Montag, 10. April 2006

Von Slums, Ghettos und den Medien

Ob es in Berlin nun Slums gibt oder nicht - darüber wird noch gestritten. Definitiv gibt es aber Ghettos (oder nedeutsch: Gettos) und in denen haben die Medien in den letzten Tagen mit viel Herzblut gewühlt. Allen voran die Bild natürlich. Die taz brachte heute einen Artikel über den "knallharten Ghetto-Bürgermeister" Heinz Buschkowsky. Nachdem bereits bekannt wurde, dass das ZDF Geld an sich prügelnde Jugenliche als "Aufwandsentschädigung" zahlte, gerierten nun auch andere Medien durch einen Monitor-Bericht in die Kritik. Zweifelsfrei bewiesen ist es nicht - aber laut Schülern der Rütli-Schule in Berlin sollen u.a. auch Reporter der Bild-Zeitung Geld für inszenierte Randale gezahlt haben.

Wieder einmal wird deutlich, wozu die Funktion des Mediums als Anzeigenraum in letzter Konsequenz führt. In der Ökonomie der Medienwelt ist Aufmerksamkeit die entscheidende Ressource, mit der sich Anzeigenraum verkaufen lässt. Nicht die Wahrhaftgkeit der Berichterstattung steht im Mittelpunkt - auch nicht mehr die Propagandierung der eigenen Meinung. Gut ist, berichtet wird, was Aufmerksamkeit erzeugt.

Den Stein des Anstoßes - der Brief des Kollegiums der Rütli-Schule an die Schulrätin - lässt sich übrigens hier im Wortlaut nachlesen.

Indonesien verbietet "pornhaftes Verhalten"

Die FAZ berichtet über eine indonesische "Porno-Aktion". Die Regierung des muslimischen Landes fühlt sich durch liberale westliche Kultureinflüsse bedroht und will daher nicht nur pornografische Darstellungen, sondern auch anzügliches Verhalten und "pornografische" Kleidung verbieten. So sollen nach dem Gesetzentwurf öffentliche Zungenküsse, Hüftschwünge und Dekolletés verboten sein. Als heikle Gratwanderung stellt sich dabei der Umgang mit den kulturell vielfältigen Minderheiten und dem damit verbundenen westlichen Tourismus dar:

Neben einem Verbot westlicher Tanktops würden zudem auch traditionelle Trachten vieler indonesischer Völker unter die Kategorie „Porno” fallen. Nicht nur die hinduistischen Balinesen sehen ihre Kultur unter „Pornographie-Generalverdacht” gestellt und bangen um die Einnahmen aus dem Tourismus.

Nach ersten wütenden Protesten wurde den Provinzen Bali und Papua ein Sonderstatus zugesichert: „Pornographie” und „Pornoaktion” sollen dort erlaubt sein, so sie denn entweder „rituelle Handlungen” oder westliche Touristen betreffen. Daß die „Insel der Götter” damit mehr oder weniger zur „Porno-Insel” erklärt wird, wo erlaubt ist, was andernorts verboten wird, scheint den zuständigen Parlamentsausschuß nicht weiter zu beunruhigen.

Quelle: FAZ.NET

Der sehr lesenwerte Artikel zeigt, wie sich durch die Zuspitzung des dichotomisierten "Kampf der Kulturen" und die Wahrnehmung eines westlichen, islamische Werte torpedierenden "Kulturimperialismus", ein intoleranter "Mainstream" des Islams auch in traditionell eher tolerant-muslimischen Ländern wie Indonesien durchsetzt. Dieser "Sharia-Islam" wird dabei selbst zur Bedrohung für die reichhaltige pluralistische Kulturtradition dieser Länder.

Japan auf Rube Goldbergs Spuren

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Ein Tipp: Macht den Sound aus. ;)

Es gibt auch noch eine Fortsetzung.

FUCKUPs Netzumschau

Keiner will auf den LinuxTag?

Intel kommt nicht, HP kommt nicht, Microsoft kommt nicht und auch Gentoo Linux will nicht hin.

Nun kündigte auch noch Kubuntu (das Ubuntu-Projekt mit KDE-Desktop) an nicht zu kommen und gab dafür eher eigenwillige Gründe an. Weil sich das Projekt von der Firma Canonical nicht ernst genommen fühlt, will man auf diese Art protestieren. Canonical, der Sponsor von Ubuntu, ist auch einer der Hauptsponsoren des diesjährigen LinuxTags.

Lost, Desperate Housewives etc. legal als Stream

Wer amerikanische Serien ob der oft furchtbaren Synchronisation zeitnah im Original sehen wollte, musste sich bisher meist Filesharing-Netzen bedienen. Immerhin die ABC-Serien (Lost, Desperate Housewives u.a.) soll es künftig am Tag nach der Ausstrahlung als Stream auf der ABC-Website geben. Deren Synchronisation zeichnete sich im Gegensatz zu den von Ivar Combrinck synchronisierten Fassungen der Serien "Die Simpsons", "Futurama" und "Family Guy" allerdings durch recht hohe Qualität aus. Wer eine dieser Serien mal im Original gesehen hat, will die Combrinck-Machwerke einfach nie wieder sehen. Die schon seit Jahren kursierenden Gerüchte über einen Simpsons-Film wurden übrigens bestätigt. Einen kurze nichtssagende Vorschau gibt es hier.

Mit dem werbefinanzierten Angebot fällt der zu Disney gehörende Sender Apple in den Rücken. Apple hatte vor einiger Zeit begonnen ausgewählte Serien über den iTunes Music Store gegen 1,99 US-Dollar pro Folge anzubieten.

Adobe verbietet FreeBSD-Usern Flash

Nutzer des freien Unix-Derivats FreeBSD dürfen den von Macromedia bereitgestellten Flash-Player für Linux nicht benutzen. Die von Adobe aufgekaufte Firma schreibt in ihrer Lizenz:

Usage on an Authorized Operating System is only permitted if an installer is provided by Macromedia to Licensee for that specific Authorized Operating System.
Quelle: macromedia.com

Das hat nun auch das FreeBSD-Team entdeckt und daher den Flash-Player aus aus der Ports-Collection entfernt. Ich hoffe auf ein schnelles Fortkommen der freien Alternative Gnash.

Anonymes Filesharing II: GNUnet

Ebenso wie das Freenet will auch das GNUnet ein anonymes Filesharing-Netz bereitstellen, in dem Zensur unmöglich ist. Das Ende 2001 gestartete Projekt soll darüberhinaus Teilnehmer, die besonders viele Ressourcen in Form von Upload-Bandbreite und Festplattenplatz zur Verfügung stellen, durch einen schnelleren Download belohnen. Den grafischen Client gnunet-gtk gibt es für Windows und GNU/Linux.

Wo gesammelt wird, wachsen Begehrlichkeiten

Eines sollte einem immer klar sein, wenn irgendwo Daten gesammelt werden: Sind diese erstmal zusammengetragen, wachsen überall Begehrlichkeiten danach, diese auszuwerten - wie nicht erst der Fall Google* zeigte. Jüngstes Beispiel: Die USA haben Interesse an den künftig EU-weit gesammelten Kommunikationsverbindungsdaten angemeldet. Schon seit längerem wird außerdem gemunkelt, dass die aufwendige Verbindungsdatensammellei nicht nur zur Bekämpfung von Terrorismus und schweren Verbrechen, sondern auch zur Durchsetzung des Urheberrechts genutzt werden wird.

*Dazu sei hier noch angemerkt, dass die isrealische Zeitung Ha'aretz bereits 2003 über den "flexiblen Datenschutz" eBays berichtet hat. Damals gab ein eBay-Mitarbeiter freimütig zu auch ohne Gerichtsbeschluss gerne und oft Daten an US-Behörden und Geheimdienste herauszugeben.

Terror-, Mord- und Raubkopierer

70% der deutschen Jugend sind Verbrecher. So sieht es zumindest die Industrie nach deren eigenen Studie 70% der deutschen Jugend "Raubkopien" besitzt. Die demographische Zeitbombe ist explodiert.

Die Business Software Alliance (BSA) zeigt sich aufgrund der Ergebnisse der Studie "besorgt" und "erstaunt" wieviel die Jugendlichen offenbar von Computern und wie wenig von der Rechtslage verstünden. Logische Konsequenz: Der Desinformationskampagne der Filmindustrie in der "Raubkopierer" als Verbrecher gebrandmarkt werden, deren einzige gerechte Strafe eine Vergewaltigung im Knast sei, soll nun unter dem Deckmantel der Aufklärung über "Medienkompetenz" ein weiterer Propagandafeldzug der Softwareindustrie an Schulen folgen.

Das Lieblingswort der Industrie wird im deutschen StGB § 249 übrigens folgendermaßen definiert:

§ 249

Raub

(1) Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(Hervorhebung durch mich)

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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