Montag, 19. Dezember 2005

Offene Standards - Petition an den Deutschen Bundestag

Offene Standards sind standardisierte öffentlich dokumentierte und jedermann zugängliche Verfahren, z.B. zur Datenspeicherung. Ein von der OASIS zertifiertes offenes Format ist beispielsweise das Open Document Format für Office-Dateien, das u.a. von der freien Office-Suite OpenOffice.org unterstützt wird.

Microsoft benutzte bisher ein proprietärs, nicht öffentlich dokumentiertes Format, um Konkurrenten den Marktzutritt zum Bereich der Office-Software zu erschweren - ein Bereich, in dem Microsoft immer noch ein Quasi-Monopol besitzt, das erst langsam aufgebrochen wird. Da niemand außer Microsoft also genau weiß, wie dieses geheim gehaltene undokumentierte Format aufgebaut ist und funktioniert, musste beispielsweise die Kompatibiltät der OpenOffice-Suite durch mühsames Reverse Engineering hergestellt werden und konnte nie ganz perfekt werden.

Aus Gründen der Archivierung und Zugänglichkeit wechselte der US-Bundesstaat Massachusetts bereits zum offen dokumentierten OpenDocument-Format, das auch von einer Studie im Auftrag der EU empfohlen wird.

Dem Bundestag liegt nun eine Petition vor, die online unterschrieben werden kann. Sie fordert auch für deutsche Behörden eine verbindliche Verwendung offener Formate nach einer Übergangsfrist:

Immer noch wird auf den Internetseiten und im elektronischen Schriftverkehr der Bundesbehörden überwiegend auf die proprietären und teils mit Patenten belegten Formate des Herstellers Microsoft zurückgegriffen. Dadurch entstehen dem Bürger, der nicht mit Programmen dieses Unternehmens arbeitet (z.B. aus Sicherheits- oder Kostengründen), entweder Kosten für die Konvertierung oder er kann die entsprechenden Angebote gar nicht wahrnehmen bzw. die Dokumente nicht lesen. Des weiteren ist die Verwendung dieser Formate auch für die Bundesbehörden mit erheblichen Kosten verbunden, da die entsprechenden Programme im Regelfall nur begrenzte Zeit vom Hersteller unterstützt werden und damit eine langfristige Archivierung den regelmäßigen Erwerb von Softwareupdates bzw. neuer Programmversionen erfordert. Die Verwendung offener Standards garantiert, dass jeder Marktteilnehmer im Bereich der Informationstechnologie entsprechende Konverter oder Schnittstellen für derartige Dokumente anbieten kann. Im Falle der Microsoft-Formate ist dies aufgrund der Lizenzgestaltung und von Patenten nicht möglich.

Quelle: itc.napier.ac.uk

Zur etwas seltsamen UK-Domain schreibt zockertown.de:

Ps: Lasst euch nicht von der *.uk Top Domain verschrecken, es ist wirklich der Petitionsausschuss im Deutschen Bundestag.

Weiß jemand, warum? Die Domain gehört jedenfalls der Napier University und wird auf der offiziellen Bundestags-Website verlinkt.

(via zockertown.de)

Nachtrag vom 21. Dezember 2005:

Jürgen Starek, der leider die Kommentarfunktion mit dem Konqueror nicht nutzen kann (kann das ein KDE-Benutzer nachvollziehen?), hat mir folgenden Hinweis zum Hosting des Petitionsausschusses in Schottland per E-Mail zukommen lassen:

Der Grund für die Domain ist auch auf den Seiten des Petitionsausschusses zu finden und ganz unspektakulär:
http://www.bundestag.de/ausschuesse/a02/dokumente/server.html

Die zweite Wikipedia

So ein großes Ding war der viel zitierte Wikipedia-Rufmord an einem bis dato recht unbekannten amerikanischen Journalisten ja eigentlich auch nicht. Doch er wurde zum Anlass genommen immer wieder über die Qualität der Wikipedia zu diskutieren, vielleicht auch, weil er symptomatisch für die Probleme stand, die sich durch eine offene, frei veränderbare Enzyklopädie ergeben. Eine kleine Regelverschärfung in der internationalen Wikipedia hat es als vorläufiges Ergebnis der Diskussion um den Rufmord bereits gegeben. Nun kündigt Jimmy Wales eine weitere Konsequenz an: Neben der sich ständig ändernden und für jeden veränderbaren Wikipedia soll es auch eine von ausgewählten Usern betreute, fixe Wikipedia geben. Die jetztige Wikipedia wäre damit gewissermaßen nur ein Arbeitsentwurf, aus dem dann eine semiprofessionell betreute freie Enzyklopädie der besten Einträge regelmäßig aktualisiert würde. Das ganz erinnert mich etwas an das Konzept von Debian GNU/Linux: auch hier werden Softwarepakete der Distribution zunächst in einen expiremental-Zweig hochgeladen von dem sie dann zunächst nach unstable, dann nach testing und schließlich in die als stabil gekennzeichnete fertige Distribution wandern. Nur die Zwischenschritte fehlen bei dem Wikipedia-Modell.

Eine ähnliche Idee hatte bereits der "Wikipedia-Spalter" Ulrich Fuchs mit seiner Wikiweise-Enzyklopädie im April dieses Jahres. Und noch früher, im Januar, rief Torsten Kleinz in Telepolis zur Spaltung der Wikipedia auf.

Ziel von Jimmy Wales war es immer in erster Linie, eine freie Enzyklopädie hoher Qualität zu schaffen. Das Wiki-Prinzip war dabei nie ein Dogma und wurde vor allem gewählt, da das Vorgängerprojekt, die Nupedia, zu langsam wuchs. Mit der sehr großen Bekanntheit der Wikipedia scheint das alte moderierte Nupedia-Prinzip wieder an Attraktivität gewonnen zu haben.

Bagatellklausel für Privatkopien?

Schon lange fordern Staatsanwälte eine Bagetellklausel für minderschwere Raubkopierfälle. Nicht nur, dass dies wohl dem Rechtsempfinden einer überwältigenden Mehrheit in der Bevölkerung entgegenkäme, schon rein praktische Gründe sprechen dafür: Alleine bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe liegen noch immer 20.000 unbearbeitete Anzeigen wegen Bagetelldelikten im Zusammenhang mit dem Urheberrecht.

Die Verfahren abzuarbeiten wäre unermesslich teuer und aufwendig. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) sah sich nun endlich zum Handeln gezwungen und schlägt eine Bagetellklausel für minderschwere Fälle vor, die eingestellt werden sollen, falls Kopien nur zum privaten Gebrauch und in geringer Anzahl erstellt wurden. Union und Content-Industrie stellen sich erwartungsgemäß dagegen. Es bleibt aber zweifelhaft, ob die Straftbarkeit einer Handlung, die so gut wie jeder schon einmal begangen hat und viele tagtäglich begehen, auf Dauer aufrecht zu erhalten ist. Mit erheblichen Kosten und Aufwand ist sie in jedem Fall verbunden.

Die Lobbyisten der Industrie fordern derweil, die angeblich zur Terrorabwehr EU-weit durchgesetzte Vorratsdatenspeicherung zur Verfolgung von Urheberrechtsdelikten zu nutzen.

Wie bereits berichtet, wird es aber in jedem Fall ein Auskunftsrecht bei den Providern für die Konzerne geben:

Bisher haben die Gerichte bei der Herausgabe von Kundendaten der Musikindustrie und den Rechteinhabern in der Regel eine Absage erteilt. Trotz des Verdachts der Verbreitung illegaler Kopien mussten die Provider nicht die Daten ihrer Kunden preisgeben. Die Richter verwiesen in ihrer Begründung auf die fehlende gesetzliche Grundlage, was sich im nächsten Jahr aber ändern wird.

Quelle: SPON

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

Wir haben hochgeladen! kulturflatrate_button

Anzeige

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

mes
восстановление...
max (Gast) - 5. Apr, 11:25
Novel Dewasa | Cerita...
very interesting article and contain useful information....
novelhot - 25. Jan, 20:16
Very nice blog, it contains...
Very nice blog, it contains lot of informations. Articles...
Cerita Sex (Gast) - 12. Okt, 08:50
Kisah Sex Nyata | Cerita...
Cerita Dewasa, Cerita Sex, Cerita Mesum, Cerita Bokep,...
Cerita Dewasa (Gast) - 12. Okt, 08:47
Prediksi Togel | Bocoran...
Prediksi Togel Hari Ini | Keluaran Angka Jitu | Ramalan...
Togel Hari Ini (Gast) - 12. Okt, 08:45

Suche

 

Status

Online seit 4392 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 5. Apr, 11:25

Archiv

Dezember 2005
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
10
13
26
28
29
 
 

Credits


Bloginternes
Blogosphäre
Computer
Datenschutz
Disclaimer
Frisch aus dem Archiv
Fun
Geschmacklos
Gesellschaft
Kultur
Kurioses
Lokales
Markt und Konsum
Medien
Medienumschau
Musik
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren