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Freitag, 7. Oktober 2005

Dilemma-Situationen des alltäglichen Lebens

... oder die Toilette als Franchiseunternehmen

Recht berühmt ist die die Anfangsszene von Reservoir Dogs in der über die Bedeutung des Madonna-Songs "Like A Virgin" diskutiert wird. In gleicher Runde wird aber noch eine andere Frage erörtert: Der Sinn und Unsinn des Trinkgelds. Ich finde den Standpunkt des Trinkgeld-Gegners gar nicht so dumm und ganz ähnlich geht es mir jedes Mal, wenn ich eine Toilette besuche, für dessen Benutzung Geld verlangt wird. Sollte ich, wenn ich 5 EUR für ein Menü bei Burger King oder Unsummen in einem Club wie dem Düsseldorfer "Sub" ausgebe, nicht davon ausgehen können, dass ich dafür wenigstens gratis auf die Toilette gehen darf? Sollte ich nicht davon ausgehen können, dass der unglaubliche Umsatz, den diese Läden machen, dazu reicht Putzfrauen/männer (neudeutsch: Raumpfleger/in) einzustellen und hoch genug zu vergüten? Ich sollte. Aber anderseits weiß ich auch, dass diese Ausbeuter genau das einfach nicht tun, sondern selbst noch die Toilette als Franchiseunternehmen sehen und sich gratis putzen lassen. Zahlen soll der Benutzer - und inzwischen sehe ich immer öfter 50-Cent-Münzen auf den berüchtigten Tellern der Putzhilfen, wo früher normalerweise 20-Cent-Stücke lagen. Wer hätte noch früher eine Mark gegeben?

Eine besonders perfide und neue Idee ist das Anreichen von Papierhandtüchern, nachdem man sich die Hände gewaschen hat. So muss man denen ja in die Augen sehen und wagt es gar nicht mehr, nichts zu geben. Soll man dieses System unterstützen? Wenn niemand mehr etwas geben würde, würde es nicht funktionieren. Die Putzhilfen würden einen ordentlichen Lohn verlangen oder aber gehen. Anderseits wird es natürlich immer genug Leute geben, die zahlen - und so wird sich das System wohl bis in alle Ewigkeit tragen.

Klar, es sind nur 20 Cent (soviel gebe ich zumindest, wenn ich was gebe) - aber es geht mir hier einfach um's vielbeschworene Prinzip.

Nachtrag:

Der gesamte "Tip-Dialog" und alle anderen Dialoge aus Reservoir Dogs können hier auf englisch nachgelesen werden:

http://corky.net/scripts/rdogs.html

Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/1038081/modTrackback

Thot - 7. Okt, 13:13

Das Perfide ist, wie man's auch handhabt, es ist falsch.

Auch das Tablett wegbringen bei den Burgerbrätern ist so eine Sache. Man nutzt den Ordnungssinn der Leute um Arbeitskräfte einzusparen. Klappt hier in der Gegend recht gut. Da bleiben selten Tabletts auf dem Tisch.

Hackmeck - 7. Okt, 13:18

Ack! Die Sache mit dem Tablett wegräumen ist genau gleich gelagert. Ist man ein Arbeitsplatzvernichter, wenn's man's tut? Halst man den unterbezahlten und überarbeiteten Fastfood-Mitarbeitern noch mehr Arbeit auf, wenn man's nicht tut?
sven (Gast) - 8. Okt, 22:55

eure sorgen

möcht' ich haben. wenn ihr ein problem mit der 'trinkgeldgebung' habt, dann ist euer eigentliches problem doch eher: "was denkt der/die, wenn ich jetzt nichts gebe, der/die denkt doch, dass ich ein geiziges <schimpfworteurerwahl> bin". so. und was wenn ihr in irgendeiner dieser kapitalistisch geschmacksvertärkten junk-food-ketten (die ich, wie ich leider gestehen muss, auch gelegentlich besuche) vor der schwierigen frage steht, "wegräumen oder nicht?". hey, ich bezahl da drin so viel geld, da könne die den kram ruhig selbst wegräumen. tststs, wenn zu mir jemand zum essen kommt, verlange ich weder geld, noch dass für ordnung gesorgt wird. und wenn, dann würde ich mich schon bemerkbar machen. ok, ich verdiene auch nicht mein geld damit, zugegeben..

lange rede, kurzer sinn: arschlochsein und drüberstehen. oder weniger drastisch ausgedrückt: confidence!

eine anmerkung am rande: ich denke nicht, dass sich die trinkgeldsituation in amerika mit der hiesigen vergleichen lässt.

Hackmeck - 10. Okt, 15:45

eine anmerkung am rande: ich denke nicht, dass sich die trinkgeldsituation in amerika mit der hiesigen vergleichen lässt.

Richtig - und das ist auch gut so!

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FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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