In einer
Diskussion auf dem FUCKUP Wiki äußerte jemand die durch das Internet stark verbreitete These von
Silvio Gesells Freiwirtschaftslehre: Man müsse nur den Zins verbieten, schon seien eigentlich alle Probleme der heutigen Wirtschaft gelöst. Ein paar Gedanken dazu von mir, die ich in der Diskussion äußerte:
Also, wichtig zu wissen zum Thema Zinsen ist ja: Die kommen nicht aus dem Nichts, entstehen nicht einfach so. Okay, banal zu erwähnen aber irgendwie finden es viele wohl an sich merkwürdig und "unnatürlich", dass sich Geld selbst vermehrt. Aber: Gäbe es niemanden, der die Dienstleistung des Leihens von Geld nachfragte, würde einem auch keine Bank Zinsen für sein Geld zahlen. Zinsen werden also von denen erwirtschaftet, die sich Geld leihen, das ihnen nicht gehört - aus welchen Grünen auch immer. Banken sind nun dazu da, dieses Interesse zu befriedigen und zu koordinieren. Dafür leihen sie sich wiederum Geld von ihren Kunden, die darüber jedoch nach wie vor frei verfügen können. Das scheinbare Paradoxum funktioniert, da nie alle Kunden gleichzeitig ihr Geld komplett abheben - es bleiben immer genügend Reserven, die an jene veliehen werden, die Geld investieren oder konsumieren (wobei letzteres dumm ist) wollen, das sie zur Zeit nicht haben. Diese Dienstleistung bezahlen sie - und davon werden die Zinsen bezahlt, die die Bank ihren Kunden gewährt.
Viele stört wahrscheinlich die Idee, dass alleine schon der Besitz von Geld einen dazu berechtigt, mehr Geld zu bekommen. Ab einer bestimmten Menge an Reichtum kann man eben alleine von seinem Geld, vom Zins, leben - man bezieht volkswirtschatlich gesprochen also eine Rente, d.h. man bezieht Einkommen, das andere für einen mittels produktiver Arbeit erwirtschaften. Aber, wen das stört, der muss dann konsequenterweise auch den gesamten Kapitalismus infragestellen, in dem beispielsweise der Fabrikbesitzer ebenfalls von einer Rendite lebt, nämlich dem, was seine Angestellten für ihn erwirtschaften. Gleiches gilt für jede andere Form des Besitzes von Kapitals, z.B. Aktien, aber auch für den Besitz von Boden oder Immobilien. Der Hausbesitzer lebt genauso von der Arbeit anderer wie der Geldbesitzer, der von Zinsen lebt. Beide besitzen ein Gut, nach dem eine Nachfrage besteht.
Ein Verbot von Zinsen würde meiner Meinung nach nur dazu führen, dass niemand mehr Geld verleiht - es sei denn aus Menschenfreundlichkeit. Das Kreditgeschäft würde also entweder illegal oder gar nicht mehr von statten gehen.
Kann da vielleicht ein volkswirtschaftlich gebildeter Mensch nochmal drüberschaun und das ergänzen/korrigieren?