Montag, 9. Januar 2006

Der Wert der Arbeit - Arbeit, Arbeit über alles?

Arbeit ist kein beliebig vermehrbares Gut. Die Menge der sinnvollen Arbeit ist begrenzt, die Produktivität der geleisteten Arbeit steigt. Immer mehr unserer Wertschöpfung wird nicht über menschliche, sondern maschinelle und computerisierte - kurz automatisierte Arbeit - geleistet. Trotzdem hält man von FDP ("Vorfahr für Arbeit") bis Linkspartei ("Arbeit soll das Land regieren") am Konzept der Erwerbsarbeit weitgehend fest. Auch die Kirche beton den besonderen Wert der Arbeit über ökonomische Dimensionen hinaus:

Auch der Limburger Bischof Franz Kamphaus hat bei seiner Ansprache auf dem Neujahrsempfang des Frankfurter Gewerkschaftsbundes am Samstag von der Bedeutung der Arbeit gesprochen, aber vorrangig etwas anderes gemeint. Kamphaus sprach vom Vorrang der Arbeit vor Sozialleistung.

Es ist gut, daß er das tat. Denn bei allen Diskussionen um Hartz IV, um Kombi-Löhne, um steigende Aktienkurse, wenn wieder einmal Entlassungen verkündet werden, ist es wichtig, daran zu erinnern, daß Arbeit jenseits des rein Ökonomischen einen Wert in sich darstellt, Anerkennung und Freude verschafft, Teilhabe ermöglicht und Augenblicke der Erfüllung erlaubt. Der Bischof hat das so ausgedrückt: "Aus ethischer Sicht fällt besonders ins Gewicht, daß die Teilnahme am Erwerbsleben nicht nur für den Lebensunterhalt entscheidend ist, sondern auch für die Wertschätzung und die Entfaltung der Person in Gesellschaft und Kultur."


Quelle: FAZ.NET

Die Vorstellung jedoch, dass der Mensch sich vor allem in Erwerbsarbeit verwirklichen kann und soll ist recht jung, wie z.B. Klaus-Michael Kodalle feststellt:

In der Antike und noch im Mittelalter wurde Arbeit keineswegs als sinnstiftend, sondern eher als notwendiges Übel betrachtet. Das Mittel zur Selbstverwirklichung hieß Müßiggang. Unser heutiges Verständnis von Arbeit ist also noch sehr jung, und nun wird es radikal in Frage gestellt, da immer leistungsfähigere Maschinen uns zunehmend vom Joch der Arbeit befreien. [...] Viele Menschen müssen lernen, ihre zunehmende Freizeit wieder kreativ zu gestalten und sich nicht auf die Anerkennung in der bezahlten Erwerbsarbeit zu fixieren.

Mittelfristig müssen wir uns wohl damit abfinden, dass Vollbeschäftigung und die Organisation und Verteilung von Gütern über klassiche Erwerbsarbeit nur eine kurze Periode der Menschheitsgeschichte darstellte. Wir sind gerade dabei sie zu verlassen. Arbeit ist sicher ein geeignet Mittel sich selbst zu verwirklichen und sich als wertvolles Mitglied einer Gemeinschaft zu fühlen. Dabei müssen wir aber darauf achten, dass unser gesellschaftliches Klima sich dahingehend verändert, nicht nur klassiche Erwerbsarbeit als sinnvolle Arbeit anzuerkennen. Kreative Arbeit und soziales Engagement ohne direkte Vergütung sind nahezu immer möglich. Es wird Zeit auch diese Formen der Arbeit endlich gesellschaftlich anzuerkennen. Ökonomisch ist die "Krise der Erwerbsarbeit" wohl vor allem durch ein bedingungsloses Grundeinkommen überwindbar. Aber das ist vielleicht das kleinere Problem.

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Blogwart (Gast) - 9. Jan, 20:27

Arbeit ist Scheiße™

Ich halte es da mit dem Schily-Prinzip: Wer die Erwerbsarbeit liebt, kann sie haben.

"Aus ethischer Sicht fällt besonders ins Gewicht, daß die Teilnahme am Erwerbsleben nicht nur für den Lebensunterhalt entscheidend ist, sondern auch für die Wertschätzung und die Entfaltung der Person in Gesellschaft und Kultur."
Was der Bischof da sagt, ist IMHO gerade kein Argument für den ach so tollen Wert der Arbeit, wie man das immer wieder eingetrichtert bekommt, sondern gerade Ausdruck der perversen Dimensionen, die die Arbeit eingenommen hat. Das geht ja so weit, dass manche Menschen sich einfach nicht vorstellen können, wie sie ihre Zeit verbringen sollten, wenn sie keine Arbeit hätten. Sowas ist mir ein Rätsel.

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