Dem ZDF ist ein
Scoop gelungen. Exklusiv strahlten sie ein Interview mit der gerade aus der Geiselhaft entlassenen Archäologin Susanne Osthoff aus. Osthoff wirkte "offensichtlich verwirrt", um es
mit den Worten der taz auszudrücken bzw. war "vermummt und irr" ("
wie eine radikale Islamistin"), um die
etwas weniger sensiblen Worte der Bild-Zeitung zu zitieren.
Auf Fragen ging Susanne Osthoff fast nicht ein, oft stammelte sie Unverständliches, Zusammenhangsloses und Sinnloses. Die FAZ hat das offenbar nicht bemerkt und vermutete hinter der
eindeutig zu Frau Osthoffs Gunsten geschnittenen und kommentieren Version des ZDF-Interviews eine Verschwörungstheorie:
Das ZDF wolle mit dieser zensierten Version Medienkritik verschweigen und Susanne Osthoff als verwirrt darstehen lassen.
Um solcherlei Vorwürfe von vorne herein zu entkräften,
dokumentierte das ZDF das gesamte Interview von Anfang an im Netz.
Von FAZ-Verschwörungstheoretikern abgesehen, ist sich die Medienszene einig: Das ZDF hätte auf eine Ausstrahlung komplett verzichten sollen, so wie es angeblich zunächst vorgesehen war.
Die Bild hat jedenfalls das große Thema der Woche gefunden. Und Suasanne Osthoffs Bruder
lieferte ihr gleich noch das perfekte Anschlussthema.
Nachtrag:
Ganz interessant in diesem Zusammenhang ist,
dass Deutschland offenbar eines der wenigen Länder der Welt ist, das die Konvention gegen Raubgrabungen der UNO nicht unterzeichnet hat.
Nachtrag vom 23. Januar 2006:
Was vor dem vom ZDF dokumentierten Interview passiert ist, hat die FAZ
hier veröffentlicht.