Importe mit grünen Scheinchen, die von der Federal Reserve nach Belieben nachgedruckt werden.

Quelle: Telepolis

Die USA leisten sich seit Jahren ein jedes Rekorde brechendes Handelsdefizit ohne, dass der Dollar spürbar darunter leidet. Natürlich ist er schwach - aber er ist immer noch stärker als man vermuten würde, wenn man sich den Importüberschuss und das Haushaltsdefizit der USA vor Augen führt.

Heute wird gemeldet, dass der Fed mal wieder 38 Milliarden Dollar drucken lässt. Wie kann all das gut gehen? Das Geheimnis des Selbstbedienungsladens US-Ökonomie ist die Abhängigkeit der Welt vom Dollar. So werden fast alle Ölgeschäfte in Dollar abgewickelt, weshalb alle Industriestaaten, die abhängig von Öl sind, ein Interesse an der Dollarstabilität besitzen. Das weiß die US-Regierung und der Fed und sie nutzen es:

Die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bush-Administration wird vom Rest der Welt finanziert. Zentralbanken und Privatanleger kaufen Dollar-Staatspapiere auf und stopfen damit die Löcher im US-Haushalt und in der Handelsbilanz. Lange haben Europa und Japan diese Rolle wahrgenommen, aber neuerdings ist Washington auch auf die Chinesen angewiesen. Dabei steht man gegenüber Peking vor einem Dilemma: Der Yuan wäre bei Aufgabe der Dollarbindung um etwa 40 Prozent teurer; ein "marktgerechter" Yuankurs würde die Importe aus China verteuern und die US-Handelsbilanz entlasten. Doch Peking beharrt auf einem billigen Yuan, weil man keine Rezession riskieren und die eigenen Dollarguthaben nicht entwerten will. Und die Bush-Regierung weigert sich, ihren Haushalt zu sanieren.

Quelle: Le Monde diplomatique

Auf Dauer wird dies allerdings nicht gut gehen können, wie bereits Jim O’Neill, Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs, im August 2004 im Interview mit der ZEIT warnte:

ZEIT: Was macht Sie so pessimistisch?

O’Neill: Das amerikanische Leistungsbilanzdefizit. Allein die asiatischen Zentralbanken finanzieren dieses Defizit, indem sie sich mit Dollarkäufen gegen eine Aufwertung ihrer eigenen Währung stemmen. Zudem gehen die ausländischen Direktinvestitionen in den USA massiv zurück. Insgesamt hat Amerika eine Finanzierungslücke von gut sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist langfristig nicht durchzuhalten. Irgendwann hören die asiatischen Zentralbanken auf, Dollar zu kaufen. Und dann kennt der Dollar nur eine Richtung – nach unten.


Quelle: Die Zeit

Zumal es Bestrebungen der erdölexportierenden Länder gibt, ihre Ölexporte auf Euro umzustellen. Der Vorstoß des Iraks in diese Richtung wurde jedoch durch die US-Invasion 2003 rückgängig gemacht:

Zahlreiche ölexportierende Länder denken mehr oder weniger ernsthaft darüber nach, ihre Ölexporte in Zukunft statt in US-Dollar in Euro abzurechnen.

Vorreiter dieser Entwicklung war der Irak unter Saddam Hussein. Ende des Jahres 2000 war die Abrechnung der irakischen Ölexporte auf Euro umgestellt worden. Dies wurde nach der Eroberung des Iraks durch die USA wieder rückgängig gemacht.


Quelle: www.freace.de

Doch auch die US-Intervention im Irak kann die langfristigen Pläne der anderen OECD-Länder nicht aufhalten. Als nächstes plant der Iran die Umstellung:

Der schwerste Schlag für den US-Dollar und damit die USA steht allerdings noch bevor. Im kommenden Jahr oder spätestens 2006 soll im Iran eine eigene Börse für den Ölhandel auf Basis des Euro eröffnet werden.

Allein der Handel des iranischen Öls - das auf 10 Prozent der weltweiten Vorräte geschätzt wird - über diese Börse dürfte sie ausreichend interessant machen, so daß weitere Länder ihre Geschäfte dort abwickeln. Hierdurch könnte eine Kettenreaktion ausgelöst werden, die zu einer fast vollständigen Abwendung vom US-Dollar für den Ölhandel führen könnte.


Quelle: www.freace.de

Zum Weiterlesen:
-> Dollarcrash auf Raten und das Moral-Hazard-Dilemma

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Brock Landers - 30. Dez, 01:52

märz.
im märz würde die auch in euro handelnde ölbörse nach meinem kenntnisstand eröffnen.
aber bis dahin wird der krieg gegen den iran begonnen worden sein. [gibt noch weitere, auf märz deutende gründe]
ein schelm, wer böses dabei denkt.
gruß
brock
ps: usrael werden übrigrens nicht siegen ;)

Hackmeck - 4. Jun, 15:41

Noch eine Ergänzung aus der FAZ:


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FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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