Montag, 20. Juni 2005

Zurück in die Siebziger?

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Wie die Sozialdemokraten suchen auch die Grünen nach ihren Positionen. Eine ist nun klar: Mit dem geplanten Linksbündnis von WASG und PDS wird die Partei nicht zusammenarbeiten. Dessen Wirtschafts-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik führe zurück in die siebziger Jahre

Quelle: http://www.zeit.de/2005/25/wahlkampf1

Zurück in sie siebziger Jahre? Mit Vollbeschäftigung und Wohlstand für alle? Oh graus, oh graus!

Dabei stimmt's noch nicht mal. Es geht gleich zurück in die 50er:

http://sozialisten.de/images/politik/mdb/gemeindeschwester_gesine.jpg

Die SPD ist sauer!

Das Parteibuch von Oskar Lafontain soll vernichtet werden und nun richtet sich der aus Verzweilung geborene Hass der SPD wohl gegen den Koalitionspartner PDS in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, weil die es wagte zur Bundestagswahl gemeinesam mit echten Sozialdemokraten anzutreten:

"Die PDS hat sich mit gewissen Leuten zusammengetan und es der SPD damit nicht leichter gemacht" zitiert die FTD z.B. Sachsen-Anhalts SPD-Chef Holger Hövelmann.

Wie sagt man? Echte Feindschaft gibt es nur unter Brüdern? Sagt man das? Wenn nicht, es sollte zum Sprichwort werden.

Der fahrlässig zerstörte Traum von Europa

Vor einiger Zeit war ich mal wieder in Berlin. Ich übernachtete dort im Eastener Hostel und war am ersten Abend mit zwei Franzosen und einem Spanier, die in Hamburg studierten, in Berlin unterwegs. Am nächsten Tag, nachdem diese abreisten, lernte ich noch eine Polin, die in Posen Englisch unterrichtete und eine Protugisin, die in Portugal zunächst Germanstik studiert hatte und nun in Krakau lebte, kennen. Im Club der polnischen Versager trafen wir dann noch eine Freundin der Polin, die ebenfalls aus Polen kam, in Berlin studierte und ihren Freund, der neben mir der einzige Deutsche in der Runde war. Das alles im "melting pot" Berlin, einer Stadt, die von ausländischen Touristen zu dieser Zeit überrannt wurde (zumindest habe ich noch nie so viele ausländische Reisegruppen in Deutschland gesehen wie in diesen drei Tagen). Zum ersten mal meinte ich zu spüren, dass das Projekt Europa mehr ist als der Euro, die Maastrichter Verträge und das Schengen-Abkommen. Ich sah Europa wieder mit Begeisterung, dachte, dass die aktuellen politischen Entwicklungen vielleicht doch alle nicht so schlimm seien und eine junge Generation europäischer Bürger vielleicht tatsächlich so etwas wie einen Gründungsmythos für ein gemeinsames Europa schaffen könnten. Wie zur Bestätigung war überall in Berlin diese Anzeige plakatiert, die für mich in dem Moment das optimistische Gefühl unterstrich, dass ein friedfertiges und kooperatives Miteinander über alle Staats- und Kulturgrenzen hinweg doch noch möglich sei. Ich glaubte wieder an so etwas wie eine politische Vision, auch wenn einem dies bei allem beschworenen Pragmatismus heutzutage fast peinlich sein könnte und mir immer gleich die Schmidt-Worte "Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen" in den Sinn kommen.

Inzwischen steht das europäische Projekt still. Erst scheiterte die EU-Verfassung, nun scheiterte der EU-Gipfel und ein Richtungsstreit führt zu einer wieder wachsenden Distanz zwischen den Führungen der EU-Staaten.

Was ist falsch gelaufen? Meiner Meinung war der größte Fehler in der Europapolitik aller europäischen Staaten der Versuch, mit der europäischen Einigung gleichzeitig eine rein marktwirtschaftlich orientieret Wirtschaftspolitik in allen EU-Staaten durchzusetzen. Was immer man von solchen wirtschaftlichen Maßnahmen hält, die Vor- und Nachteile mit sich bringen, die Bürger hatten den Eindruck, dass mit der europäischen Einigung unlösbar verknüpft, soziale Härten, Unsicherheiten und ein Abbau von Schutzrechten für die Schwachen, vornehmlich Arbeitnehmer, verbunden war. Diese Verküpfung von europäischer Integration und wirtschaftlicher Deregulierung rief Abwehrhaltungen, Verunsicherungen und Ängste hervor. Nicht gerade das beste Klima für eine europäische Begeisterung.

Am deutlichsten wurde dies in der Formulierung der EU-Verfassung und ihrer Ablehnung in Frankreich. Zum ersten Mal in der Geschichte von Staaten sollten wirtschaftspolitische Grundsätze, die über eine schwammige grundsätzliche Willensbekundung hinausgehen ("Die Bunderepublik Deutschland ist ein sozialer und demokratischer Rechtsstaat") wie der unbeschränkte Marktzutritt von Unternehmen in allen europäischen Ländern, in einer Verfassung festgeschrieben werden. Und wirtschaftliche Gründe waren es dann auch überwiegend, die die sehr europaaffinen Franzosen zum Nein veranlasst haben.

Besonders perfide war die jahrelang geübte Praxis einiger politisch Verantwortlicher, die souverän von den nationalen Regierungen der EU-Länder getragenen unpopulären wirtschaftlichen Entscheidungen oder offensichtlichen Missstände, auf eine höhere, scheinbar nicht zu beinflussene Macht in Brüssel zu schieben. Der Versuch sich so aus Verantwortung zu stehlen, war naheliegend und schien einfach - wurde aber teuer mit wachsender Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit Europa an sich erkauft.

Die Ablehnung der EU-Verfassung und das "Debakel" (so einige Medien) des EU-Gipfels waren nun vielleicht das endgültige und lange überfällige Fanal für einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel der Europapolitik, in der wieder Europa als kulturelle, werteorientierte Idee im Mittelpunkt steht und die unglaubliche Geschichte eines jahrhundertelang tief zerstrittenen und zerrüteten Kontinents, der nach dem Fall des eisernen Vorhangs tatsächlich wieder zusammenwächst, wieder mehr in den Fokus der Betrachtung rückt als eine gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik.

Natürlich brauchen wir langfristig einheitliche soziale Standards und eine Angleichung von Steuern, um als gemeinsamer Wirtschaftsraum bestehen zu können. Doch sollte dies erstens nicht am Anfang stehen und sollten zweitens die Bürger entscheiden können und auch klar vor die Wahl gestellt werden, ob sie lieber ein eher soziales Europa nach französischen oder skandinavischen Modell oder ein eher neoliberales Europa nach britischen Modell bevorzugen.

Wo Reformen noch etwas Gutes verheißen

Dort, wo Reformen noch etwas gutes verheißen und im Interesse der Menschen, nicht im Interesse der Wirtschaft gefordert werden - im Iran - sprechen die Reformer inzwischen von Betrug. In die Stichwahl um das Präsidentenamt scheiterte der Reformkandidat gegen einen islamischer Hardliner und einen Mann, dessen fanatischer islamistischer Extremismus wohl kaum noch mit uns bekannten Worten beschreibbar ist. Nach dem Motto "Hohes Fieber ist besser als der Tod" wird hoffentlich der islamische Hardliner ins Amt gewählt.

Gegendarstellung über dem Bruch

Die Titelschlagzeile über dem Bruch, d.h. also über der Stelle, an der eine Zeitung gefaltet wird, ist das A und O jeder Boulevardzeitung, die zu 80-90% nicht über Abonomments, sondern über den Straßen- und Automatenverkauf Verbreitung finden. Boulevardzeitungsredaktionen wie jene der Bild-Zeitung wissen das und wählen diese Überschrift sorgsamst aus, da sich hier und nur hier entscheidet, ob ein Gelegenheitsleser, also fast alle Boulevardzeitungsleser, diese Ausgabe der Zeitschrift erwirbt oder nicht. Um so bemerkenswerter ist diese Nachricht:

Die 24. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg erließ am Donnerstag auf Antrag von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eine einstweilige Verfügung, der zufolge das Blatt einen Bericht über Beförderungen im Berliner Ministerium auf der Titelseite über dem Bruch, also in der oberen Hälfte, gegendarstellen soll.

Süddeutschen Zeitung vom Samstag, zitiert nach http://www.bildblog.de/?p=648

Aufklärung über die angebliche rot-grüne Beförderungswelle bot auch die FTD:

http://www.ftd.de/pw/de/9751.html

Siehe auch: http://www.bildblog.de/?p=631

Flickr für Videos

Flickr hat eine neue Kultur des Umgangs mit Bildern geschaffen. Es hat seinen ganz besonderen Reiz private Schnappschüsse andere durchzublättern und eventuell zu kommentieren oder zu lesen, was andere von privat erstellen Bildern halten. Nun versuchen verschiedene Anbieter das Flickr für Videos werden, z.B. Dailymotion.com oder YouTube.

Das Angebot wird dadurch wohl stark anwachsen. Interessanter als Rezipient sind dann allerdings wahrscheinlich nach wie vor die Websites, die eine Selektion vornehmen wie http://www.sexyloser.de/ - aber gerade diese Angebote könnten dadurch natürlich sehr profitieren.

(via schockwellenreiter.de)

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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