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Mittwoch, 16. November 2005

Blogkulturdiskussion: Informationsmonopol und Perspektivenvielfalt

Heute startet in den USA das Projekt Open Source Media, wie die Netzeitung beispielsweise berichtet. OSM soll Blogger und klassische Journalisten zusammenbringen.

Das Sturmgeschütz der deutschen Blogosphäre, IT & W, nimmt dies zum Anlass ein weiteres Mal den klassischen Medien den Kampf anzusagen:

Es bleibt noch vieles unklar bei OSM, und die Gründer kommen aus der konservativen Ecke - egal, oder deswegen um so mehr: ruhet weiter in Unfrieden, SpOn, und ihr anderen untergehenden Informationsmonopolisten…

Die Frage, die sich mir allerdings stellt: Fällt das Informationsmonpol wirklich selbst dann, wenn sich die Blogosphäre als akzeptierte Ergänzung zum klassischen Journalismus etabliert? Blogs beziehen ihre Informationen, wenn es nicht um das persönliche Umfeld geht, also bei allen gesamtgesellschaftlich relevanten Nachrichten, aus den klassischen Medien. Die wiederum beziehen ihre Informationen von Nachrichtenagenturen. Das Problem ist meiner Meinung nach weniger ein Problem des Informationsmonopols. Die Menge an Informationen ist schier unüberschaubar - im Netz aber auch außerhalb davon. Es geht vielmehr um ein Gatekeeper-Monopol der etablierten Medien. Wenige Leitmedien, worunter in Deutschland klassischerweise vor allem Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine und Frankfurter Rundschaugezählt werden - ich würde aber etwas pessimistischer von SPIEGEL und Bild ausgehen - setzen die Themen. Ob eine Nachricht irgendwo existiert, ist irrelevant - wichtig ist die Frage, ob sie auch rezipiert wird. Die Gatekeepermonopolisten der Vergangenheit waren leichte Opfer für Lobbyisten aller Art. Die INSM und andere haben es innerhalb weniger Jahre geschafft fast die gesamte klassische Medienlandschaft in einen neoliberalen Mainstream zu verwandeln. Der Kostendruck ist hoch, sendefertige Beiträge willkommen.

Die Blogosphäre mindert den Einfluss der Gatekeeper-Monopolisten. Hobby-Journalisten stehen nicht unter Kosten- und Effizinzdruck. Man kann sich spezialisieren, muss nicht jede Nachricht bringen. Dem unkritischen neoliberalen Mainstream der klassischen Medien wird in vielen relevanten Blogs widersprochen. Die Blogosphäre erweitert den Blick auf Nachrichten, die Perspektiven. Der Inhalt der Nachrichten wird aus anderen Sichtweisen aufbereitet, die genau so subjektiv sind wie die Sichtweisen der klassischen Medien. Aber die Subjektivität wird deutlicher, durch die Vielzahl von Perspektiven. Außerdem werden auch Nachrichten schwerpunktmäßig behandelt, die in den klassichen Medien wenig Beachtung finden.

Als einen Blog, der Nachrichten, vor allem auch aus dem angelsächsischen Raum bringt, die in unseren klassischen Medien oft nicht oder nur unter ferner liefen auftauchen, kann ich übrigens Fefe's Blog empfehlen.

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