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darkrond - 4. Dez, 13:22

pferdefuss

ich bin selbst ein großer fan des bedingungslosen grundeinkommens, wie diese idee in meiner partei genannt wird. allerdings habe ich leider bislang noch keine antwort auf einen miesen pferdefuss der idee gefunden, der unabhängig von steuerfragen auftreten dürfte: das bedingungslose grundeinkommen verschafft einen großen teil der bevölkerung eine gesteigerte kaufkraft. damit wird nachfrage stimuliert. eine steigende nachfrage dürfte allerdings auch für steigende preise sorgen. damit wird eine nominelle besserstellung vieler binnen kurzer zeit durch preissteigerungen wieder aufgefressen. was macht man dagegen?

Hackmeck - 4. Dez, 13:47

In Werners Konzept wird ja die Anbieterseite durch vielfache Maßnahmen ebefalls stimuliert. Der Wegfall jeglicher Steuern außer der Konsumsteuer und der Abbau allerlei Arbeitnehmer-Schutzrechte, die durch das Grundeinkommen unnötig werden, wird ja sicher Investitionen locken. Man könnte ja, wie bereits im Text erwähnt, mit der sozialen Grundsicherung des Grundeinkommens ein wirklich konsequent neoliberales Wirtschaftsprogramm durchziehen, was also auch konsequent "angebotsorientiert" wäre.

Man darf z.B. nicht vergessen, dass das jetztige Steuersystem Leistung und Investitionen durch Besteuerung "bestraft" - also alles, was die Preise senkt, während Konsum - also Verhalten, das die Preise erhöht - mit 16, bald 19% Besteuerung vergleichse günstig davonkommt.

Und letztlich kann das alles natürlich nicht über Nacht geschehen:

"Eine solche schrittweise Umstrukturierung in Steuerwesen und Lohnstruktur wird voraussichtlich zwischen 10 und 20 Jahre dauern und sollte daher möglichst bald begonnen werden."

Quelle: http://www.unternimm-die-zukunft.de/Finanzierung_und_Wirkung.html
darkrond - 4. Dez, 15:43

profit over people

sicherlich lassen sich mit den angebotsorientierten maßnahmen in der ersten zeit durchaus preissenkungen erreichen. aber ich werde das gefühl nicht los, dass werner die profitorientierung der unternehmen dabei zu sehr ausblendet. ich denke zunächst an die liberalisierung des strommarktes. dort wurde mit preissenkungen argumentiert - aber nach kurzer zeit wurden die mehr als wieder ausgeglichen. die schwierigkeit des modells sehe ich darin, dass ein tatsächlich funkionierender wettbewerb in vielen fällen nicht sicher gestellt werden kann, weil die monopolisierungstendenzen nicht in den griff zu bekommen sind. paradebeispiele sind hier benzin und strom. solange aber zentrale wirtschaftsbereiche nicht einem "echten" wettbewerb zugeführt werden können, wird zumindest in diesen bereichen staatliche regulation notwendig sein, was werners konzept stark verwässert.

ein weiteres problem wird mit der mangelnden anreizfunktion angeschnitten. leider ist ja heute oft der ruf nach dem "niedriglohnsektor" zu vernehmen. er wird durch das bedingungslose grundeinkommen konterkariert. wer will denn schon für 900 euronen schaffen, wenn er 1500 haben kann? daraus folgt, dass dieser bereich entweder wegfällt oder teurer wird. bei den importierbaren niedriglohn-produkten fällt er weg, denn das werden logischerweise andere länder übernehmen. bei den nicht-importierbaren wird es zu starken verteuerungen kommen, weil z.b. friseure, sicherheits- oder reinigungsdienste dann einfach mehr verlangen müssen, sonst macht das keiner mehr. damit stehen wir dann aber eben wieder vor dem problem steigender durchschnittlicher preise, welches ich schon angesprochen habe. hm. doof das.
Hackmeck - 4. Dez, 16:21

Die Profitorientierung der Unternehmer ist ja zunächst mal richtig und notwendig.

ich denke zunächst an die liberalisierung des strommarktes.

Das Beispiel habe ich ja als Negativbeispiel einer Privatisierung genannt. Wie bei der Bahn herrscht hier einfach keine Konkurrenz - ein privater Monopolist oder wie im Strommarkt viele private Oligopole sind natürlich noch schädlicher als ein staatlicher Monopolist.

paradebeispiele sind hier benzin und strom. solange aber zentrale wirtschaftsbereiche nicht einem "echten" wettbewerb zugeführt werden können, wird zumindest in diesen bereichen staatliche regulation notwendig sein, was werners konzept stark verwässert.

Nicht so lange diese staatliche Regulation der Wettbewerbssicherung dient. Schon die neoliberale Theorie fordert im Unterschied zum Laissez-faire des klassichen Wirtschaftsliberalismus ein starkes Kartellamt. Auf dem Strom- und Telekommunikationsmarkt können Institutionen wie die Bundesnetzagentur den Wettbewerb verstärken, indem z.B. Höchstpreise für Durchleitungsgebühren festgelegt werden.

ein weiteres problem wird mit der mangelnden anreizfunktion angeschnitten. leider ist ja heute oft der ruf nach dem "niedriglohnsektor" zu vernehmen. er wird durch das bedingungslose grundeinkommen konterkariert. wer will denn schon für 900 euronen schaffen, wenn er 1500 haben kann?

Das bedingungslose Grundeinkommen bekommt jeder. Ein 900-Euro-Job wäre also ein schöner Anreiz statt 1500 EUR 2400 EUR zu verdienen - wobei der Zusatzverdienst völlig steuerfrei wäre und nicht auf das Grundeinkommen angerechnet würde. Gerade jetzt haben wir ja eher das Problem fehlgeleiteter Anreize, wenn zusätzliches Einkommen auf Sozialleistungen angerechnet wird, was jede Selbstinitiative im Kern behindert.

bei den importierbaren niedriglohn-produkten fällt er weg, denn das werden logischerweise andere länder übernehmen.

Inländische Waren würden zunächst mal gegenüber importierten sehr viel billiger werden:

Die billigen Textilien aus China oder Rumänien kommen doch nur so billig hier an, weil sie nur mit einer Mehrwertsteuer von 16 Prozent belastet sind. In jedem Produkt stecken Infrastrukturkosten. Aber die Infrastruktur in Deutschland ist natürlich teurer als die in China. Anders herum würden die deutschen Exporte extrem attraktiv, weil sie von Steuern völlig unbelastet wären. Außerdem würden die Arbeitskosten extrem sinken, weil ja das Bürgergeld auf die Einkommen angerechnet würde.

Quelle: http://fuckup.homeunix.net/index.php?Interview%20mit%20Goetz%20Werner%20-%20Stuttgarter%20Zeitung

bei den nicht-importierbaren wird es zu starken verteuerungen kommen, weil z.b. friseure, sicherheits- oder reinigungsdienste dann einfach mehr verlangen müssen, sonst macht das keiner mehr. damit stehen wir dann aber eben wieder vor dem problem steigender durchschnittlicher preise, welches ich schon angesprochen habe. hm. doof das.

Und die langweiligen, die unangenehmen Jobs?

Die müssten dann eben höher entlohnt werden, wenn wir sie benötigen. Natürlich wird es dann zukünftig Berufe und auch Unternehmen geben, denen es schwer fallen wird, Menschen zu finden. Warum? Weil ja die Menschen dann nicht mehr arbeiten werden, weil sie müssen, sondern weil sie in ihrer Arbeit eine Sinnerfüllung erleben. Und auch, weil es ihnen Spaß macht.


Quelle: http://fuckup.homeunix.net/index.php?Interview%20mit%20Goetz%20Werner%20-%20Stuttgarter%20Zeitung

Klar, Putzfrauen könnten teurer werden. Aber wer etwas benötigt, was eine menschliche Arbeit erfordert, die keineswegs angenehm ist, muss dann eben entsprechend dafür zahlen. Die Unternehmen wird es antreiben möglichst schnell Putzrobotor weiterzuentwickeln ...
florian hoffmann (Gast) - 12. Jan, 09:45

steigende preise?

Das mit der steigenden Kaufkraft stimmt so nicht. Es wird ja durch das bedingungslose Grundeinkommen primär kein zusätzliches Einkommen geschaffen, sondern es werden die Einkommen nur anders verteilt, der Geldfluss nur anders gelenkt. Es kommt also insgesamt nur zur Nachfrage-Verschiebung nicht -Erhöhung. Allerdings ist zu erwarten, dass sich die Aktivitäten (und damit die Einkommen) insgesamt erhöhen, dem steht dann aber eben auch ein erhöhtes Angebot gegenüber.

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