Sonntag, 19. Juni 2005

Was macht die Blogkultur aus?

Jan Soefjer fragt in seinem Blog "Studentenleben / Online-Journalismus", ob Bloggen nun, nachdem mit Speeblick sich die ersten Blogger zusammengefunden haben, die vom bloggen leben wollen, "bloß noch Jouranlismus sei", also "die ganze Magie verschwindet, wenn alle plötzlich wichtig und erfolgreich sein müssen" wie Peter Praschl befürchtet.

Ich sehe das Problem weniger, wie ich auf in meinem Kommentar dort schreibe:

Blogs nur noch Journalismus

Waren sie je mehr? Ist das Revolutionäre an Blogs der Inhalt? Wohl kaum. Ähnliche Inhalte gab es schon lange vor dem Aufkommen der Blogs. Revolutionär ist vielmehr die Vielfalt. Da ja nun jeder die Möglichkeiten hat seine Gedanken/Meinungen etc. mit einfachsten Möglichkeiten kundzutun, trägt das einerseits zur Ausdiffernzierung, andererseits zu Entmonopolisierung des Medienssystems bei - das ist das Revolutionäre daran.


Und zur Unterstreichung meiner These fügte ich noch ein Brechtzitat ein, das mir besonders gut gefällt:

Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, d.h., er würde es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müßte demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.

Bert Brecht, 1932

Natürlich können und werden sich Blogs durch eine kommerzielle Ausrichtung auch verändern - aber wem das nicht gefällt, der kann ja immer noch auf die zahlreichen nicht-kommerziellen Blogs zurückgreifen, die meiner Einschätzung nach auch immer die Mehrheit aller Blogs bilden werden.

Netzeitung verlinkt mich!

Zwei aus meiner Sicht erfreuliche Neuigkeiten im Zusammenhang mit dem aktuellen Blogosphärenbericht der Netzeitung (vgl. "Netzeitung will Blogosphere dokumentieren"):

1. wird dort die Aktion Owl content erwähnt, die ich auch unterstütze und laut Netzeitung "eine größere Aktion zu werden" scheint.

2. Wird auch mein Blog dort verlinkt. Einziger Wermutstropfen: Der verlinkte Eintrag besteht im wesentlichen aus zwei Großzitaten von RTL News.

Die ebenfalls erwähnten 15 Besucher pro Netzeitungs-Link kann ich allerdings (noch) nicht bestätigten: Bisher waren es laut blogcounter.de zwei - inklusive meines eigenen Klicks ...

Nachtrag:

Ich bin gerade nochmal alle Links durchgegangen und habe festgestellt, dass mein Beirag zum Apple-Switch ebenfalls verlinkt wurde.

Alte Wahlkampfschlager

Die Union entdeckt alte Wahlkampfschlager wieder: Gegen Zuwanderung, für Familie und lange Arbeitszeiten

Quelle: http://www.zeit.de/2005/25/a_neuwahl

Klar, die Angst vor "Überfremdung" hat die Union schon immer gern geschürt und auch das Versprechen eine Politik zu betreiben, die möglichst allen ihre konservativ-beschränkte Vorstellung einer anständigen deutschen Familie zu oktroyierten versucht oder zumindest diese Art der Lebensführung steuerlich und zivilrechtlich belohnt, ist nicht neu.

Aber mit dem "Versprechen" in den Wahlkampf zu ziehen, dass alle trotz technischem Fortschritt, hoher Arbeitslosigkeit, Exportweltmeisterstellung Deutschlands, seit Jahren schwacher Binnenkonjunktur und Rekordgewinne bei den Unternehmen mehr arbeiten und weniger verdienen sollen - das ist dann doch irgendwie neu und ganz und gar kein alter, sondern vielmehr ein neoliberaler "Wahlkampfschlager".

Wahlkampf-Weblogs und die Sabinechristianisierung der Politik

header
Gnadenlose Selbstdarstellung eines eitlen Fatzkes oder neue Form des politischen Dialogs?

Das Blogger-Portal blogg.de möchte gerne jeweils einen prominenten Blogger aus jeder großen Partei Deutschlands überzeugen, einen Blog-Wahlkampf zu führen. Doch die angesprochenen Politiker verteilen offenbar lieber traditionell Kugelschreiber statt tausende Wähler gleichzeitig zu erreichen.

Ein Blog, in dem nicht immer alles auf einfachste Formeln verküzt werden müsste und in denen beispielsweise Links zu ausfürlicheren Hintergrundinformationen geliefert werden könnten, wäre auch, so zitiert die FAZ Nico Lumma von blogg.de, ein Beitrag gegen die nervende "Sabinechristianisierung der Politik".

Focus hat vier Politiker überreden können für ihn zu bloggen. Neben Andrea Nahles sind dies jedoch die üblichen Allesmitmacher wie Silvana Koch-Mehrin (FDP), die sich z.B. gerne mal schwanger für den Playboy ablichten lässt, "CDU-Übermutter" (FAZ) Ursula von der Leyen, die sich regelmäßig selbst für stinklangweilige Deutschtestsendungen auf RTL nicht zu schade ist und der Vorzeige-Neoliberale von den Grünen, Oswald Metzger, der überall auftaucht, wo er sich Publicity für seine Bücher verspricht - vornehmlich auf Unternehmensveranstaltungen.

Für die „Focus Online”-Leser, die sonst schlichteste Texte und halbnackte Frauen gewöhnt sind, ist es ein ziemlicher Kulturschock.

Quelle: FAZ

So ganz scheint die CDU-Übermutter die Gepflogenheiten eines Weblogs allerdings noch nicht verinnerlicht zu haben:

Frau Leyen löscht übrigens Beiträge. Das ist die einzige gute Idee, die ich in ihrem Blog bisher erkennen kann. Wer so einen Mist schreibt, tut gut daran deutliche Ablehnung in den Kommentaren auszufiltern.

Auf ihre hirnrissige Annahme hin, weil es Leute gibt, die gegen Kinderspielplätze klagen, fänden es die Deutschen immer unattraktiver Kinder in die Welt setzen, hatte ich drei Sätze geschrieben. Nix beleidigendes, einfach nur die Frage ob die zurückgehende Geburtenrate nicht am Einkommen und an generell mangelhafter Unterstützung durch den Staat liege. Wobei ich mir die Bemerkung nicht verkniff, bei ihrem Einkommen und ihren Möglichkeiten ihre Kinder betreuen zu lassen, sähe sie evtl. nicht die wahren Ursachen. Mein Kommentar verschwand im Nirvana


Quelle: http://girl.twoday.net/stories/776283/

Jeder der passionierten Selbstdarsteller scheint die Sabinechristianisierung der Politik bisher allerdings leider schon zu sehr internalisiert zu haben, als dass er sich davon lösen könnte:

Silvia Koch-Mehrin nennt Oskar Lafontaine in ihrer gewohnt platten Art z.B. den Jürgen Drews der Politik, da er nie etwas "politisch bewegt habe für die Bürger". Und als wäre diese substanzlose Generalkritik im Bildsprech-Stil noch nicht peinlich genug, schreibt die große Europäerin "Loser" auch noch mit zwei "o". Ursula von der Leyen fordert in ihrer Rolle als Übermutter der Nation in gewohnter Moralapostel-Pose selbstverständlich erstmal ein striktes Alkoholverbot bis 18 Jahre, ohne dabei z.B. darüber nachzudenken, dass damit der mögliche Erwerb eines Führerscheins unglücklicherweise genau mit den ersten legalen Alkoholexzessen zusammenfiele. Bei Andrea Nahles habe ich derart Peinliches beim kurzen Überblicken einiger der bisherigen Blogeinträge nicht gefunden und Oswald Metzgers Geschreibsel zu lesen halte ich leider nicht aus - nach ähnlichen Peinlichkeiten in seinem Blog bitte ich selbst Ausschau zu halten.

(via girl.twoday.net)

FUCKUP Weblog

Zeitgeist-Blog und Meta-Medium

FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer) ist der fiktive Computer von Captain Hagbard Celine. FUCKUP, der sich auf dem goldenen U-Boot Leif Erikson befindet, ermittelt ständig, mittels eines virtuellen I Ging, die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des 3. Weltkriegs. (Wikipedia)

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