Von Patenten, Urheberrechten und Kontrollen
Würden Moslems ihren Propheten als Markenzeichen eintragen, hätten sie gute Chancen, die Karikaturen sofort und fast überall qua WTO und andere internationale Organe zu unterbinden.
Quelle:
Telepolis
Es geht ein Gespenst um in Europa. Das Gespenst des geistigen Eigentums. Was ist noch erlaubt, wo lauert der Abmahnanwalt oder der Staatsanwalt? Nichts schränkt derzeit die Freiheit der EU-Bürger so fundamental ein, wie Gesetze zum Schutz des "geistigen Eigentums". Ob es die Weitergabe einer Mp3-Datei ist oder einfach nur die Erwähnung eines Programmnamens, das auch dazu geeignet ist, digitale Inhalte illegal zu kopieren. Beispiel Linux: Unter dem freien System ist es nur mit einer Datei Namens
libdvdcss möglich, legal erworbene und kopiergeschützte DVDs anzusehen. Doch wenn man das aktuelle Urheberrecht in Deutschland und viele revidierte Gesetze zum Schutz des "geistigen Eigentums" in anderen Ländern wörtlich nimmt, ist nicht nur die Datei illegal, sondern sogar ihre Erwähnung. Es ist mit ihr theoretisch nämlich nicht nur möglich, DVDs anzusehen, sondern sie auch zu kopieren. In dunklen Kanälen flüstert man sich daher in der Linux-Szene den Namen dieser Datei zu und wo man sie herbekommt. Spätestens seit dem
Foren-Urteil gegen Heise hat die Angst auch die deutschen Webforen gepackt. Mal
traut man sich den Namen einer Firma nicht zu nennen, weil die Angst besteht, die Forenbetreiber könnten abgemahnt werden. An anderer Stelle
bitten die Forenbeitreiber ihre User gewisse Worte aufgrund der unklaren Rechtslage zu vermeiden:
Hallo,
wir möchten Euch bitten, dass Ihr bitte die Erwähnung dieses codecs unterlasst. Die Rechtslage ist zur Zeit nicht geklärt und wir müssen dafür haften was Ihr hier sagt. Deswegen reagieren wir bei diesem Thema zur Zeit sehr restriktiv. Man findet durch Googeln oder in einem der obigen Beiträge sehr gut den Namen des Codecs. Habt doch bitte ein wenig mehr Kreativität :)
Wir schließen hiermit diesen Thread und möchten Euch des Weiteren eindringlich auffordern diesen Hinweis ernst zu nehmen.
Liebe Grüße,
Euer UbuntuUsers-Team.
Auch in Frankreich steht die Verabschiedung des neuen Urheberrechts bevor. Durch die sogenannten "Vivendi-Universal-Klausel" (da sie maßgeblich
durch das Lobbying von Vivendi-Universal entstanden ist) könnte eine ganze Reihe von Software illegal werden. Illegal wird nämlich jede Software, die "offensichtlich darauf ausgerichtet ist", den unautorisierten Zugang zu geschützten Werken oder anderen Objekten zu gestatten. Was das nun bedeutet bleibt unklar. Ein FTP-Server beispielsweise kann genauso geschützte Werke anbieten wie ungeschützte. Vermutet wird, dass vor allem Filesharing-Software wie eMule und BitTorrent-Clients illegal werden. Gerade BitTorrent-Links werden aber auch vielfach zu legalen Zwecken genutzt, um die Serverlast niedrig zu halten. Die
BitTorrent-Technologie ist eben nur eine Methode, um Dateien zu tauschen, die in einigen Fällen auch dazu gebraucht werden kann, urheberrechtlich geschützte Dateien zu tauschen.
Aber auch das
VideoLAN-Projekt, das u.a. den Videplayer
VLC entwickelt,
ist betroffen. Wie schon das freie
Giflib-Projekt aufgrund von GIF-Patenten
aus den USA auswandern musste, wird wohl auch das VideoLAN-Projekt entweder woanders entwickelt oder eingestellt werden müssen.
Um Freie Software vor der Verdrängung in den illegalen Untergrund zu bewahren haben französische zivilgesellschaftliche Organisationen unter dem Dach von
eucd.info nun
ein digitales Reservat für Freie Software gegründet. Software, die sich unter dem Schutz der Organisationen befinden, sollen bis zum Obersten Gerichtshof Frankreichs verteidigt werden.
Es ist an der Zeit
über alternativen zum jetztigen Modell des geistigen Eigentums nachzudenken. Konsequent durchgesetzt bedeutet es im jetztigen digitalen Zeitalter eine immer umfassendere Überwachung, ein immer striktere Einschränkung der Meinungsfreiheit (siehe libdvdcss-Erwähnungen) und eine immer striktere Gängelung der Benutzer
über digitales "Rechtmanagement". Während in Frankreich die
Anti-DRM-Bewegung in Fahrt kommt, hat sich Phillips übrigens schon die neuste Technologie zur Kontrolle der Konsumenten
patentieren lassen:
der Fernseher, der Gebühren verlangt, wenn während der Werbung umgeschaltet wird.