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Montag, 24. Oktober 2005

Das Ende von Windows besiegelt?

Neue Kopierschutzmechanismen sollen die Benutzerfreundlichkeit des geplanten Windows Vista stark einschränken:

Der Windows XP-Nachfolger Vista wird umfangreiche Kopierschutzmechanismen mitbringen, so die Zeitschrift Windows Professionell. Dazu gehören das sogenannte PVP-OPM (Protected Video Path - Output Protection Management) als Schutz für Filme.

Mehr: Der Standard

Damit dürfte die Attraktivität von nicht beschränkten freien Betriebssystemen wie GNU/Linux für Endverbraucher stark steigen.

Microsoft hat außerdem inzwischen große Probleme in der Anfangsphase der Entwicklung von Windows Vista (damals "Longhorn") zugegeben, die den Konzern 2004 de facto zu einem kompletten Neuanfang bei der Programmierung des Systems zwangen.

Cosa Nostra "von ganz oben" geschützt

Umberto Di Fazio, Mafiosi der Cosa Nostra, ist heute in Italien festgenommen worden. Bei der Verfolgung des Mannes gab es immer wieder merkwürdige Zwischenfälle, die seine Verhaftung verhinderten und der seit 42 Jahren gesuchte größte Mafia-Fisch ist nach wir vor auf freiem Fuß:

Für Italiens Mafia-Jäger Nummer eins, Piero Grasso, steht fest, dem Mafioso Bernardo Provenzano wird von "ganz oben" geholfen". [...] Piero Grasso, ab heute Italiens oberster Mafiajäger, beschuldigt Politiker und Unternehmer in einem Interview mit dem Staatssender Rai, sie würden schützend ihre Hand über Provenzano halten: "Die Mafia wird gedeckt von Politikern, von Unternehmern, auch von Polizeikräften. In unseren Ermittlungen über Provenzano sind wir auf all diese Berufskategorien gestoßen. Also, es ist nicht nur eine kriminelle Organisation, die Provenzano deckt, sondern es ist ein Schutz, der aus kompletten sozialen Schichten kommt."

Quelle: tagesschau.de

Die Zensur im staatlichen Fernsehen RAI hat also wieder nicht funktioniert. Erst vor kurzem ist auch der Komiker Adriano Celentano durch die Zensur geschlüpft, indem er sich zuvor vertraglich totale Autonomie hat zusichern lassen. RIA-Chef Fabrizio del Noce konnte Berlusconi nur noch anbieten, das Senderlogo auszublenden.

"Blaming" - Politik & Irrationalität

Nicht umsonst geht die Volkswirtschaftslehre in ihren vereinfachten Modellannahmen vom egoistischen nutzenmaximierenden Homo oeconomicus aus und kann mit dieser vereinfachten Annahme oft erstaunlich genaue Vorhersagen treffen. Politiker sind meist keine Ökonomen und verfallen in wirtschaftspolitischen Fragen oft in eine reine Appellpolitik. Wenn Müntefering die "Raffgier" der Unternehmer kritisiert ist das keine Systemkritik, sondern im Gegenteil ein sündenbockorientiertes "Blaming", das davon ablenken soll, dass seine Regierung selbst die Voraussetzungen für das Nutzen von Hedge Fonds geschaffen hat, die in den USA beispielsweise schon längst politisch begrenzt wurden. Wenn Nobert Blüm die Unternehmenskultur "seines Adam Opels" lobt oder Heiner Geißler den Moralverfall des globalisierten Kapitals geißelt, so sind dies keine lösungsorientieren Systemkritiken, sondern im besten Fall wirkungslose gesellschaftspolitische Appelle, im schlechtesten Falle födern sie wiederum das Sündenbock-Denken der Bevölkerung, das dunkle Mächte im Hintergrund der globalen Weltmärkte vermutet. Wie sich ein Unternehmer, wie sich Aktionäre und Manager verhalten werden, lässt sich anhand des Homo-oeconomicus-Modells recht genau vorhersagen: Sie werden jede Chance nutzen, nutzenmaxierend, das heißt profitmaximierend, zu handeln. Wenn die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, legal Steuern zu hinterziehen oder Dumping-Löhne zu zahlen, dann wird das natürlich ausgenutzt werden. Der Politiker, der einen Unternehmer oder Manager dafür angreift könnte mit einem Politiker verglichen werden, der einen Steuerberater dafür angreift seinen Klienten Steuertricks zu verraten, die er selbst zugelassen hat. Nichts anderes ist dessen Job so wie der Job von Managern nunmal die Profitmaximierung im Sinne der Anteilseigner ist - dafür bezahlen sie ihn schließlich. Ein Manager, der das Gemeinwohl im Auge hat, wäre kein guter Manager für ein Unternehmen. Der Job der Politiker ist allerdings ein anderer, sie sollten das Gemeinwohl im Auge haben, denn sie regieren - anders als die Manager - im Auftrag des Volkes. Deshalb ist es an ihnen Unternehmsmacht politisch zu begrenzen, damit deren Handeln, das in vielerlei Hinsicht positive Aspekte hat, sich nicht zum Nachteil aller auswirkt.

Auch in der Bevölkerung herrscht leider nach wie vor ein von Irrationalität geprägtes Bild der Wirtschaft. Wenn BMW Rover oder Volkswagen Bughatti übernimmt, wird gejubelt - übernimmt aber Vodafone Mannesmann, beschwört man den bösartigen "angloamerikanischen Kapitalisten" herauf, der unsere schöne deutsche Wirtschaft zerstören möchte. Viel Irrationalität sehe ich auch wieder beim Verkauf des Berliner Verlags an den englischen Unternehmer David Montgomery aus - wie man nicht vergessen sollte - kartellrechtlichen Gründen. Schon stellt sich eine illustre Gesellschaft von prominenten Politikern und Intellektuellen gegen den Verkauf, um das Feindbild des angloamerikanischen Finanzjounglers erneut heraufzubeschwören, während es sonst niemanden störte, dass der deutsche Bertelsmann-Konzern weltweit auf Einkaufstour geht und heute zu einem der größten Medienkonzerne der Welt gehört. Dabei operiert Bertelsmann natürlich grundsätzlich nichts anders als David Montgomery.

New York Times in der Krise

Die renommierteste Zeitung der USA, die New York Times, steckt in einer tiefen Krise. Nachdem sie bereits für ihre unkritische Berichterstattung zum Irakkrieg um Entschuldigung bat, wird langsam offenbar, wer diese im Auftrag der US-Regierung lancierte. Die Star-Repoterin Judith Miller, die die CIA-Agentin Valerie Plame enttarnte, die Frau von Bush-Kritiker Joe Wilson, der kurz zuvor der Behauptung der US-Regierung widersprach, Saddam Hussein wolle Atombomben bauen, werden über Lewis Libby, dem Stabschef von Dick Cheney, Kontakte zur US-Regierung nachgesagt. Offenbar hat Miller über einen längeren Zeitraum hinweg als bedeutende Redakteurin des Blattes eine regierungsfreundliche Berichterstattung entscheident durchgesetzt:

Keller [Chefredakteur der NYT] warf seinem früheren Star Miller vor, sich zur Komplizin in einer "Flüsterkampagne" der Regierung gegen deren Kritiker gemacht zu haben.
Quelle: spiegel.de

Reporter ohne Grenzen kritisierten anlässlich ihrer kürzlich vorgestellten Länderrankingliste zur Pressefreiheit noch die USA u.a. deshalb, weil Miller in Beugehaft genommen wurde, um ihre Quellen zur Enttarnung der CIA-Agentin Plame offenzulegen, was als Geheimnisverrat gilt. Dies widerspricht dem klassischen Quellenschutz von Journalisten. Anderseits ist es klar, dass die Enttarnung Millers der Abstrafung eines Regierungskritikers dienen sollte:

Diesmal, sagte Rosenthal, gehe es nicht um einen Whistleblower wie "Deep Throat" Mark Felt, den Informanten im Watergate-Skandal, oder Daniel Ellsberg, der 1971 die "Pentagon-Papiere" zum Vietnamkrieg publik machte. Diesmal gehe es um die Verleumdung eines Regierungskritikers - und um Judith Miller.
Quelle: spiegel.de

Neoliberalismus macht Spaß!

"Ungleichheit ist nötig [...] Wenn wir garantieren, dass jedermann am Leben gehalten wird, der erst einmal geboren ist, werden wir sehr bald nicht mehr in der Lage sein, dieses Versprechen zu erfüllen"

Friedrich August von Hayek, österreichischer Ökonom und noeliberaler Visionär

Warum Neoliberalismus trotzdem Spaß machen kann, darüber klärt ein neuer Blog mit ganz persönlicher Perspektive auf wirtschaftliches Geschehen auf: http://neoliberalismus.twoday.net/ bietet beispielsweise einen ganz subjektiven Blick auf auf die Phillipskurve und lässt dabei auch die Sorgen und Nöten des kleinen Mannes nicht außer Acht: regelmäßig werden z.B. geeignete Schlafplätze unter Brücken vorgestellt. Dem Arbeitslosen wird klargemacht, wie wichtig seine Position für das Funktionieren des gesamten ökonomischen Systems ist. Deshalb raus aus den Puschen, jammern aufgehört:

Du bist Deutschland, du bist Neoliberalismus!

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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