Freitag, 24. Juni 2005

Unverhältnismäßig

Vielleicht hat es ja der eine oder andere mitbekommen:

Beim US-amerikanischen Dienstleister CardSystems Solutions sind neulich ca. 40 Millionen Kreditkarten-Daten gestohlen worden, darunter z.B. die Daten von 13,9 Millionen MasterCard-Kunden.

In Deutschland ereignete sich ähnliches, nur in weniger großem Umfang: Die Daten von 50 000 Kreditkarten-Besitzern wurden ausgespäht. Ob auch Ihre Daten ausgespäht wurden? Keine Ahnung, wäre ja völlig unverhältnismäßig Ihnen das mitzuteilen:

Unrechtmäßig ausgespähte Kreditkartendaten würden in weniger als einem Prozent der Fälle tatsächlich betrügerisch eingesetzt, sagte Schneider. Euro-Kartensysteme möchte diejenigen Kunden, deren Daten ausgespäht wurden, auch nicht informieren. "Das wäre unverhältnismäßig", sagte Schneider.

Die Arbeit sollen Sie sich gefälligst schon selbst machen:

Allerdings empfiehlt Euro-Kartensysteme allen Karten-Inhabern, die nächsten Abrechnungen genau zu überprüfen.

Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/459532.html

Der ganz alltägliche Wahnsinn

Heute mal ein Fullquote aus Fefes Blog, weil's so schön auf den Punkt gebracht wurde:

In Simbabwe ist jetzt "Urban Farming" verboten. Wer sein Essen nicht von den Lebensmittelkonzernen (in ausländischer Hand) kauft, ist ein Terrorist!1!! Tja, das ist die Endstufe des Prozesses, mit dem der Internationale Währungsfonds und die Weltbank Länder kaputt machen. Erst werden im Namens des freien Handels Schutzzölle und "Investitionsbarrieren" abgeschafft, dann werden "flexible" Arbeitsgesetze durchgedrückt (d.h. Arbeiterschutz abgeschafft, Gewerkschaften die Macht genommen), werden Strom- und Wasserwerke "privatisiert" (d.h. an die Amis oder Franzosen verhökert), dann werden im Namen der "Entbürokratisierung" Regulierungen abgeschafft, die das Volk geschützt haben. Die Tragik ist, daß diese Roßkur nur Länder machen, die keine Wahl haben, weil die Weltbank ihre Kredite (und Bush im Übrigen seine großzügigen Krediterlasse!) daran koppelt, daß Länder auf den IMF hören, der WTO beitreten und den ganzen WIPO-Scheiß mit tragen. D.h. das Geld aus dem (häufig unter-Wert-)Verkauf der Infrastruktur dient der Schuldentilgung, investieren kann der Staat das nicht. Erstaunlicherweise kommt es gelegentlich vor, daß sich ein Land wehrt. Venezuela ist so ein Kandidat. Ein ähnlicher Skandal wie jetzt in Simbabwe hat sich 2000 in Bolovien abgespielt. Das Land hat die Wasserwerke verkauft, der ausländische Investor (ein Konsortium u.a. mit Bechtel) hat erst mal die Preise verhundertfacht, und der Gipfel war dann, daß die Regierung am Ende den Bürgern verbieten wollte/mußte, selbst Regenwasser aufzufangen, weil die Leute sich das Wasser nicht mehr leisten konnten und nicht verdursten wollten, und sich für den Investor der Profit nicht wie prognostiziert entwickelte. Die Bürger Boliviens haben damals den Aufstand geprobt und gewonnen. Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich dieses Buch oder diesen Dokumentarfilm. Kurz: Weltbank und Währungsfonds sind zwei ausgesprochen verwerfliche Institutionen, die nach der Revolution noch vor RIAA und MPAA weg müssen. Um so beschämender, daß hier in Deutschland a) die Wasserwerke von Berlin privatisiert wurden, und b) der geschäftsführende Direktor des Währungsfonds auch noch unser Bundespräsident wird (ja, der nette Herr Köhler). Das ist ein Armutszeugnis sondergleichen für unser Land. Hier ist man auch noch stolz auf einen Bundespräsidenten, der so ein wichtiges Amt bekleidet hat vorher :-(

Raubkopierer doch keine Verbrecher?

Es war einmal eine Vertriebsindustrie. Sie übernahm den Vertrieb von Musik und später Software, indem sie Daten zunächst auf Vinyl, später auf Kasetten und CDs presste und dafür sehr viel Geld nahm. Die Vetreiber hatten sehr viel Macht, denn was sie taten, wurde für sehr wichtig erachtet, da die Künstler und Softwareentwickler sie benötigten, um sich an ihre Konsumenten zu wenden, kein Weg führte an ihnen vorbei. So wurden sie satt, reich und zufrieden. Dann wurde durch irgendeinen Verbrecher, der das WWW erfand, das Internet plötzlich sehr populär und Menschen Verbrecher entdeckten die Möglichkeit jegliche Informationen ganz einfach direkt, ohne Umweg über die Vertriebsindustrie, auszutauschen. Und diese verbrecherischen Menschen waren so perfide uneingennützig, dass sie dafür nicht einmal Geld haben wollten. Das erzürnte die Vetriebsindustrie, die damit überflüssig geworden war. Sie beschimpfte die Datentauscher als Verbrecher, deren einzige gerechte Strafe eine Vergewaltigung im Knast wäre.

0102034931300

Doch das Volk sah seine Verbrechen nicht ein, hielt dieses Verhalten sogar weiterhin für ganz normal.

Diskussion auf dem FUCKUP-Wiki:

http://fuckup.homeunix.net/index.php?Raubkopierer%20sind%20Verbrecher

Diskussion im Debianforum:

http://www.debianforum.de/forum/viewtopic.php?t=31815

Campagne des CCCs:

http://www.ccc.de/campaigns/boycott-musicindustry

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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