Ehe und Evolution

Was denkt eine Frau nach zwanzig Jahren Ehe morgens vor dem Spiegel? – Das hat er verdient!

Die Ehe - von der christlichen Moral ersonnen, ein Sakrament der Kirche, ein von Männern dominiertes Bollwerk gegen die Emanzipation der Frau. So sahen es viele Feministen. Doch evolutionär betrachtet, kann man in der Ehe als moralisches Gebot eigentlich nur den größten je von Frauen erreichten Erfolg betrachten. Es gibt in der Evolution zwei verschiedene Strategien für Nachkommen und die Erhaltung der Art zu sorgen: die eine ist es, möglichst viel Nachwuchs in die Welt zu setzen, von dem dann ein kleiner Teil überlebt. Die andere Strategie ist die Zeugung von wenig Nachwuchs, der dann aber um so besser versorgt wird und dessen Überleben so mit hoher Wahrscheinlichkeit gesichert ist.

Welche Männer haben sich evolutionär durchgesetzt? Natürlich solche, die ihren Samen möglichst breit gestreut haben. Wer sich also als Mann durch die Steinzeit gepoppt hat, sorgte am effektivsten dafür, dass seine Gene in weiteren Generationen fortbestehen - ergo wird diese Verhaltensweise evolutionär begünstigt werden. Ganz anders die Kosten-Nutzen-Rechnung der Frauen: Ist sie schwanger, ist sie für Monate auf Hilfe angewiesen. Danach gebährt sie die Kinder und muss sie versorgen. Die Last einer sexuellen Vereinigung ist ungleich größer: Die Entbehrungen lohnen sich evolutionär nur dann, wenn sie ihre Gene in die nächste Generation vererbt. Dazu benötigt es die Pflege der Kinder. Diese evolutionäre Strategie basiert auf Monogamie, Treue und eine Partnerschaft, die das gesamte gebährfähige Alter hindurch hält. Eine Frau der Steinzeit, die, ohne sich um den Nachwuchs zu kümmern nur der sexuellen Lust hingäbe, hätte wenig Chancen, dass sich ihre Gene vererben - die gezeugten Kinder würden sterben. Unterbewusst scheint selbst heute dieses Prinzip noch anerkannt. Abseits aller zivilisatorischen vom Christentum geprägter Moral gilt immer noch der Mann, der mit vielen Frauen ins Bett geht als "toller Hengst", während eine Frau mit der gleichen Verhaltensweise als "Flittchen" bezeichnet wird.

Die Ehe nun hat die Monogamie und die lebenslange Partnerschaft im gesellschaftlichen Bewusstsein tief verankert. Untreue, auch wenn evolutionär von Vorteil für die Männer, gilt als unmoralisch. Auch in kulturell und religiös anders geprägten Erdteilen, hat sich irgendeine Form von Ehe, in der ein Mann der Familie gegenüber verantworlich ist und an sie gebunden, als moralisch richtig durchgesetzt. Ein Sieg des weiblichen evolutionären Prinzips über das Männliche? Es hat sich in der Vergangenheit wohl als das erfolgreichere evolutionäre Prinzip für Menschen erwiesen. Menschen sind komplexe Lebewesen, einen Großteil ihrer Fähigkeiten erwerben sie erst außerhalb des Mutterleibs. Ohne Schutz und Versorgung bei der Geburt, sind sie nicht überlebensfähig. Hat sich hier also die evolutionär sinnvollste Strategie eine kulturell-gesellschaftliche durch religiöse Moral gefestigte Grundlage "gesucht"? Karl Marx sah in Religion und Moral nur den "kulturellen Überbau" für eine Ökonomie. Er beschrieb wie sich Kultur und Moral in jeder Phase der Menschheitsgeschichte durch die ökonomische Basis verändert hat: die geltenden Moralvorstellungen passten sich der jeweils vorhandenen ökonomischen Entwicklung an. In der Feudalherrschaft galt noch das königliche Machtprinzip als gottgegebeben, mit der ökonomischen Erstarkung des Bürgertums wurde das Leistungsprinzip erfunden und moralisch propagiert. Aber basieren nicht die Regeln der Ökonomie und die Aufteilung der Machtverhältnisse auf viel grundsätzlicheren, älteren Prinzipien der Menschheit und aller Lebewesen, der Evolution? Ist es nicht vielleicht die Evolution, die einen kulturell-moralischen Überbau für das erfolgreichste derzeitige Fortpflanzungsprinzip kreiert?

Die heutige Entwicklung würde dafür sprechen. Im Zuge der Industrialisierung, der Massenproduktion und des Sozialstaats ist eine Ehe nicht mehr dringend vonnöten, um den Nachwuchs großzuziehen. Instiutionelle Einrichtungen wie Kindergärten, Kitas und ein stark vergrößerter Wohlstand, zivilrechtliche Regelungen wie die Alimentierung eigener Kinder auch bei Untreue - all dies führt zu einer immer kleiner werdenden Bedeutung für die Ehe als Ort der Kindererziehung und versorgung. Im gleichen Maße wie die Ehe als evolutionäres Prinzip an Bedeutung verlor, schwand auch - langsam, mit Ausschlägen und Rückschlägen - die moralische Basis der Ehe. Heute wird die Ehe von einem Großteil der Gesellschaft nicht mehr als Sakrament wahrgenommen, der Einfluss des Christentums ist stark geschwächt und auch Promiskuität wird von vielen nicht mehr an sich als unmoralisch betrachtet.

Nachtrag vom 14. November 2005:

Danke an "Z.", der mich per Mail auf den doch recht entscheidenden Unterschied zwischen Sakrament und Sakrileg hinwies. ;) Ich habe das mal korrigiert.

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