Sonntag, 18. Februar 2007

Umweltschutz muss sexy werden

Die Avantgarde fuhr Hochgeschwindigkeitszüge, saß auf Plastiksesseln und flog Concorde; die Ökos klammerten sich erbittert an die Standspur und predigten ein vorindustrielles Rückzugsidyll: Weniger Auto fahren! Weniger heizen! Weniger moderne Panoramaglasfenster, mehr dicke Wände! Ökologie war harte Arbeit, Zivilisation im Rückwärtsgang. Mit Spaß und expansiver Zukunftsfreude hatte das nichts zu tun: Im „Nullenergiehaus“ las man in dunkelgraues Recyclingpapier hineingedruckte Traktate über „Entschleunigung“ und aß selbstgeschrotete Slow-Food-Brötchen, die so flach und hart waren, dass der Schlachtruf „weniger!“ bald auch für die Zähne wahr wurde.
Quelle: FAZ.NET

Und genau das ist meiner Meinung nach das größte Problem der Ökologiebewegung. Warum sich technik- und fortschrittsfeindlich geben, wenn Technik und Fortschritt das einzige sind, das unseren Planeten noch retten kann? Warum ist das ökologische Ideal ein wohl kaum massentaugliches einsiedeln auf dem Bauernhof im selbstgestrickten Wollpulli und nicht eine neue Ästhetik des Solarzeitalters?

Um Umweltschutz massentauglich zu machen, muss er chic werden. Bio-Produkte haben es geschafft, gelten als modern, zeitgemäß und gesund. In anderen Bereichen sieht's schlechter aus: Das Design von Autos wird noch immer von der Sportwagenästhetik der 1970er dominiert: breit, flach und dicke Reifen. Diese Ästhetik ist ein reines Konstrukt - bein Rennrädern beispielsweise assoziieren wir dünne Reifen und Leichtbautechnik mit Geschwindigkeit und Dynamik.

Hollywood macht es jedenfalls schon seit letztem Jahr vor und versucht dem Umweltschutz Glamour zu verleihen. Die Vaterlandsverräter aus Kalifoniern fahren inzwischen nicht selten mit japanischen Hybrid-Autos statt mit amerikanischen Stretch-Limousinen vor:

Das Hybridauto ist für die Nullerjahre, was der Hippielook für die späten Sechziger war: Erkennungsmerkmal einer Bewegung und ein Aufruf zum Politikwandel.

Trackback URL:
http://fuckup.twoday.net/stories/3335131/modTrackback

daoh (Gast) - 19. Feb, 23:59

Ich hab keine Ahnung, ob das ein typischer FAZ-Artikel ist, aber dieser Maak schwingt sich da nach einem Vorababklatsch aller irgendwie erreichbaren Vorurteile aus einem Zeitraum von über 40 Jahren (zum journalistischen Berichterstatter einer neuen heilsbringenden ästhetischen Ökobewegung auf, übrigens in ähnlicher Manier in relativ kurzer Zeit zum zweiten Mal http://www.solarworld.de/presse-2006/index.php?seite=../presse-2006/pressestimme-12-002

Dass Maak dieser Ästhetisierung, der du in meinen Augen auch aufgesessen bist, den Vorzug gibt, liegt wohl daran, dass er Kunstkritiker ist.
Als Glosse würde ich das ja durchgehen lassen und schmunzeln oder soll das eine sein?
Wer aber ein Hybridauto mit Hippielook vergleicht, .... also Vorzeigeschauspieler, die sich als Trendsetter verstehen und damit Geld verdienen, mit einer gegenkulturellen Jugendbewegung, greift voll daneben.

Maak spricht auch von einer modernen Architekturästhetik infolge der Erfindung des Stahlbetons, wenn die Ästhetik des Solarzeitalters auch so wird, na dann lieber nicht.
Von Nullenergiehäusern hat er wahrscheinlich auch keine Ahnung, die gibt's in neu und bereits gebaute Häuser könnte man umrüsten, allerdings ist das z.Z. noch erheblich zu teuer.
Das mit dem Umrüsten hat bei den Autos ja auch mal Greenpeace mit dem Twingo vorexerziert, da brannte die erde aber noch nicht so wie heute. Das wäre ein massentaugliches Auto gewesen. Es hat noch weniger verbraucht als der Prius.

Was hat eigentlich der Kauf von Lebensmitteln mit chic zu tun? Wer da Öko-Ware kauft, will wohl eher weniger Schadstoffe und mehr Inhalt haben. Hier gilt im Übrigen je mehr öko, desto weniger ästhetisch.

vor maak zum thema mit einigen weiteren interessanten aspekten
http://www.taz.de/pt/2006/04/19/a0113.1/text.ges,1
https://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,446416,00.html

btw ist der auch nicht immer ganz koscher, aber wer ist das schon?
http://www.netzeitung.de/medien/285433.html

Heiko (Gast) - 23. Feb, 00:18

Rettet den Eisbären

Das Kyoto-Protokoll nicht ratifizieren aber den Eisbären retten wollen, Glühbirnen gegen normal Birnen auswechseln, Hybridauto fahren...

Nun ja, irgendwie will man uns den Klimawandel so angenehm wie möglich machen und bei vielen Journalisten sprechen versteckte Wünsche anstatt der Bezug zur Realität.
Wir müssen uns einschränken... Da wird kein Weg dran vorbeiführen. Wer das nicht kapiert hat nichts kapiert. So wird wahrscheinlich aber die Menschheit aus lauter Bequemlichkeit vor die Hunde gehen, anstatt auch nur ernsthaft selbstkritisch ihr Handeln hinterfragen.

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FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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