Donnerstag, 3. November 2005

Medien im Umbruch

Die Medienlandschaft ist im Umbruch. Der Frage, was "Google, DSL und Blogs für die Medien bedeuten" geht tagesschau.de in einem aktuellen Artikel nach:

Im Rückblick werde das frühe 21. Jahrhundert als aufregende neue Epoche des Journalismus betrachtet werden, prophezeit Journalismus-Professor Rich Gordon in "Online Journalism Review": "Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass wir es als eine Periode sehen werden, in der sich eine besser informierte Öffentlichkeit entwickelte, dank neuer Kommunikationskanäle und Technologien."

Die englischsprachige Wikipedia dringt in den klassischen Buchmarkt ein. Aber auch abseits der generellen Veränderung der Medien durch das Internet ist speziell die deutsche Zeitungslandschaft zur Zeit von Umbrüchen betroffen. Der Berliner Verlag ist trotz Widerstands an einen ausländischen Investor verkauft worden, der interne Machtkampf im Spiegel geht weiter und die SPD will nun endlich wie angekündigt ihre Anteile an der Frankfurter Rundschau verkaufen.

Nicht normgerechte Menschen im Zeitalter der Biometrie

Es gibt Menschen mit asymmetrischen Gesichtern. Menschen, bei denen die Nase schief sitzt oder der Augenabstand und die Mundgröße für Außenstehende fast schon grotesk wirken. Solche Menschen fallen aus dem Raster heraus, das die Techniker der Bundesdruckerei zu einer Foto-Mustertafel verdichtet haben. Obwohl sie womöglich von professionellen Fotografen nach den Regeln der Mustertafel fotografiert wurden, stimmen ihre Grundvoraussetzungen einfach nicht. Darum müssen sie ab dem 1. November diese "Lichtbildbelehrung" unterschreiben (Fettdruck wie im Original):

"Hiermit bestätige ich, dass ich von der Ausweisbehörde über die Qualität/Beschaffenheit meines vorgelegten Lichtbildes belehrt wurde.

Ich bestehe auf Annahme dieses Lichtbildes durch die Passbehörde.

Entstehende Schadensersatzansprüche, wegen Abweisung an einer Landesgrenze oder auf Grund polizeilicher Identitätsvorstellungen, kann ich gegenüber der Passbehörde nicht geltend machen. Die Kosten für einen neuen Ausweis habe ich voll zu tragen."


Mehr: Heise online

Die fiesen Hacker von Sony und Microsoft

Wie "Mark's Sysinternals Blog" schon vor Tagen herausfand und inzwischen sogar SPON erreicht hat, nutzt Sony BMG für sein Digital Rights Management-System eine zuweilen für Benutzer gefährliche Software mit Rootkit-ähnlicher Funktionsweise. Um sein eigenes "geistiges Eigentum" vor illegaler Verbreitung zu schützen, ist man auf seiten der Industrie offenbar auch bereit selbst juristisch fragwürdige Methoden zu verwenden. Doch nun wurde DRM-Verfechter Microsoft selbst beim Musikklau erwischt:

http://www.gulli.com/news/microsoft-wegen-musikklau-2005-11-01/

Nachtrag vom 4. November 2005:

Hier gibt es einen Uninstaller von heise security

Inzest

Dem "vielleicht letzten Tabuthema unserer Gesellschaft" widmet sich heute SPON in einem klar Stellung beziehendem Artikel: es geht um Inzest. Jedes Gesetz, so habe ich es mal in meinem Politikstudium gelernt, muss sich direkt oder indirekt von einem im Grundgesetz verankerten Rechtsgut ableiten lassen. Schwierig wird es tatsächlich das Verbot des Beischlafs zwischen Verwandten in Paragraph 173 von einem solchen Rechtsgut abzuleiten:

Verfolgt man die Kommentierung des Paragrafen 173, stößt man auf allerlei Merkwürdigkeiten. Im Leipziger Kommentar bezweifelt Karlhans Dippel, "was eigentlich die Strafvorschrift rechtfertigt", und plädiert dafür, sie zu streichen. Bei Tröndle/Fischer heißt es: "Eine Legitimation der Strafdrohung fällt schwer." Vor allem die Frage, welches Rechtsgut durch die Vorschrift eigentlich geschützt werden soll, plagt fast alle Kommentatoren.

Quelle: SPON

In vielen anderen Ländern wird Inzest übrigens nicht bestraft:

In den Ländern allerdings, die dem aufklärerischen französischen Code Pénal folgten, ist Inzest heute straflos, so in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Portugal, der Türkei, Japan, Argentinien, Brasilien und anderen lateinamerikanischen Staaten. Der italienische Codice Penale bestraft Inzest nur, wenn öffentliches Ärgernis entsteht.

Quelle: SPON

Am ehesten rechtfertigen ließe das Gesetz noch mit dem erhöhten Risiko einer genetisch bedingten Krankheit bei Nachkommen aus verwandtschaftlicher Liebe. Allerdings, so bemerkt beispielsweise Claus Roxin, Professor für Straftrecht, wird "die Verhinderung erbkranken Nachwuchses auch im Übrigen von unserer Rechtsordnung nicht mit strafrechtlichen Mitteln erstrebt". Aber selbst ob der Nachwuchs einer solchen Verbindung erhöhter genetisch bedingter Krankheitsrisikien ausgesetzt ist, ist offenbar strittig. Im SPON-Artikel wird diese Meinung gar als "Volksglauben" diffamiert:

Selbst die im Volksglauben wurzelnde Furcht vor genetisch-biologischer Schädigung der Nachkommenschaft hat die naturwissenschaftliche Forschung schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts relativiert. Einen Beweis dafür, dass Inzest-Kinder von Eltern, deren Erbanlagen gesund sind, kränker seien oder eher geistig behindert als Kinder Nicht-Verwandter, gibt es nicht.

Das stimmt so allerdings nicht, wenn man dem recht seriös wirkenden Wikipedia-Artikel zum Thema Glauben schenken kann:

Kommt es beim Inzest zur Fortpflanzung, nimmt die Variabilität der Gene bei so gezeugten Nachkommen und der Heterosis-Effekt ab, während die Homozygotie steigt. Dadurch wird das Risiko des Ausbruchs von heterozygoten Erbkrankheiten bei den Kindern erhöht, gleichzeitig werden aber positive Erbmerkmale propagiert.

Meist besteht eine Erbkrankheit darin, dass ein für den Stoffwechsel notwendiges Protein fehlt, da das entsprechende Gen "nicht richtig funktioniert", weil es (etwa durch Mutation) beschädigt ist. Es kann vorkommen, dass ein betroffenes Individuum eine Erbkrankheit nicht ausbildet, weil es von dem Gen jeweils eine "funktionierende" und eine "nicht funktionierende" Variante besitzt, wobei mit der einen funktionierenden Variante eine ausreichende Menge des betroffenen Proteins hergestellt werden kann. Eine solche Erbkrankheit heißt rezessiv. Sind nun zwei Eltern genetisch nah verwandt und hat ein Elternteil eine solches nicht funktionierendes Gen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das andere Elternteil auch ein solches nicht funktionierendes Gen besitzt. Ist dies der Fall (und dies ist wegen der großen Gen-Anzahl so gut wie immer der Fall) und wird durch beide Elternteile ein Nachkomme gezeugt, so tritt für jedes betroffene Gen der Eltern mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 25% der Fall ein, dass der Nachkomme zwei nicht funktionierende Varianten, also keine funktionierende Variante des Gens hat, was in der Regel einen "Totalausfall" der Funktionalität des Gens bedeutet, also die Ausbildung der Erbkrankheit.

Wegen der großen Anzahl der Gene ist das Risiko für die Ausbildung erblicher Defekte dieser Art bei Nachkommen von genetisch nahe verwandten recht hoch. So ist jedes zweite bis dritte Kind aus einer Beziehung zwischen Bruder und Schwester auffällig. Etwa jedes vierte ist geistig behindert, jedes siebte hat einen Geburtsdefekt und jedes achte leidet unter einer bekannten rezessiven Krankheit. Nachkommen aus inzestuösen Beziehungen werden daher aus rechtlicher Sicht als Opfer der Straftat Inzest betrachtet.


Paragraph 173 macht allerdings keinen Unterschied zwischen Beischlaf mit oder ohne Verhütungsmittel - sehr wohl aber zwischen heterosexuellen und homosexuellen Beziehungen zwischen Verwandten. Analverkehr unter Brüdern ist beispielsweise straffrei, da dieser nicht im Sinne des StGBs als "Beischlaf" gilt.

In der Tierzucht ist Inzest zur Stabilisierung von Rassenmerkmalen übrigens gang und gäbe.

Die Tierart mit der höchsten bekannten Inzestrate sind die Nacktmulle. Keiner Wunder, dass die so aussehen: ;)

ein Nacktmull
Aus dem Leben der freilaufenden bezahnten Schniedel (Telepolis)

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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