Samstag, 23. Juli 2005

"Kapitalismuskritik" II

Zur "Kapitalismuskritik" Münteferings schrieb ich ja bereits etwas, nun hat Müntefering diese Kritik in den tradiionellen Sommerinterviews, in denen die Linkspartei nicht zu Wort kommen darf, obwohl sie natürlich wichtigstes Thema bleibt, erneuert:

Ebenfalls im ZDF-Sommerinterview erneuerte Müntefering seine Kritik am Kapitalismus: "Geld darf die Welt regieren", so der SPD-Chef

oO ;)

Zerreißprobe

Zerreißt es die SPD? Der eine Flügel nennt die Linkspartei und deren Protagonisten Hassprediger oder Demagogen, der andere möchte mit ihr koalieren und wiederum andere, vor allem im Saarland, liebäugeln schon mit der Option es ihren Wählern gleichzutun und reihenweise zur neuen Linkspartei zu wechseln.

Die Gewerkschaften scheinen ihre anfängliche Skepsis bereits überwunden zu haben: Frank Bsirske, Mitglied der Grünen und Vorsitzender von verdi, der größten Gewerkschaft Deutschlands, lobte das neue Linksbündnis schon, da es "die Parteienlandschaft spannender und farbiger" mache.

Die konservative FAZ hingegen kann das alles noch gar nicht so recht fassen:

Warum? Warum durfte Oskar Lafontaine am Donnerstag der vergangenen Woche zur besten Sendezeit, direkt nach der „Tagesschau”, im ersten Programm „Farbe bekennen”? Und warum hat der Parlamentskanal Phoenix zwei Wochen zuvor den Wahlparteitag der WASG stundenlang übertragen?

Quelle: http://www.faz.net/s/RubAC861D48C098406D9675C0E8CE355498/Doc~E9F5259AFFD2044EBB00F5D55F850F946~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Ja, warum, warum nur? Vielleicht weil es sich um ein gesellschaftlich höchst relevantes Ereignis handelt, das viele auch verfolgten? Weil der Sender Phoenix den Auftrag hat umfassend über das politische Geschehen in Deutschland zu informieren und regelmäßig alle Parteitage der gesellschaftlich einflußreichen Parteien überträgt? Weil sich hier die erfolgreichste Parteinfusion in der Geschichte der BRD anbahnt und dies ein spannender Prozess ist, den viele politisch interessierte Menschen gerne verfolgen würden?

Wieso gibt es nicht das leiseste Innehalten, bevor im Programm Platz gemacht wird, wie ihn die NPD zum Beispiel, selbst oder gerade wenn sie Umfrageergebnisse wie die Linkspartei hätte, nie und nimmer eingeräumt bekäme?

Weil es vielleicht doch noch den einen oder anderen Unterschied zwischen NPD und Linkspartei-Programmatik gibt?

Und überhaupt, der Osten ist ja offenbar schon verloren - aber soll er den Westen noch mit ins Verderben reißen?

Doch scheint die schiere Wählermasse, mit der diese in Umfragen derzeit aufwartet, die grundsätzliche Erwägung, ob man ihr nicht erst die Plattform bietet, die sie - zumindest im Westen des Landes - erst so groß erscheinen läßt, wie sie in Wahrheit gar nicht ist, obsolet zu machen.

Auch in meiner Heimatstadt Düsseldorf sorgt das Linksbündnis schon für Aufruhr in den Lokalgazetten. Weil Gregor Gysi hier im Ständehaus vor 550 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Kultur auftreten wird, sprach die Lokale CDU-Frau Marie-Luise Zimmermann schon von "Wahlkampf-Hilfe für einen führenden Vertreter der kommunistischen Linken". In der Provinzpostille "Rheinische Post" wiegelte Ulrich von Alemann, Politikwissenschafter und ein Professor von mir ab: "Sich Gregor Gysi anzuhören, gehört zur politischen Willensbildung. Jeder Bürger kann ihn sich anhören und sich dann seinen Teil selbst denken [...] Gegen einen Auftritt von Jürgen Rüttgers oder Franz Müntefering würde auch niemand etwas haben."

Nach uns die Sintflut

Selbst wenn man ab sofort kein Kohlendioxid mehr in die Atmosphäre pumpte, stiegen die Temperaturen noch mindestens 20 Jahre lang an. Erst im Jahr 2100 wäre das CO2-Niveau wieder auf den Stand von 1975 gesunken, schreiben der französische Umweltforscher Pierre Friedlingstein und seine US-Kollegin Susan Solomon im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Online-Vorabveröffentlichung).

Mehr: http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,365793,00.html

Scheint so als hätten wir es wirklich unwiederbringlich verkackt. Um so mehr kann es einen aufregen, dass es Leute wie Joe Barton offenbar immer noch nicht verstanden haben.

Ja, das waren noch Zeiten

amiga_workbench_20

amiga_500_und_computerspiele

Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Amiga

Der Amiga wird 20:

http://www.stern.de/computer-technik/computer/543383.html?nv=sb
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/23/0,3672,2340471,00.html
http://derstandard.at/?id=2118038
http://www.handelsblatt.com/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200104,204016,930694/SH/0/depot/0/
http://www.ksta.de/html/artikel/1121708054741.shtml
http://www.n24.de/wirtschaft/multimedia/index.php/n2005072012011500002
http://www.heise.de/newsticker/meldung/61992

Mindestens fahrlässig

In Norwegen wurden in den vor dem 2. Weltkrieg alle Bürger im Rahmen einer Volkszählung u.a. mit Wohnort und Religionszugehörigkeit registriert. Wen störte es schon, die Religionszugehörigkeit anzugeben - war ja nur für die Statistik und man lebte in einer stabilen konstitutienellen Monarchie.

Nach der Eroberung Norwegens durch Deutschland 1940 erwies sich dieses Personenregister jedoch als äußerst fatal. Wer hätte bei der Volksbefragung schon daran gedacht, dass die Angabe "Religionszugehörigkeit: jüdisch" ihn mal das Leben kosten könne?

Heute sind wir schlauer. Sensible Daten werden geschützt. Dachten wir vielleicht. Völlig zu Unrecht:

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) und seine Kollegen scheinen zu übersehen, dass 1994 der Homosexuellenparagraf gänzlich gestrichen worden ist. Bei der Eingabe von Ermittlungsergebnissen in die Systeme "IGVP" und "PVP" kann die Polizei die jeweiligen Fälle und die beteiligten Personen der Kategorie "homosexuell" zuordnen. Mit dem Kürzel *omosex* ist es den Ermittlern möglich, sämtliche entsprechenden Datensätze abzurufen, einschließlich der Personalien der gespeicherten Personen.

Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,366574,00.html

Betroffen sind nicht nur das homophobe Bayern, sondern zusätzlich die unionsregierten Bundesländer Thüringen und Nordrhein-Westfalen.

... aber manche sind gleicher.

Man erinnere sich an den Trubel um Peter Sodann und seine gescheiterte Kandidatur für die Linkspartei, in der selbst CSU-Frau Uschi Glas den Druck auf ihren Kollegen kritisierte, den der MDR ausübe.

Der MDR wollte im Falle einer Kandidatur Sodanns damals mit ihm produzierte Tatort-Folgen bis zur Bundestagswahl nicht mehr ausstrahlen und berief sich auf eine Regelung, die alle öffentlich-rechtlichen Sender betreffe. Später hieß es sogar, man wolle gar keine Tator-Folgen mit Sodann mehr produzieren, wenn dieser ein Abgeordnetenmandat für die Linkspartei wahrnehme. Heute berichtet der SPON, dass das gleiche Recht für alle, auf das sich der MDR berief, offenbar doch nicht so gleich ist:

[...] Stölzl, nach eigenen Worten "Andenker der Kulturpolitik Helmut Kohls", ist Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses mit Ambitionen für den Posten des Kulturstaatsministers im Fall eines Regierungswechsels.

Dennoch moderiert er die RBB-Talkshow "Im Palais". Der Sender räumt gegenüber dem SPIEGEL eine Lex Stölzl ein: Den Vertrag für die Fernsehrunde habe der CDU-Politiker erhalten, so RBB-Sprecher Ulrich Anschütz, obwohl in Berlin, im Grunde wie "bei den anderen ARD-Anstalten auch, ein Protagonist des Senders nicht zugleich Abgeordneter sein" dürfe. [...]

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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