Gabor Steingart
Um Gabor Steingart, seit 2001 Leiter des Hauptstadtbüros des Spiegels und damit derjenige, der die politische Richtung des Blattes entscheidend mitbestimmt, gab es vor einiger Zeit eine heftige Kontroverse. Vom "Sturmgeschütz der Demokratie zur Spritzpsitole der Angela Merkel" habe sich das alterwürdige Blatt unter seiner Politk-Ressortleitung gewandelt, kritisierte beispielsweise Hans Leyendecker. Steingart war einer, an dem sich die gesamte deutsche Linke mit Freude rieb. Zu perfekt passte sein großkotzig-weltmännisches Auftreten zur politischen Einstellung, sein von Bild bis Spiegel beworbener Bestseller "Deutschland. Der Abstieg eines Superstars" war so etwas wie die Bibel der neoliberalen Reformer, die sich regelmäßig bei Christiansen treffen, um dem Volk "bittere Wahrheiten" zu verkünden, die meisten darin bestanden, dass man die Steuern für Vielverdiener auf Kosten sozialer Leistungen kürzen müsse.
Doch der neoliberale Zeitgeist ist im Niedergang begriffen und so hat auch Steingart offenbar umgesattelt. Sein neues Buch entspricht der neuen apokalyptischen Angst vor Globalisierung und sozialer Verelendung. Der Titel: "Weltkrieg um Wohlstand. Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden". Darin geht es u.a. um die Aufholjagd der Chinesen am Weltmarkt mit brutalen Mitteln. Die Bild widmete der Buch-PR eine Schlagzeile, der Spiegel sogar eine ganze Titelstory. Und Steingart schreibt fleißig im Wirtschaftsressort, wobei in fast jedem seiner Artikel auf das Buch verwiesen wird. Crossmarketing nennt man das. Fokus seiner Beiträge ist nun, ganz im Gegensatz zu den Reformbeschwörungen zuvor, die Schattenseiten der Globalisierung, schließlich geht es darum ja auch in dem Buch.

SPIEGEL macht Werbung für Steingarts Buch - auf der Titelseite
Und so schreibt Gabor beispielsweise über die Schattenseiten des chinesischen Kapitalismus, den Wahnsinn der US-Währungspolitik über den ich auch schon mal etwas geschrieben habe und die politischen Gefahren, die mit der Verarmung großer Bevölkerungsteile verbunden ist. Auch sonst lässt er offenbar wieder linkere Beiträge wie über die US-amerikanische 1-Prozent-Gesellschaft zu. Entweder hat Steingart seine politische Einstellung also geändert oder er verfolgt immer gerade die politische Linie, mit der sich gerade Bücher am besten verkaufen lassen. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.
Eine Art BILDblog für den Spiegel und insbesondere Spiegel Online ist übrigens spiegelkritik.de.
HR2 beschäftigt sich in dem Podcast "Die Kampagnieros - Wie Mediendebatten inszeniert werden" (MP3) mit dem Thema inszinierter Mediendebatten, die Berliner Zeitung hat eine schöne Kritik zu Steingarts Buch. (Danke, maloXP)
Update:
Steingart faselt jetzt was von einem "Abwehrbündnis" gegen die gelbe Gefahr. Zitat:
Im Weltkrieg um Wohlstand kämpfen die Angreiferstaaten Asiens mit brutalen Methoden: Sie ertragen im Land bittere Armut und verursachen gigantische Umweltzerstörung. Ihr Aufstieg ist unser Abstieg - es sei denn, der Westen überwindet seine Angst und schmiedet ein Abwehrbündnis.
Nach 1945 entstand die Nato als westliches Verteidigungsbündnis. Ihre Kampfverbände bereiten keinen Angriffskrieg vor, gleichwohl müssen sie das Undenkbare denken und planen - und dann und wann sogar mit Einsatz drohen.
Der Mann muss dringend seine Pillen nehmen. Sollte er vielleicht doch wieder über den "Reformstau" schreiben, das ist weniger gefährlich.
(via disturbed reality)
Doch der neoliberale Zeitgeist ist im Niedergang begriffen und so hat auch Steingart offenbar umgesattelt. Sein neues Buch entspricht der neuen apokalyptischen Angst vor Globalisierung und sozialer Verelendung. Der Titel: "Weltkrieg um Wohlstand. Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden". Darin geht es u.a. um die Aufholjagd der Chinesen am Weltmarkt mit brutalen Mitteln. Die Bild widmete der Buch-PR eine Schlagzeile, der Spiegel sogar eine ganze Titelstory. Und Steingart schreibt fleißig im Wirtschaftsressort, wobei in fast jedem seiner Artikel auf das Buch verwiesen wird. Crossmarketing nennt man das. Fokus seiner Beiträge ist nun, ganz im Gegensatz zu den Reformbeschwörungen zuvor, die Schattenseiten der Globalisierung, schließlich geht es darum ja auch in dem Buch.

SPIEGEL macht Werbung für Steingarts Buch - auf der Titelseite
Und so schreibt Gabor beispielsweise über die Schattenseiten des chinesischen Kapitalismus, den Wahnsinn der US-Währungspolitik über den ich auch schon mal etwas geschrieben habe und die politischen Gefahren, die mit der Verarmung großer Bevölkerungsteile verbunden ist. Auch sonst lässt er offenbar wieder linkere Beiträge wie über die US-amerikanische 1-Prozent-Gesellschaft zu. Entweder hat Steingart seine politische Einstellung also geändert oder er verfolgt immer gerade die politische Linie, mit der sich gerade Bücher am besten verkaufen lassen. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.
Eine Art BILDblog für den Spiegel und insbesondere Spiegel Online ist übrigens spiegelkritik.de.
HR2 beschäftigt sich in dem Podcast "Die Kampagnieros - Wie Mediendebatten inszeniert werden" (MP3) mit dem Thema inszinierter Mediendebatten, die Berliner Zeitung hat eine schöne Kritik zu Steingarts Buch. (Danke, maloXP)
Update:
Steingart faselt jetzt was von einem "Abwehrbündnis" gegen die gelbe Gefahr. Zitat:
Im Weltkrieg um Wohlstand kämpfen die Angreiferstaaten Asiens mit brutalen Methoden: Sie ertragen im Land bittere Armut und verursachen gigantische Umweltzerstörung. Ihr Aufstieg ist unser Abstieg - es sei denn, der Westen überwindet seine Angst und schmiedet ein Abwehrbündnis.
Nach 1945 entstand die Nato als westliches Verteidigungsbündnis. Ihre Kampfverbände bereiten keinen Angriffskrieg vor, gleichwohl müssen sie das Undenkbare denken und planen - und dann und wann sogar mit Einsatz drohen.
Der Mann muss dringend seine Pillen nehmen. Sollte er vielleicht doch wieder über den "Reformstau" schreiben, das ist weniger gefährlich.
(via disturbed reality)
Hackmeck - 19. Sep, 10:54
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