Samstag, 3. Juni 2006

Kurzes Gastpiel bei den Adressdatensammlern

"TT-Promotion" in Düsseldorf

Als Student hat man immer Interesse etwas nebenherzuverdienen. Deshalb war ich hocherfreut als ich eines Tages eine Werbung in meinem Briefkasten vorfand, die 8 Euro die Stunde für "Promotion" versprach. Eine Adresse der angeblichern Firma Namens "TT-Promation" fehlte ebenso wie eine Website - nur eine E-Mail-Adresse bei T-Online war angegeben. Ich hab's trotzdem gewagt, da ich einen Zuverdienst zum BAföG momentan sehr gut gebrauchen könnte. Zwei Freunde hatten auch Interesse und so haben wir uns gestern und vorgestern einweisen lassen, heute den Job vor allem aus ethischen Gründen wieder geschmissen.

Ich will jetzt nicht die gesamte Story erzählen, sondern nur kurz über die Methoden der Adressdatensammler Auskunft geben. Geworben wurde mit einem VW Beetle, den es angeblich zu gewinnen gäbe. Das Geburtsdatum sei dabei die Losnummer, bei Dopplungen entscheide das Los. Wichtig ist den Adressdatensammlern vor allem das korrekte Alter (wegen Zielgruppenbestimmung) und die gültige Telefonnummer. Den für uns zuständen Subunternehmer, der wiederum ein Scheingewerbe (dazu später mehr) im Auftrag eines anderen führte, versicherte uns stets die Leute würden nur einmal angerufen werden, das ganze laufe direkt über VW und es sei eine Promotion für den VW Beetle. Die Karten gingen jedoch an eine Marketingfirma Namens "Alta" in Berlin, obwohl auch den Leuten immer wieder gesagt wurde, es handle sich um eine Aktion von VW. Gezahlt wurde nicht wirklich 8 Euro die Stunde, sondern 8 Euro pro 20 Karten, was sich nicht viel anhört aber nur schwer zu erreichen ist - viele Leute kennen inzwischen die Methoden der Adressdatensammler. Davon wiederum gelten auch nur sog. "Netto-Karten", das sind Karten, die komplett ausgefüllt wurden (vor allem mit Geburtsdatum und Telefonnummer) und in denen ein Satz, der sinngemäß lautet "Hiermit verkaufe ich meine Seele, macht mit meinen Daten, was ihr wollt" nicht durchgestrichen wurde. Alle anderen Karten werden sofort aussortiert und nehmen so auch nicht am angeblichen Gewinnspiel teil (ob es das wirklich gibt, weiß ich nicht).

Um Steuern und Abgaben zu sparen, muss man selbst erst für 25 EUR (in Düsseldorf) ein Gewerbe anmelden, also in die nicht legale Scheinselbständigkeit treten. Außerdem wird man angewiesen, auch Leute auf der Straße anzuquatschen, obwohl dies eine Genehmigung des Ordnungsamts bedürfte, die aus Kostengründen nicht eingeholt wird. Erwischt einen das Ordnungsamt bei dieser Ordnungswidrigkeit, droht einem als scheinselbständiger Unternehmer die volle Höhe des Bußgeldes. Als Arbeitszeit wird wie gesagt nur die Zeit abgerechnet, in der mindestens 20 Nettokarten pro Stunde mit vollständigem Datensatz erfasst wurden. De facto sind viele der eingesammelten Karten Bruttokarten. Die Zeit, die man benötigt, um das Kürzel einzutragen wird nicht vergütet. Geld wird nur gezahlt, wenn ein Scheingewerbe angemeldet wird (so weit ist es bei uns natürlich nicht gekommn). Wer länger dort arbeitet, wird pro Karte bezahlt - ein Datensatz wird dann mit 40 Cent vergütet. Der für uns zuständige scheinselbständige Subunternehmer bekam aber schätzungsweise ein Euro pro Datensatz.

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bed (Gast) - 4. Jun, 19:31

Genau

Die Adresssammelwut wird immer dreister. War richtig, das ihr davon Abstand genommen habt, wenn ihr nach vier Wochen mal nachgerechnet hättet, dan wäre warscheinlich ein Schnitt von 3.- € rausgekommen :)
Mein Sohn arbeit nebenbei als Mietwagenfahre für 4.10 €.
Frechheit, sowas. Aber wenigstens kann er sitzen und muss kein (Schein)Gewerbe anmelden.
Das schlimme ist, alle Firmen stellen sich hin und behaupten, "Ohh, so machen die das? Das haben wir nicht gewusst, wir werden der Sache nachgehen."
Bei Drückerkolonnen läuft es ja ähnlich.
Bei uns war vor Kurzem so eine Regionalmesse, Harz& Heide nennt die sich. Dort war ein Auto Stand, dort haben sie ein Wochenende mit so'n Flitzer verlost, also nix mit Autogewinn, ich habe angefangen, so eine Karte auszufüllen und dann ganz schnell wieder zerriessen als mir gewahr wurde, was die alles über einen wissen wollen. Fehlt eine Angabe, enthalten sie dir den Gewinn sowieso vor, steht da sinngemäß.

messor (Gast) - 4. Jun, 21:43

Richtig so!

,daß ihr dort auch wieder ausgestiegen seid.
Die Leute die dort arbeiten interessiert das nicht?
Immer wieder ein Rätsel für mich...
Schön ist es auch das Schauspiel am Hamburger Hauptbahnhof zu beobachten; jeden Tag steht dort ein schickes Auto, und man muss nur eine Karte mit allen Daten persönlichen Daten (naja, zumindest einer Menge) ausfüllen und dann durch das provozierend leicht geöffnete Fenster einwerfen und: Good Bye Privacy! Good Bye
Fight!

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